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Wenn‘s bei den Männern schon nix wird:
München brauchen ein neues Derby

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Von: Uli Kellner

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91.533 Zuschauer kamen zum spanischen Frauen-Clasico in der Champions League.
Kämen so viele auch bei einem Münchner Derby im Frauenfußball? Zuschauer-Weltrekord bei Barcelona vs. Real Madrid. © Imago

Spektakel, Zuschauerrekorde und Derbys in der Champions League der Frauen - davon sollte sich München inspirieren lassen. Ein Kommentar von Uli Kellner.

Am Tag danach das gewohnte Bild: Viel Müller und Lewandowski in den Auslagen der Bayern-Fanshops. Und auf den Straßen in Münchens Innenstadt: Hier und da ein Kimmich oder ein Tourist im alten, schmuddeligen Rafinha-Trikot (warum auch immer). Eine Lea Schüller oder Saki Kumagai suchte man vergeblich – was aber nichts heißen muss.

Dass was vorangeht mit der weiblichen Sparte des FC Bayern und speziell mit dem Frauenfußball, hat man ja am Vorabend eindrucksvoll besichtigen können. Der Pariser Prinzenpark, wo schon Metallica und Robbie William aufgetreten sind, wo WM- und EM-Spiele stattfanden, war zu mehr als der Hälfte gefüllt. Und die 27 000 anwesenden Fußballfans (Faninnen?) erlebten einen Abend, der sich nicht verstecken muss vor den genannten Darbietungen. Die Frauen-Teams von PSG und FCB boten ein technisch gutes, mitreißendes, vor allem aber spektakulär dramatisches Fußballspiel. Nach dem 1:2 im Hinspiel und abermaligem Rückstand schafften die Corona-geschwächten Münchnerinnen mit viel Moral eine Verlängerung, wo dann die Kräfte nachließen, ein bisschen auch das Spielglück – und bei männlichen Zuschauern vielleicht so manches Vorurteil.

Bereits das Hinspiel in der Allianz Arena hatte gezeigt: Frauenfußball hat Potenzial. Selbst in einer Stadt wie München, die Rot und Blau traditionell denkt, fanden sich 13 000, die die FCB-Frauen beim Einzug auf die große Bühne begleiten wollten. Raus aus der Nische ist das Motto der Stunde, das zum Trend wird. Wenn man den Blick mal über den Weißwurst-Äquator hinaus schweifen lässt: Tickets für die zweite Frauen-EM im Mutterland des Fußballs finden reißenden Absatz (diesen Juli!). Und dann gab es ja noch den Clasico der anderen Art – das Parallel-Viertelfinale im legendären Nou Camp: 91 533 ließen sich von den Señoras der spanischen Erzrivalen verwöhnen, das die Barça-Frauen mit 5:2 für sich entschieden. Kuliss(inn)enweltrekord!

Da liegt der Gedanke nahe: Wäre das nicht auch eine schöne, da weniger vom Kommerz getriebene Variante für München, ein Frauen-Duell Rot gegen Blau? Die gute Nachricht: Auch beim TSV 1860 wurde vor zwei Jahren eine Frauenfußball-Abteilung aus der Taufe gehoben. Die schlechte: Es sind aktuell neun Ligen, die die A-Klassen-Löwinnen von den Bundesliga-Bayerinnen trennen. Bis sich beide treffen, bleibt viel Zeit, um Frauen-Champions League, EMs, WMs und spanische Alternativ-Clasicos zu genießen.

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