„Wenn Reisinger wiedergewählt werden sollte, ist das kein positives Signal“

„Es wird getrickst, getäuscht, getarnt“ - Ismaik attackiert e.V. des TSV 1860

Überraschung? Nicht wirklich. Dass sich Hasan Ismaik vor der Mitgliederversammlung an diesem Sonntag noch einmal zu Wort melden würde, war beim TSV 1860 allgemein erwartet worden.

München – Die Frage war nur: in welcher Form? Seit gestern ist auch das geklärt. Der Investor telefonierte (oder mailte?) mit dem Fachblatt kicker – und sprach sich in dem anderthalbseitigen Interview eindeutig gegen die Wiederwahl des Präsidiums aus. „Wenn Robert Reisinger wiedergewählt werden sollte, ist das kein positives Signal für die Zukunft“, ließ Ismaik wissen. „Wenn dagegen die Vernunft einkehrt, fliege ich am nächsten Tag gleich nach München und bin bereit, sofort über alle wichtigen Dinge zu sprechen, damit der Profifußball von 1860 wieder aufsteht.“

Vernunft – an diesem Begriff scheiden sich bei Sechzig seit jeher die Geister.

Während Ismaik eine Finanzierung über Darlehen für zukunftsfähig hält, fürchtet das e.V.-Lager um Reisinger eine noch größere Abhängigkeit vom Investor. Stattdessen sollen die Mitglieder am Sonntag über eine Kapitalerhöhung und die Einbindung eines dritten Gesellschafters abstimmen. Ismaik lehnt beides ausdrücklich ab. Seine Hoffnung besteht in der Mobilisierung der vielzitierten schweigenden Mitglieder-Mehrheit, um die aktive (und mehrheitlich gegen ihn ausgerichtete) Fanszene zu überstimmen. „Es kann nicht sein, dass das Schicksal von 1860 von 500 bis 700 seitens des e. V. gut organisierten Personen bestimmt wird. Die Löwen-Familie ist viel, viel größer.“

Der aktuellen Klubführung unterstellt Ismaik Böswilligkeit und wirtschaftliche Inkompetenz („Trachtenverein“). So sehe die Vereinsspitze zu, wie Aufsichtsratschef Saki Stimoniaris „und meine Person in der Fankurve massiv beleidigt werden, ohne einzuschreiten“. Doch damit nicht genug. „Auch die Pyrotechnik-Probleme, die von den Reisinger-nahen Ultras provoziert werden, werden vom Präsidenten toleriert, ohne dagegen vorzugehen. Man will es sich ja nicht mit den Wählern verscherzen.“

Kurzum: Es werde „getrickst, getäuscht und getarnt – nur um mich loszubekommen“. Ohne Aussicht auf Erfolg? Ismaiks Gegenmaßnahmen bestehen aus einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer, der „alle Zahlen umdrehen“ soll. Dazu kommt die Absage an alle Verkaufsspekulationen: „Ich werde meine Anteile niemals verkaufen. Nicht heute, nicht in fünf Jahren. Und auch nicht in 30 Jahren. Ich appelliere an alle: Helft endlich mit, dass 1860 wieder der Verein wird, der er früher war.“

Zurück in die Zukunft mit Karl-Heinz Ismaik? Noch immer hofft der Investor auf den Fall der 50+1-Regel. Auch mit dem Grünwalder Stadion ist er nicht mehr glücklich, „Symbolcharakter“ hin oder her: „Irgendwann“ müsse „die Wirtschaftlichkeit an erster Stelle stehen. Irgendwann muss das Träumen ein Ende haben.“ Irgendwann.

Reisinger wollte sich nicht zum Interview äußern.

Am Sonntag kommt es in der Kulturhalle Zenith in Freimann zur Mitgliederversammlung des TSV 1860 München. In unserem Live-Ticker verpassen Sie nichts.

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