Aus für Cosa Nostra und Giasinga Buam

Löwen-Ultras lösen sich auf - was bedeutet das für 1860?

München - Innerhalb kürzester Zeit haben sich mit der Cosa Nostra und den Giasinga Buam zwei große Ultra-Gruppierungen des TSV 1860 aufgelöst. Wer waren sie und was sind die Folgen?

Ein weiterer Paukenschlag erschüttert die Fanszene des TSV 1860 München. Nach der Cosa Nostra haben sich am Montag auch die Giasinga Buam aufgelöst. Damit verlieren die Löwen ihre beiden lautstarken Ultra-Gruppierungen, die sich jahrelang für die Fangesänge und Choreographien hauptverantwortlich zeigten.

Wer waren die beiden Ultra-Gruppierungen und wie geht es nun weiter in der Fanszene des TSV 1860 München? Wie beantworten die Fragen.

Das war die Cosa Nostra 1860

Die Cosa Nostra 1860 (CN) war rund zehn Jahre lang die führende Ultra-Gruppierung der Münchner Löwen. Sie wurde am 13.12.2001 gegründet. Unter dem Motto "Unsere Stadt - unser Verein - unsere Sache" war sie vor allem für die Stimmung und die Choreographien bei den Spielen der Blauen zuständig.

Im Juli 2011 zog sich die Cosa Nostra aus dem aktiven Support der Profi-Mannschaft in der Nordkurve der Allianz Arena zurück. Der Grund war der Einstieg von Hasan Ismaik als Investor beim TSV 1860. "Es ist mit unserem Verständnis von Fußball und Fandasein schlicht und einfach nicht vereinbar, dieses Konstrukt mit Stimmung und choreographischen Elementen zu bedienen", teilte die Gruppe mit. Stattdessen beschränkte sich die Gruppierung auf die Unterstützung der e.V.-Mannschaften, d.h. bei der dritten und vierten Mannschaft des TSV 1860.

Im Sommer 2014 kehrte die Cosa Nostra zurück, nahm wieder aktiv am Support der Profis teil - und das in der Mitte der Nordkurve, zusammen mit den Giasinga Buam. Auch Vorsänger der CN waren wieder zu sehen und zu hören. Das lag auch an der Erkenntnis, dass das Investorenmodell bei den Löwen nicht mit denen von 1899 Hoffenheim, RB Leipzig oder Paris Saint-Germain vergleichbar ist.

Anfang Juli 2016 folgte die überraschende Auflösung. Für Lothar Langer, langjähriger Mitarbeiter des „Fanprojekts München“, gab es dafür vor allem drei Gründe: Innere Zerrissenheit der Fanszene bei 1860, Entfremdung zwischen Verein und Ultras und die sportliche Misere.

Das waren die Giasinga Buam 1860

Gegründet wurden die Giasinga Buam (GB) bereits im Sommer 2008, als die Fanszene sich durch Querelen mit Verein und Stadt in einer schwierigen Phase befand. Basis für den Zusammenschluss war der Kampf für den Erhalt des Grünwalder Stadions, in dem sich die Gründungsmitglieder kennen lernten.

Als sich die Cosa Nostra im Juli 2011 zurückzog, übergab sie die Organisation des Supports in der Kurve an die Giasinga Buam. Diese übernahm damit auch die Positionierung direkt hinter dem Tor. Die Gruppe war jedoch innerhalb der Fanszene nicht unumstritten. Viele Anhänger favorisierten die Rückkehr der Cosa Nostra, die als reifer und organisierter angesehen wurde. Das Verhältnis zwischen Giasinga Buam und Cosa Nostra selbst war ebenfalls nicht das Beste, gipfelte zuletzt in einem Gegeneinander ansingen während des Testspiel gegen Borussia Dortmund im Grünwalder Stadion (1:0).

Die Auflösung der Giasinga Buam am 25. Juli 2016 erfolgte wegen des Diebstahls der Gruppen-Zaunfahne durch Fans des FC Bayern nach dem Spiel gegen Dortmund. Das "ehrenhafte" Entwenden der Zaunfahne durch andere (meist verfeindete) Fans fordert laut Ultra-Kodex die Auflösung der beklauten Gruppe, was jedoch nur selten vorkommt, da sich kaum eine Gruppierung diese Blöße gibt. Außerdem ist der Begriff "ehrenhaft" äußerst dehnbar auslegbar - und in diesem Fall wohl weniger angebracht, da die GB von einem Überfall mehrerer FCB-Anhänger auf einen Löwen-Fan berichteten - wobei es verständlicherweise zwei Versionen von Blau und Rot zu dem Vorfall gibt.

Welche Auswirkungen haben die Auflösungen auf die Fanszene des TSV 1860?

Zunächst einmal entsteht die Auflösung der beiden Ultra-Gruppierungen Cosa Nostra und Giasinga Buam in den blauen Stimmungsblöcken 130/131 der Allianz Arena ein Vakuum. Die Frage lautet nun, wer die Stimmungshoheit direkt hinter dem Tor für sich beansprucht. Eine geregelte Übergabe wie im Sommer 2011 scheint es jedenfalls nicht zu geben.

Es gibt Befürchtungen, dass dieses Stimmungszentrum nun von Mitgliedern der rechtsradikalen Szene eingenommen werden könnte. Nach der CN-Auflösung hätten das die GB verhindern können, doch nun könnte diese Gefahr tatsächlich bestehen.

Allerdings deutet einiges daraufhin, dass sich Mitglieder der CN, der GB und möglicherweise weitere Ultras zu einer neuen Gruppierung zusammenschließen und somit diese Lücke ausfüllen werden. "Wir bleiben euch weiterhin verbunden!", kündigte die Cosa Nostra bei ihrer Auflösung an und die Giasinga Buam ließen verlautbaren, man werde dem "TSV München von 1860, dessen Kurve wir in den letzten acht Jahren belebt haben, auch in Zukunft verbunden bleiben und für unsere Überzeugungen einstehen."

Eine einzelne, aktuell aktive Gruppe ist für die Übernahme der Kurvenhoheit derzeit wohl nicht in der Lage.

1860 und seine Trikots: Ein historischer Streifzug

So fesch spielen die Löwen bei ihrem Wiesn-Heimspiel 2016. Wie im vergangenen Jahr kommt das Trikot im Westenlook daher – die dunkelblaue Farbe mit Löwenmusterung gibt dem Ganzen einen edlen Touch. © TSV 1860
Bei Heimspielen laufen die Löwen 2016/2017 wie schon die Vorsaison mit weiß-blau gestreiften Trikots auf. Es gab nur in Details Veränderungen. © TSV 1860
Auswärts spielen die Löwen in elegantem anthrazitfarbenen Jersey. Wir finden: Ein absoluter Hingucker. © TSV 1860
Der Wiesn-Dress 2015 ist auf jeden Fall ein echter Hingucker. Das Trikot erstrahlt im satten Grün mit Goldknöpfen. Über dem Wappen auf der stolz geschwellten Löwen-Brust steht: "Münchens Große Liebe". © TSV 1860
So spielten die Löwen 2015/2016 bei ihren Heimspielen. Sechzig kehrte zum klassischen weiß-blauen Streifenmuster urück. © TSV 1860
Auswärts trat 1860 in dunkelblauen Trikots mit hellblauen Nadelstreifen auf. © TSV 1860
Erinnerte etwas an den FC Arsenal in blau: Julian Weigl zeigt das Heimtrikot 2014/2015. © TSV 1860
Neuzugang Edu Bedia zeigt sich im Auswärtstrikot für die Saison 2014/2015. © TSV 1860
Zum Wiesn-Derby gegen Ingolstadt liefen die Sechziger im Lederhosen-Style auf. © MIS
So sah das Löwen-Heimtrikot der Saison 2013/14 aus. Der neue Hauptsponsor Volkswagen verzichtete auf sein Logo, warb stattdessen mit dem Schriftzug "Think Blue", zu deutsch "Denke blau". © MIS
Die Auswärtstrikots präsentierten sich in schlichtem Dunkelblau mit einem weiß-blauen Bruststreifen. Chic! © MIS
Im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund spielten die Löwen in ihrem Wiesn-Trikot 2013. © MIS
Ungewohnt dunkel: In diesem Trikot spielten die Löwen 2012/2013 daheim. © TSV 1860
Das Auswärts-Dress 2012/2013 dagegen mutete wie ein Heimtrikot an. © TSV 1860
Premiere: In dieser Spielzeit präsentierten die Löwen im September ein fesches Wiesn-Trikot. © TSV 1860
So spielte der TSV 1860... © Stefan Matzke / sampics
... in der Saison 2011/2012. © Stefan Matzke / sampics
So sahen die Trikots 2010/2011 aus. © picture alliance / dpa
Alexander Ludwig zeigt das Jersey der Saison 2009/2010. © Stefan Matzke / sampics
Im Heimspiel gegen Borussia Dortmund präsentieren die Löwen ihr Jubiläumstrikot zum 150. Geburtstag.  © TSV 1860
Das Trikot kann beidseitig getragen werden. Eine Seite zeigt in einer Fotokollage Highlights der Löwen-Geschichte sowie große Spieler. © TSV 1860
Die andere Seite ist in den Farben des Hauptvereins grün-gold gehalten. © TSV 1860
Auswärts traten die Löwen in hellblau-dunkelblau gestreiften Jerseys an. © picture-alliance/ dpa
Legendär und außerordentlich beliebt war bei den Anhängern das Modell der Spielzeit 2008/2009. Der große Löwe auf dem Dress beeindruckte. © picture-alliance/ dpa
Das Trikot gab es als Ausweichvariante auch in gelb-grün. © picture-alliance/ dpa
Wirbel gab es vor der Saison 2007/2008. Das Trikot der Sechziger gefiel zwar von der Farbaufteilung ... © Christina Pahnke / sampics
... allerdings sorgte der rote Schriftzug von Spnonsor "Trenkwalder" für Aufstand im Fanlager, was die Löwen veranlasste das Trikot etwas zu ändern. © picture-alliance/ dp a
Auf dem Auswärts-Dress wurde der Schriftzug weiß. Auf dem Heimtrikot blieb er rot. © Stefan Matzke / sampics
Anfangs der Spielzeit 2006/2007 lächelten Manager Stefan Reuter (r.) und der Pächter des Fan-Artikel-Shops Max Hintermeier noch, als das Trikot mit dem Wettanbieter-Aufdruck vorgestellt wurde. Doch später musste der "bwin"-Aufdruck weichen. © picture-alliance/ dpa
Deswegen hieß es danach auch nur noch: "We win". Der Grund war das Werbeverbot für private Sportwetten-Anbieter in Bayern. © dpa
Mit traditionellen Streifen gingen die Löwen in die erste Saison in der Allianz Arena. Der Aufsteig sollte allerdings 2005/2006 bekanntlich nicht gelingen. © picture-a lliance/ dpa/dpaweb
Schick: Remo Meyer im Ausweichtrikot 2005/2006. © sampics
Zum Verstecken ausgezeichnet geeignet - Matze Lehmann im Mai 2006 unter der weißen Variante. © picture-alliance/ dpa/dpaweb
Schickes Muster, aber eher mäßige Auszieh-Eigenschaften: Torben Hoffmann kämpft im April 2006 gegen die Garderobe. © picture-alliance/ dpa/dpaweb
In die erste Zweitliga-Saison 2004/2005 gingen die Löwen in blaum Trikot mit weißen Nadelstreifen, zu sehen hier an Roman Tyce und Slobodan Komljenovic. © dpa/dpaweb
Längsstreifen machen dick? Martin Max beweist das Gegenteil. Von 2002/2003 und 2003/2004 spielten die Löwen in diesem Streifenmuster. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Fernando Santos zeigt im Dezember 2003 seinen Bizeps und die schicken Längsstreifen. In diesem Trikot stiegen die Löwen allerdings ab. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Schmerzen? Wenn ja, kann es bei Markus Schroth auf diesem Foto aus der Saison 2002/2003 nicht am Trikot liegen - das brachte einen durchaus schicken Diagonalstreifen ins Spiel. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Sah so schick aus, dass Martin Petrov (r.) sogar Harald Cerny an die Wäsche wollte. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Hübscher als die Haarpracht von Erik Mykland war das Trikot der Saison 2001/2002. © picture-alliance / dpa
Bloß nicht zu viel Trikot zeigen: Martin Max als Meister der Verhüllung. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Markus Weissenberger zeigt das Trikot in Aktion. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Und Icke Häßler hebt damit fast ab. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Und jetzt nochmal alle die Hände zum Himmel im 2001/2002-Jersey. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Ungewohntes Bild: Die Löwen traten in bestimmten Spielen in einem gelb-blauen Ausweichtrikot an. © 
Nicht ausziehen, sondern anziehen! Es geht in die Spielzeiten 1999/2000 und 2000/2001. © picture-alliance / dpa
Thomas Häßler zeigt das für die Sechzig-Fans legendäre Trikot. 1999/2000 schlugen die Löwen damit zweimal die Bayern und traten in der Qualifikation zur Champions League an. © sampics/Christina Pahnke
Das Auswärtstrikot war in schlichtem Dunkelblau gehalten. © picture-alliance / dpa
Das Trikot der Saisons 1997/1998 und 1998/99 zierte ein dunkelblau-weißer Bauchring. © picture-alliance / dpa
Hier ist Löwe Ned Zelic (r.) im Zweikampf mit Zoubaier Baya (l.) vom SC Freiburg. © picture-alliance / dpa
Bernahrd Winkler in Akion. © picture-alliance / dpa
Die Auswärtsvariante des Trikots sah irgendwie modischer aus, wie wir finden. © picture-alliance / dpa
Abedi Pelé im Trikot der Saison 1996/1997. Verschieden lange Streifen und der "1860"-Schriftzug auf der Schulter machten es unverkennbar. © picture-alliance / dpa
1995/1996 bestand das Trikot der Sechziger aus einem gestreiften Bauch- und Rückenpart, sowie einem blauen Block auf der Brust. © picture-alliance / dpa
In der dunkleren Auswärtsvariante wurde der TSV übrigens 1996 Deutscher Hallenmeister. Hier präsentiert Kapitän Markus Schwabl den Pokal. © picture-alliance / dpa
Mit diesem Trikot startete 1860 in die erste Spielzeit nach dem Wiederaufstieg 1994. © dpa
Schlicht, aber erfolgreich: Das Pokalsiegertrikot von 1964. © fkn

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Rubriklistenbild: © MIS

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