Er knabbert noch immer am Rauswurf

Ex-Trainer Moniz: "Das ist eine Strafe für mich"

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Fußball ist sein Leben: Ricardo Moniz in seinem „Privatmuseum“.

München - Er war der „Running Gag“ in der Sky-Doku, die am Montag erstmals ausgestrahlt wurde – der Hauptdarsteller. Gesehen hat Ex-1860-Trainer Ricardo Moniz nichts davon.

„Ich habe kein Sky in Holland“, sagte der am 24. September entlassene Ex-Löwen-Coach, der mittlerweile wieder in Eindhoven wohnt. Interessiert war er aber schon noch. „Wie war ich?“, wollte er wissen. Na ja. Was soll man sagen? Laut, immer nah dran, Augen zum Fürchten ständig unter Starkstrom, ein einzigartiges Kauderwelsch – Fucking Moniz halt.

Der 50-Jährige war durchaus zufrieden mit dieser Antwort. Mit seinem derzeitigen Dasein ist er es nicht. „Die Entlassung hat mir sehr wehgetan und sie tut immer noch sehr weh“, sagte Moniz gegenüber der tz und fügte hinzu: „Jeder Tag, an dem ich nicht auf dem Trainingsplatz stehen kann, ist eine Strafe für mich.“ Umso mehr, wenn er jetzt sieht, welche Entwicklung der TSV 1860 seit seiner Beurlaubung genommen hat: Tabellenvorletzter, Abstiegsplatz – das hätte Moniz wahrscheinlich auch noch hingekriegt.

„Ich will und werde nicht nachtreten“, sagte er, „aber dass ich so früh entlassen wurde, verstehe ich nicht. Es war eine Ehre für mich, den TSV 1860 zu trainieren und ich habe immer hundert Prozent gegeben. Natürlich hat es auch mir wehgetan, dass wir in den ersten Spielen noch nicht das Maximum herausgeholt haben, und selbstverständlich übernehme ich dafür die Verantwortung. Aber es war noch früh in der Saison, und die Mannschaft hatte noch nicht die optimale Balance gefunden. Ich hatte nach wie vor die Hoffnung, das es mit uns nach oben gehen würde.“

Über die Entwicklung beim TSV 1860 ist er natürlich informiert, bewegte Bilder vom desaströsen 1:4 in Aue hat Moniz aber nicht gesehen. „Wie ist die Atmosphäre jetzt am Trainingsplatz“, fragte er und gab dann gleich selbst die Antwort: „Ich kann’s mir vorstellen. Da ist jetzt richtig Stimmung, oder? Aber ich will kein Urteil abgeben, dafür bin ich zu weit weg.“

Moniz: In Salzburg wollte man ihn "killen"

Ricardo Moniz wurde am 17. Juni 1964 in Rotterdam geboren. Er spielte in den 80er-Jahren für den RKC Waalwijk und HFC Haarlem in der Eredivisie sowie für den FC Eindhoven und Helmond Sport in der Eerste Divisie (Zweite Liga). Zudem war er einige Zeit beim belgischen Zweitligisten FC Eeklo aktiv. © dpa
Seine Trainerkarriere begann er 2005 als Technikcoach bei den Tottenham Hotspur in London. © afp
2008 wurde er vom damaligen HSV-Coach Martin Jol als Co-Trainer verpflichtet. Auch nach Jols Abschied blieb Moniz beim HSV und arbeitete unter Trainer Bruno Labbadia als Co-Trainer. © dpa
Nach Labbadias Entlassung im Frühjahr 2010 übernahm der Niederländer für ein paar Spiele den Cheftrainerposten, verpasste damals aber den Einzug ins Europa-League-Finale durch das Ausscheiden im Halbfinale gegen den FC Fulham. © dpa
Zur Saison 2010/11 wechselte Moniz als Nachwuchskoordinator zu Red Bull. Dort war er bis zum 8. April 2011 für die Jugendabteilungen der von Red Bull geführten und gesponserten Vereine FC Red Bull Salzburg (Österreich), RB Leipzig (Deutschland), New York Red Bulls (USA), Red Bull Brasil (Brasilien) und Red Bull Ghana (Ghana) tätig. © dpa
Am 8. April 2011 wurde er nach der Trennung von Huub Stevens zum Cheftrainer der ersten Mannschaft von FC Red Bull Salzburg ernannt und bis Saisonende 2010/11 mit den Aufgaben des Sportdirektors betraut. Anfang Mai 2011 wurde er zusammen mit Niko Kovac als Co-Trainer für zumindest weitere zwei Jahre als Trainer bestätigt. In Moniz' erster voller Saison als Chef-Trainer gewann Red Bull Salzburg zum ersten Mal das Double bestehend aus Meisterschaft und Pokal. © dpa
Am 12. Juni 2012 erklärte Moniz seinen sofortigen Rücktritt bei Red Bull Salzburg. Massive Differnezen mit der Klubführung hätten ihn dazu veranlasst, erzählte Moniz später. Zahlreiche Intrigen im Klub hätten eine weitere Zusammenarbeit unmöglich gemacht. "Manche in Salzburg haben versucht, mich zu killen", zitiert ihn die "Süddeutsche Zeitung". Sein Fazit der Arbeit für Red Bull: "Ich habe bei Red Bull nur Streit gehabt." © dpa
Nach der unglücklichen Zeit in Österreich zog Moniz weiter gen Osten, wo er zunächst in Ungarn Ferencvaros Budapest (August 2012 bis Dezember 2013) und dann in Polen Legia Danzig betreute. In Budapest wurde Moniz wegen Erfolglosigkeit entlassen. © dpa
Moniz gilt als Anhänger von Wiel Coerver, der wegen seiner fortschrittlichen Trainingsmethoden auch als „Albert Einstein des Fußballs“ bezeichnet wurde. Der niederländische Fußballlehrer verstarb im April 2011.  © dpa
Aus Salzburg wird die Geschichte überliefert, dass Moniz einmal trotz einer Negativserie mit sieben Niederlagen in Folge trotzdem an seiner Philosophie mit einem 4-3-3 festhielt, obwohl diverse Kritiker ihn dazu aufforderten, die Taktik zu ändern beziehungsweise anzupassen. "Du musst immer deiner Philosophie treu bleiben", sagte Moniz damals. © AFP

Was Moniz allerdings nicht in den Kopf will, ist die Tatsache, dass der Brasilianer Leonardo kaum noch eine Rolle spielt. Weil er ihn geholt hat, weil es „sein“ Spieler war? Moniz: „Dass Leonardo nicht mehr spielen darf, tut mir weh. Weil er ein sehr guter Fußballer ist, einer, der Flair und Ausstrahlung hat. Er war auch eine Bereicherung für die gesamte 2. Liga.“

In eineinhalb Wochen könnte sich Moniz die Löwen in Bochum mal wieder live ansehen. Von Eindhoven sind’s nur 130 Kilometer bis dorthin. Er wird drauf verzichten: „Es ist noch zu frisch. Ich spüre noch die Atmosphäre der Spiele in Lautern oder bei St. Pauli in mir. Da war ich mittendrin. Als Unbeteiligter ertrage ich es noch nicht.“

tz

Quelle: tz

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