Dennis Malura: Billig und willig

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Dennis Malura

Maria Taferl/München - Neuzugang Dennis Malura soll bei den Sechzgern Großverdiener Antonio Rukavina ersetzen. Der nötigen Biss bringt er auf jeden Fall mit.

Im Frühjahr, als es Spitz auf Knopf um die hoch verschuldeten Löwen stand, hatten die Online-Ausgaben der Münchner Tageszeitungen einen Leser mehr. Dennis Malura, damals noch Profi beim Drittligisten Rot-Weiß Erfurt, klickte täglich auf die Sportseiten und zitterte aus der Ferne mit.

„Zwei Spieltage vor Saisonende hatte ich einen Vertrag unterschrieben“, berichtet der Rechtsverteidiger, „bei einer Insolvenz wäre der nichtig gewesen.“

Damit wäre sie vorbei gewesen, die Chance, „die vielleicht nie wieder kommt“. Der Zweijahresvertrag bei 1860, das ist für Malura ein Sechser im Lotto mit Zusatzzahl, mindestens. „Mein Traum war immer die zweite Liga“, sagt er, „und dass ich einen Verein wie 1860 bekomme, da bin ich schon stolz drauf.“ Unbedingt damit gerechnet hatte er nicht.

Der Löwen-Spielplan für die neue Saison

Jetzt können Reiner Maurer & Co. planen: Die Paarungen für die neue Saison stehen fest. © sampics
1. Spieltag: Eintracht Braunschweig - TSV 1860 München © Getty
2. Spieltag: TSV 1860 München - Karlsruher SC © Getty
3. Spieltag: FC Energie Cottbus - TSV 1860 München © Getty
4. Spieltag: TSV 1860 München - FC Erzgebirge Aue © Getty
5. Spieltag: Fortuna Düsseldorf - TSV 1860 München © Getty
6. Spieltag: TSV 1860 München - 1. FC Union Berlin © Getty
7. Spieltag: FC St. Pauli - TSV 1860 München © Getty
8. Spieltag: TSV 1860 München - FSV Frankfurt 1899 © Getty
9. Spieltag: SpVgg Greuther Fürth - TSV 1860 München © Getty
10. Spieltag: TSV 1860 München - SG Dynamo Dresden © Getty
11. Spieltag: F.C. Hansa Rostock - TSV 1860 München © Getty
12. Spieltag: TSV 1860 München - SC Paderborn 07 © Getty
13. Spieltag: MSV Duisburg - TSV 1860 München © Getty
14. Spieltag: TSV 1860 München - VfL Bochum 1848 © Getty
15. Spieltag: FC Ingolstadt 04 - TSV 1860 München © Getty
16. Spieltag: TSV 1860 München - Eintracht Frankfurt © Getty
17. Spieltag: Alemannia Aachen - TSV 1860 München © Getty
Die Rückrundenspiele sind natürlich die gleichen wie in der Vorrunde - mit umgekehrtem Heimrecht © sampics

Die zweite Liga als Lebenstraum - nicht viele Fußballer würden dieses Ziel formulieren, aber Malura ist schon 27, aus Sicht der heutigen Profis ist man da fast schon ein Methusalem. Die vergangenen Jahre seiner Laufbahn verbrachte der gebürtige Berliner bei Drittligisten wie Erfurt und Offenbach, die eines mit ihm gemein hatten: Große Ambitionen, aber keine Garantie, den erhofften Sprung in die gehobeneren Kreise des Fußballs zu schaffen. „Man muss auch Realist sein“, sagt Malura, „ich war nie derjenige, der drei, vier Mann in der Telefonzelle ausspielt. Alles, was ich kann, habe ich über Kampf und Wille geschafft.“ Wie Papa Edmund, der es in den 80er-Jahren auf 178 Zweitligaspiele gebracht hat - allesamt für Klubs, die schon nach Schweiß und Grätsche klingen: TB Berlin, Charlottenburg, Rot-Weiß Oberhausen, Union Solingen.

Es ist ein Zeichen für die neue Bodenständigkeit der Löwen, dass dieser bescheidene Kicker einen Mann ersetzen soll, der 22 Länderspiele in den Beinen hat und Borussia Dortmund mal eine Millionenablöse wert war: Antonio Rukavina, seit März 2009 konkurrenzloser Dauerbrenner rechts in der Viererkette. „Ich hab’ absolut Respekt vor dem, was Toni geleistet hat“, sagt Malura brav. „Er war letzte Saison jede Sekunde auf dem Platz, das schaffen sonst nur Torhüter.“ Ein Gehalt wie Rukavina schaffen im Normalfall allerdings nur Erstligaprofis (oder Spieler, die das Glück haben, in einer Phase des Größenwahns geholt zu werden) - und genau deswegen soll der Serbe den Verein verlassen.

Volland: „Dennis rennt sich die Lunge aus dem Hals.“

Malura weiß also, warum er geholt wurde. Weil er billiger ist als Rukavina. Weil er willig ist. Und weil die Löwen an schlummerndes Potenzial in ihm glauben. „Es gibt in den unteren Ligen viele Spieler, die locker oben mitspielen können“, sagt Sportchef Florian Hinterberger (auf die sperrige Stellenbezeichnung Koordinator verzichtet er ab sofort), „man muss sie nur entdecken.“ Den Löwen ist Malura erstmals aufgefallen, als sie im Januar ein Testspiel bei Rot-Weiß Erfurt bestritten. Mit 2:3 verlor der Zweitligist, und Kevin Volland, der links vorne spielte, erinnert sich: „Dennis war überragend. Der hat sich fast die Lunge aus dem Hals gerannt.“ Was man halt macht, wenn man die Chance seines Lebens wittert. „Diese 90 Minuten“, sagt Malura, „die waren absolut wertvoll.“

Das Schöne für 1860 ist: Sie erhalten mit Malura nicht nur einen hochmotivierten Spieler („Ich hasse es, wenn man bei verlorenen Bällen nicht nachsetzt“). Sondern auch einen, der bereits eine schwere Krise überstanden hat. Damals in Offenbach, als ihn Trainer Hans-Jürgen Boysen links liegen ließ (obwohl er ihn verpflichtet hatte), war Malura kurz davor, mit dem Fußball aufzuhören: „Wenn du 365 Tage wie bekloppt kämpfst und trotzdem nie spielst, kriegst du irgendwann Selbstzweifel.“ Bei ihm äußerten sie sich dergestalt, dass er nur noch schlapp auf dem Sofa rumhing, nicht mehr ans Telefon ging und sogar zu lustlos war, „rauszugehen, um mit den Jungs Party zu machen“. Dieses Jahr, sagt er, „war der reinste Horror“. Erst der Wechsel nach Erfurt hat ihm wieder Auftrieb gegeben. Der damalige Trainer Rainer Hörgl, erklärt Malura nicht ohne Pathos, „hat mich ins Leben zurückgeholt“.

Bei den Löwen soll es ab sofort nur noch aufwärts gehen. Sein erklärtes Ziel ist es, „beim ersten Meisterschaftsspiel auf dem Platz zu stehen“, und nachdem er in den Testspielen mit an Rukavina erinnernder Zuverlässigkeit kaum eine Minute versäumt hat, sollte er es erreichen. Privat läuft es sowieso. Malura hat kürzlich geheiratet und erwartet im Dezember Nachwuchs. Man kann davon ausgehen, dass Malura jr. einen starken Willen haben wird.

Uli Kellner

Quelle: tz

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