Polizei verhindert Straßenschlacht in Giesing / 60- & FCB-Hools gemeinsam gegen Waldhof

"Eine neue Dimension der Gewalt"

Massive Polizeipräsenz auf Giesings Höhen: Schon beim Regionalligaderby 1860 gegen Bayern im Dezember 2007 kam es zu Gewaltausbrüchen
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Massive Polizeipräsenz auf Giesings Höhen: Schon beim Regionalligaderby 1860 gegen Bayern im Dezember 2007 kam es zu Gewaltausbrüchen

Sechzig München und Waldhof Mannheim – es ist eine Kombination, bei der Gewaltexzesse programmiert sind.

Schon im August beim Regionalliga-Spiel der Löwen-Reserve in Mannheim war es zu Ausschreitungen gekommen, am Samstag nun, nach dem 4:1-Auswärtssieg der Waldhöfer, wurde Giesing Schauplatz von Krawallen. Die Münchner Polizei (mit 300 Kräften im Einsatz) spricht von einer „neuen Dimension der Gewalt“ und einer „ungewöhnlichen Allianz“. So sollen 1860- und Bayern-Schläger gemeinsam gegen Mannheimer Hools mobil gemacht haben.

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Ausschreitungen bei Löwen-Spiel

Die Bilanz des Nachmittags: fünf leicht verletzte Polizeibeamte und vier Festnahmen. Eine „Straßenschlacht“ zwischen den jeweils rund 250 Mann starken Hooligan-Gruppen nach dem Spiel habe nur mit „massivem Einsatz“ verhindert werden können, sagte Polizeisprecher Dieter Gröbner. Schon in der zweiten Halbzeit der Partie war die Polizei mit Schlagstöcken und Pfefferspray gegen „Fans“ vorgegangen, die in die gegnerischen Tribünenblöcke eindringen wollten.

Entsetzt über die neuerlichen Gewaltausbrüche zeigte sich Günter Krause, der Leiter des Münchner Fanprojekts: „Ich war beim Spiel und hatte ein ungutes Gefühl, weil einige Leute aus der Hooligan-Szene da waren, die man lange nicht mehr gesehen hat. Man muss sich bei der Polizei bedanken, dass Schlimmeres verhindert wurde.“ Die Aggressionen, darauf legt Krause besonderen Wert, seien am Samstag nicht von Mitgliedern der 1860-Ultra-Gruppierungen wie „Cosa Nostra“ etc. ausgegangen, sondern „ganz klar“ von den Hooligans. Dass es Mitläufer gegeben habe trotz mehrerer Ermahnungen zum Gewaltverzicht seitens des Fanprojekts, sei „ bedauerlich“.

Video: Randale bei 1860 II gegen Mannheim

Bei der Partie des TSV 1860 II und Waldhof Mannheim gab es heftige Auseinandersetzungen der Anhänger beider Mannschaften. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort, wie es sonst nur bei Bundesligaspielen eingesetzt war.

Bemerkenswert ist die Gewalt-Allianz mit Bayern-Hooligans. Laut Polizei hatten sich vor der Partie etwa 40 Löwen-Hools und 20 Bayern-Geistesverwandte in einer Gaststätte auf die erhoffte Schlacht mit den Gästen vorbereitet. Von einer Auferstehung der „Service Crew“, einer 80er-Jahre-Hooligan-Allianz aus Rot und Blau, könne laut Krause allerdings „keine Rede“ sein.

Die Konsequenzen des Samstags? Für Klaus Röschinger, den Leiter der szenekundigen Polizeibeamten, sind nun vor allem die Löwen in der Pflicht: „1860 muss sich ernsthaft Gedanken machen, wie man mit diesen gewaltbereiten Leuten umgeht. Worten müssen Taten folgen.“

lk

"Befürchten keine Strafe vom DFB!"

Bernd Ingerling, Mitglied der Geschäftsführung des TSV 1860 und Spezialist in Stadionfragen, nimmt zu den schlimmen Vorfällen beim Regionalligaspiel zwischen dem TSV 1860 und Waldhof Mannheim am Samstag im folgenden Interview Stellung.

Herr Ingerling, erneut ist es rund um ein Spiel der Regionalligamannschaft des TSV 1860 zu Ausschreitungen gekommen. Muss der TSV 1860, der ja schon nach dem Hinspiel in Mannheim bestraft wurde, jetzt mit noch härteren Sanktionen durch den DFB rechnen?

Ingerling: Das glaube ich nicht. Ich habe mit unserem Sicherheitsbeauftragten Toni Sontheimer und dem Fanbeauftragten Axel Dubelowski gesprochen, und die haben mir mitgeteilt, dass im Stadion so gut wie nichts passiert ist. Zwei Knallkörper wurden auf der Gegengerade im Löwen-Block gezündet, und der Versuch von Mannheimer Fans, in den Löwen-Block einzudringen, wurde von der Polizei ebenso verhindert wie das Vorhaben von 1860-Fans, in die Mannheimer Kurve zu stürmen. Dieser Polizeieinsatz war hervorragend und hat Ausschreitungen im Stadion verhindert.

Beim Spiel in Mannheim vor einem halben Jahr wurden aus dem Löwen-Block Leuchtraketen gefeuert. Wie hoch war die Strafe vom DFB?

Ingerling: 8000 Euro Geldbuße und die Androhung, dass wir ein Spiel vor leeren Rängen austragen müssen, wenn wieder etwas passiert. Außerdem wurden gegen vier Personen Stadionverbote ausgesprochen. Aber diesmal ist alles weitaus kontrollierter abgegangen als im Hinspiel. Deshalb glaube ich auch nicht, dass vom DFB etwas auf uns zukommt.

So richtig rund ging es aber nach dem Spiel zu.

Ingerling: Da sollen etwa 150 Löwen-Fans versucht haben, in den Bereich der Mannheimer zu gelangen. Aber auch bei diesem Versuch wurden sie von der Polizei aufgehalten. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis die insgesamt rund 350 Mannheimer in ihren Bussen saßen und wieder weg waren.

Es wurden auch fünf Polizisten bei dem Einsatz verletzt.

Ingerling: Das ist natürlich ein schwerwiegender Punkt, dass es verletzte Beamte gegeben hat. Aber so viel ich gehört habe, sollen vier Leute aus dem Pulk festgenommen worden sein, die im Verdacht stehen, gegen die Beamten tätlich geworden zu sein.

Interview: Claudius Mayer

Quelle: tz

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