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„Die verknacken den“: 1860-Trainer leidet mit Boris Becker - und kritisiert Bundesregierung

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Von: Patrick Mayer

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Trainer des TSV 1860 München: Michael Köllner nach dem Sieg der Löwen gegen Havelse.
Trainer des TSV 1860 München: Michael Köllner nach dem Sieg der Löwen gegen Havelse. © IMAGO/Ulrich Wagner

Michael Köllner wird gefragt, ob er Trainer des TSV 1860 München bleibt. Stattdessen spricht er lieber über die Haftstrafe für Boris Becker und deutsche Waffenlieferungen im Ukraine-Krieg.

München - Michael Köllner, ein gläubiger Christ, gilt als sehr reflektierter Mensch, der über den viel zitierten Tellerrand hinausschaut. Der Trainer des TSV 1860 München nimmt deshalb gerne und öffentlich Stellung zu gesellschaftlichen Themen. So tat es der Oberpfälzer zum Beispiel schon zur Coronavirus-Pandemie. Und so hat das bayerische Original, freilich in bestem Dialekt, sich jetzt wieder zu Themen geäußert, die so ganz abseits des Fußball-Platzes zu suchen sind.

Michael Köllner: Trainer des TSV 1860 München lässt Zukunft offen

Vor dem Heimsieg des TSV 1860 gegen Absteiger TSV Havelse (3:0) in der 3. Liga wurde der 54-Jährige im Interview mit „Magenta Sport“ gefragt, ob er denn nun über den Sommer hinaus Trainer der Münchner Löwen bleibt. Doch: Köllner wich aus, wollte gar nicht über Fußball sprechen, sondern offenbar über das, was momentan die Nachrichten bestimmt. „Wir hören, dass Michael Köllner ganz offensichtlich andere Themen beschäftigen“, sagte Moderator Simon Köpfer vor der Sendung. Und dann ging es los, das Interview in bestem Oberpfälzisch.

Gestern verknacken die den Boris Becker, setzen den zweieinhalb Jahre ins Gefängnis.

1860-Trainer Michael Köllner bei „Magenta Sport“

„Gestern verknacken die den Boris Becker. Immens. Setzen den zweieinhalb Jahre ins Gefängnis“, meinte der Löwen-Trainer aus dem Zusammenhang gerissen zur Haftstrafe für Tennis-Star Becker in London. Aber damit nicht genug: Der 1860-Coach kam auch auf deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine im Krieg mit Russland zu sprechen.

Michael Köllner: 1860-Trainer spricht in Fußball-Interview über Boris Becker und den Ukraine-Krieg

„Die Bundesregierung entscheidet, wir liefern Waffen in die Ukraine. Das interessiert mich, wenn ich ganz ehrlich bin. Und nicht, ob ich nächstes Jahr hier Trainer bin. Ich denke mal, wir haben da einen großen Stock gebrochen“, sagte der Fußball-Coach: „In Afrika und Asien sind über Jahrzehnte Ungerechtigkeiten passiert. Da hat sich die deutsche Regierung nicht ein Mal darum gekümmert.“ Schließlich erinnerte Köllner daran, „bei uns liegt einer unserer Edelfans mit einem Herzinfarkt im Krankenhaus. Das sind Themen, die mich interessieren, und nicht, wie es nächstes Jahr weitergeht“, meinte er bei „Magenta Sport“: „Das wird schon irgendwie werden.“

Bei besagtem Edelfan handelt es sich um den „Allesfahrer“ Svend Friderici, der die Sechzger stets zu den Auswärtsfahrten begleitet. Was Köllner mit Bezug auf die Waffenlieferungen durch die deutsche Bundesregierung an Kiew meinte? Ob er die Lieferung von Waffen generell kritisiert? Ob er Deutschland für milliardenschwere Lieferungen von Waffen an Staaten wie Saudi-Arabien und Ägypten kritisiert, von denen unter anderem die Deutsche Welle berichtet? Ob er es nicht versteht, warum bei der angegriffenen Ukraine stattdessen gezögert wird? All das blieb in dem Interview unbeantwortet.

Im Video: Kompakt - Die News zum Russland-Ukraine-Krieg

Nach der Partie gab es für ihn übrigens weiteren Gesprächsstoff. Oder besser gesagt, Material für Rechenbeispiele. Denn: Der TSV 1860 (4. / noch zwei Saison-Spiele) hat durch das 3:0 auf Giesings Höhen die Minimalchance auf die Aufstiegsrelegation gewahrt, während der Tabellen-3., der 1. FC Kaiserslautern (noch ein Spiel), gegen den BVB II 1:3 verlor. Macht fünf Punkte Rückstand. Verliert Lautern am nächsten Spieltag bei Viktoria Köln und gewinnen die Sechzger bei Aufsteiger 1. FC Magdeburg, dann wäre am letzten Spieltag, an dem der 1. FCK spielfrei hat, noch alles möglich. (pm)

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