„Am Teamgeist werden wir nicht scheitern“

Lauth im Interview: Diese zwei Gefahren sehe ich beim DFB-Team

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Benny Lauth, 39, Rekordtorjäger des TSV 1860 und Experte bei DAZN, staunt, wie fit sich bei der WM die Stürmer präsentieren.

Benjamin Lauth verfolgt die WM als Fan. Der ehemalige Löwen-Stürmer spricht im Interview über seine Erkenntnisse und erklärt Deutschlands größte Stärke.

München - Die Gruppenphase bei der Weltmeisterschaft in Russland biegt auf die Zielgerade ein. Im Interview spricht Ex-Löwen-Stürmer Benny Lauth über Deutschlands Last-Minute-Sieg gegen Schweden, die Form der Favoriten und seine persönlichen Stars des Turniers.

Herr Lauth, Toni Kroos hat Fußball-Deutschland eine Explosion der Gefühle beschert. Wie haben Sie das erlösende Freistoßtor in letzter Minute erlebt?

Lauth: Ich hab natürlich genauso mitgefiebert wie jeder andere Fan auch. Ich hoffe, dass das jetzt der Wachrüttler war, von dem man noch in ein paar Wochen sprechen wird...

Ein Tor-des-Jahres-tauglicher Treffer? Sie kennen sich ja aus damit.

Lauth: Schön war’s auf jeden Fall. Da hat wirklich alles gepasst, der schwedische Torwart stand auch nicht ganz ideal. Wahrscheinlich sollte das am Schluss so sein, obwohl es ja lange nicht so ausgesehen hat. Das Spiel an sich war nichts Berauschendes, aber sie haben wirklich bis zum Schluss Gas gegeben, selbst mit einem Mann weniger.

Im Vorfeld ist ja viel spekuliert worden, ob es teamintern vielleicht nicht so ganz passt. Die These kann man vergessen nach diesem leidenschaftlichen Aufbäumen, oder?

Lauth: Gemeckert wird ja immer schnell. Ich sage: Kritik muss sein und sie war auch angebracht nach den schlechten Testspielen und dem 0:1 gegen Mexiko. Trotzdem sollte die Aussage von Toni Kroos vielen Leuten zu denken geben... Ich denke, dieses Spiel war jetzt das richtige Zeichen zur richtigen Zeit.

Lauth sieht zwei Gefahren beim DFB-Team

Sie sprachen ja eingangs von einem Wachrüttler. Kann ein einziger Moment wirklich so eine radikale Wende bewirken?

Lauth: Er kann Kräfte freisetzen, das auf jeden Fall - aber er dreht nicht alles um 180 Grad. Wenn’s in einem Team nicht passt, dann wird es auch im nächsten Spiel nicht passen - siehe Argentinien. Bei unserer Mannschaft habe ich aber nicht dieses Gefühl. Am Teamgeist werden wir mit Sicherheit nicht scheitern - ich sehe die Gefahr, dass andere Teams vielleicht ein bisschen besser in Form sind. Oder den besseren Kader haben.

Welche Mannschaften haben Ihnen denn bisher am besten gefallen?

Lauth: Belgien gehört dazu, auch Kroatien. Beide hatte man schon länger im Auge, aber speziell die Kroaten haben mich beim 3:0 gegen Argentinien beeindruckt. Sie spielen aggressiv, haben aber auch enorme Qualität mit Ball - das war wirklich bärenstark. Die muss man erst mal schlagen. Und klar: Zu Brasilien und Spanien muss man nicht viel sagen. England und Frankreich haben auch Top-Einzelspieler, aber da muss man abwarten, wie das aussieht, wenn sie auf uns, Spanien oder Brasilien treffen.

Als ehemaliger Torjäger dürften Sie speziell auch die Stürmer im Blick haben. Wer imponiert Ihnen da am meisten?

Lauth:  Lukaku hat eine unheimliche Wucht. Harry Kane steht auch schon bei fünf Treffern - das freut mich, weil ich die Spurs ganz gerne mag. Beeindruckend finde ich insgesamt, wie topfit sich alle präsentieren - das ist ja keine Selbstverständlichkeit nach so einer langen Saison. Und Ronaldo ist eh eine Klasse für sich. Drei Dinger gegen Spanien sind schon eine Ansage.

Was sagen Sie zu Timo Werner und den anderen deutschen Angreifern?

Lauth: Werner war mitentscheidend, dass wir das Spiel gegen Schweden noch gedreht haben. Er hat mit seinem Tempo ordentlich gewirbelt auf dem Flügel, hat dann ja auch den Freistoß für Kroos rausgeholt. Ballsichere Spieler haben wir genug - aber gegen so stabile Deckungen brauchst du einen, der ins Dribbling geht. Brandt hat mir auch gut gefallen. Von der Sorte Spieler haben wir sonst nicht so viel. Gomez ist zwar eine Tormaschine, aber mit Kane, Lukaku oder Costa kann man ihn aktuell nicht vergleichen.

Am Mittwoch steht das letzte Gruppenspiel gegen Südkorea an. Danach - einen Sieg vorausgesetzt - könnte mit Brasilien schon ein echter Brocken im Achtelfinale warten. Welche Chancen geben Sie da dem deutschen Team?

Lauth: Die Chance ist, dass wirklich keiner gerne gegen uns spielt. Mentalität, Wille, Überzeugung - ist bei uns alles extrem ausgeprägt. Ich denke, dass sich da viele einen anderen Gegner wünschen würden.

Interview: Uli Kellner

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