Derby-Interview

Ingolstadt-Trainer Jeff Saibene: „1860 ist ein geiler Klub“

+
Steht aktuell auf Platz zwei mit dem FC Ingolstadt: Jeff Saibene (51).

Der TSV 1860 trifft am Montag auf den FC Ingolstadt. Ingolstadts Trainer Jeff Saibene spricht vor dem Derby über Frust, Niederlagen und seine Ziele. 

  • Trainer Jeff Saibene vom FC Ingolstadt soll den Verein in die zweite Liga führen.
  • Vor dem Derby gegen den TSV 1860 spricht Ingolstadts Coach über seine Mannschaft und den holprigen Saisonstart.
  • Besonders interessant, ist was Jeff Saibene von den Löwen hält.

München - Seit Sommer trainiert Jeff Saibene (51) den FC Ingolstadt. Der gebürtige Luxemburger, zuvor in Bielefeld tätig, soll die abgestiegenen Schanzer zurück in die Zweite Liga führen. Das tz-Gespräch:

Herr Saibene, ihre Mannschaft ist seit neun Spielen ungeschlagen, hat seit Oktober in acht Spielen 19 Tore erzielt. Wie groß ist das Selbstvertrauen vor dem Derby gegen den TSV 1860?

Jeff Saibene: Es könnte schlechter sein. Nach dem Frust über das späte 1:1 gegen Meppen war das 2:0 in Magdeburg sehr wichtig für uns. Dass wir in diesem Hexenkessel so abgeklärt gespielt haben und unsere Chancen konsequent genutzt haben, da muss ich sagen: Kompliment an die Mannschaft. Das war eine reife Leistung.

Der Saisonstart war holprig, im September gab’s nur einen Punkt, dazu das Totopokal-Aus in Schweinfurt. Wie konnten Sie das als Trainer überstehen auf dem heißen Ingolstädter Stuhl?

Saibene: Indem wir uns nicht haben verrückt machen lassen, sondern sachlich geblieben sind. Ich bin nicht von meinem 4-4-2 abgerückt, habe nicht alles auf den Kopf gestellt nach den drei Niederlagen. Das war auch ein Zeichen an die Mannschaft: Wir können das, wir bleiben dran! Ich kenne das Fußballgeschäft und mache mir da keine Illusionen mehr. Wenn du ein paar Mal verlierst, wird diskutiert. Beim FC Bayern genauso wie in Hamburg und Ingolstadt. Davon musst du dich frei machen – das geht nur mit Erfahrung. Erfahrung ist unbezahlbar, um über den Dingen stehen zu können. Ich kann das inzwischen recht gut. Aber es ist nicht so, dass mich deshalb alles kalt lässt. Das wäre auch wieder schlimm.

In Magdeburg sind Sie vom 4-4-2 abgerückt und haben ein 4-1-4-1 spielen lassen.

Saibene: Ja, weil wir flexibel sein wollen und es auch können. Es ist was anderes, wenn du in einer Phase des Erfolgs Änderungen vornimmst als dann, wenn es nicht läuft. Da erzeugst du vor allem eines: Verunsicherung. Und du riskierst deine Glaubwürdigkeit als Trainer.

Wie ruhig lässt es sich in Ingolstadt arbeiten?

Saibene: Das Umfeld ist ruhiger als beispielsweise in Bielefeld. Man merkt, dass es den Klub in dieser Form erst seit 2004 gibt, alles ist sehr familiär. Aber du siehst an der erstklassigen Infrastruktur natürlich auch, dass hier schon Bundesliga gespielt wurde. Wer daraus aber direkt den Anspruch ableitet, dass wir sofort wieder aufsteigen müssen, da muss ich sagen: Vorsicht! Wir hatten im Sommer 21 Abgänge und die meisten neuen Spieler kamen entweder aus der 3. Liga oder aus der eigenen Jugend. Unser Ziel war es, bis zum Schluss oben dabeizubleiben, da sind wir auf dem richtigen Weg.

Dann lassen Sie uns über den Gegner vom Montag reden. Wie schätzen Sie die Löwen ein?

Saibene: Erstens muss ich mal sagen, dass ich es geil finde, wie dieser Verein die Menschen emotionalisiert und mobilisiert. Das gilt auch für Kaiserslautern, Magdeburg oder Braunschweig – ich mag solche Traditionsvereine. Das Spezielle bei 1860 ist sicherlich die Außendarstellung. Man hört und liest so viel… Ich kann mir vorstellen, wie schwierig es sein muss, da als Trainer zu arbeiten. Den Kader finde ich sehr gut gemischt. Wenn ich jetzt nur auf die Spieler gucke und den Rest ausblende, dann ist das sicherlich ein Team fürs obere Tabellen-drittel. Darum erwarte ich auch ein Spiel auf Augenhöhe.

Gibt es einen Löwen, den Sie gerne in Ingolstadt hätten?

Saibene: Es gibt einige interessante Spieler dort, aber das wäre jetzt nicht okay meiner Mannschaft gegenüber, da irgendwelche Namen zu nennen. Und: Einen Spieler von 1860 hab ich ja schon mal trainiert…

Sie sprechen von Prince Owusu, den Sie in Bielefeld hatten. An ihm scheiden sich die Geister in Giesing…

Saibene: Prince ist ein guter Junge. Er bringt alles mit für einen sehr guten Zweitligastürmer – mindestens! Körperlich ist er top, als ich ihn das erste Mal gesehen habe, dachte ich nur: Was für eine Maschine! Was ihm momentan fehlt, ist die Selbstverständlichkeit vor dem Tor. Ich wünsche ihm das Erfolgserlebnis von Herzen. Nur: Am Montag muss es jetzt nicht unbedingt sein.

Interview: Ludwig Krammer

Mit dem FC Ingolstadt wartet am Montag eine wahre Herkulesaufgabe auf den TSV 1860 München. Den Live-Ticker FC Ingolstadt - TSV 1860 München  und ob die Löwen auf zwei Rückkehrer hoffen können finden Sie hier. 

Löwen-Torwart Marco Hiller verrät seinen Weihnachts-Wunsch im Interview.

Auch interessant:

Meistgelesen

1860-Trainingslager im News-Ticker: Löwen im Testspiel kaum zu bremsen
1860-Trainingslager im News-Ticker: Löwen im Testspiel kaum zu bremsen
Sascha Mölders ist auf Abschiedstournee - 1860 hat aber andere Pläne
Sascha Mölders ist auf Abschiedstournee - 1860 hat aber andere Pläne
Löwen-Investor Hasan Ismaik im Fokus: Ungereimtheiten bei Facebook-Profil - was steckt dahinter?
Löwen-Investor Hasan Ismaik im Fokus: Ungereimtheiten bei Facebook-Profil - was steckt dahinter?
Benjamin Lauth über seine Zukunft bei den Löwen: „Ich bin immer bereit zu helfen“
Benjamin Lauth über seine Zukunft bei den Löwen: „Ich bin immer bereit zu helfen“

Kommentare