SV Pullach und TSV 1860 II liefern zum Abschluss Spektakel  

1860-Coach Schmöller will wenigstens trainieren: „Sind ein Profiverein“

Frank Schmöller stellt für die jungen Talente des TSV 1860 II die Sinnhaftigkeit des Trainingsverbots in Frage.
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Frank Schmöller stellt für die jungen Talente des TSV 1860 II die Sinnhaftigkeit des Trainingsverbots in Frage.

Während die Mehrheit der Bayernliga-Teams bereits ihre Spiele absagten, lieferten sich der SV Pullach und der TSV 1860 II noch einen spektakulären Kampf.

München – Nichts geht mehr. Der „Wellenbrecher-Shutdown“ zwingt auch den bayerischen Amateurfußball in die vorzeitige Winterpause. Am Wochenende war es den Vereinen aber noch freigestellt, ob sie zu ihren Partien antreten wollten. In der Bayernliga wurden so nur zwei Spiele ausgetragen, erst 2021 wird es weitergehen. 

An der Tabellenspitze steht der FC Pipinsried unmittelbar vor der Rückkehr in die Regionalliga, doch im Kampf um Platz zwei kündigt sich ein heftiges Gerangel zwischen dem FC Deisenhofen und dem TSV Wasserburg an. Wobei derFCD mit vier Punkten Vorsprung auf Wasserburg in die lange Winterpause geht. 

FC Deisenhofen würde „sicher Lösungen“, finden, wenn der Aufstieg in die Regionalliga gelingt

Bemerkenswert: Ohne namhafte Neuzugänge hat der isländische Trainer Hannes Sigurdsson eine schlagkräftige Truppe geformt, die besonders in der Offensive (mit bisher 60 Toren) glänzt. Für Fußball-Chef Franz Perneker gibt es noch einen weiteren Trumpf: „Wir sind ein Aufsteiger, von uns erwartet niemand den nächsten Aufstieg, aber unser Konzept, auf den eigenen Nachwuchs zu setzen, ist voll aufgegangen“.

Der Durchmarsch von der Landes- in die Regionalliga würde Deisenhofen aber vor einige organisatorische Probleme stellen, um den Anforderungen der vierten Liga gerecht zu werden. „Aber wenn es die Mannschaft schafft, finden wir sicher Lösungen, um in der Regionalliga antreten zu können“, betontPerneker. Während sich dagegen der FC Ismaning zuletzt im Tabellen-Mittelfeld etablierte, kämpft der TSV 1865 Dachau noch gegen den Abstieg.

TSV 1860 II erspielt sich bei Schmöller-Rückkehr trotz Unterzahl starkes Unentschieden 

Ausnahmezustand herrschte derweil am Samstag in Pullach. Wegen des hohen Inzidenzwertes im Landkreis München waren für das Heimspiel gegen den TSV 1860 München II nur 50 Zuschauer zugelassen, sodass der SV Pullach auf seiner engen Anlage inmitten der Gemeinde erstmals in seiner Vereinshistorie ein ausverkauftes Haus vermeldete. 

Bereits eine Viertelstunde vor dem Anpfiff musste der Eingang geschlossen werden, während der Partie versammelten sich etliche Interessierte hinter dem Zaun. Und auch die bekamen einiges geboten: In einer aufregenden, unterhaltsamen und abwechslungsreichen Begegnung trennten sich beide Teams bei traumhaftem Herbstwetter mit 3:3. 

Frank Schmöller nach 3:3 gegen SV Pullach: „So schön kann Fußball sein“

„So schön kann Fußball sein“, bilanzierte auch 1860-Coach Frank Schmöller, der selbst fünf Jahre in Pullach tätig gewesen war und den SVP 2017 sogar zur Bayernliga-Meisterschaft geführt hatte, nach dem Abpfiff lächelnd. Dabei hatten seine Junglöwen in der Schlussphase noch den späten Ausgleich hinnehmen müssen. 

„Hoch zufrieden“ war Schmöller trotzdem – und das nicht wegen des schönen Wetters. Zwar war sein 1860-Nachwuchs zunächst nach einem Foul Simon Rauscheders an Matthew Durrans durch Timo Spennesbergers Strafstoßtreffer in Führung gegangen (28.), nur kurz darauf jedoch gerieten die Gäste durch die Gelb-Rote Karte für Ahanna Francis Agbowo in Unterzahl (36.). „Etwas übermotiviert“ sei der 19-jährige Mittelfeldspieler bei seinem Debüt im Herrenbereich wohl gewesen, zeigte Schmöller später Verständnis.

SV Pullach: Spielertrainer Benede bei 2:3 „von Sonne geblendet“

Chancen konnten die Platzherren auch in Überzahl nicht kreieren, der Ausgleich durch Daniel Brändle kam buchstäblich aus dem Nichts zustande (44.). Auch der Pullacher Führungstreffer zum 2:1 durch Özgür Sütlü (55.) fiel zum „psychologisch nicht gerade optimalen Zeitpunkt“, wie der 1860-Coach dozierte. Seine Mannschaft jedoch bewies Widerstandskraft und holte sich binnen fünf Minuten durch Moritz Heigl (57.) und Sascha Hingerl (60.) die Führung zurück. 

Besonders bitter war für die Gastgeber das 2:3, das Spielertrainer Alexander Benede durch einen kapitalen Ballverlust am eigenen Strafraum eingeleitet hatte. Er sei „von der Sonne geblendet“ worden, erklärte der Innenverteidiger, der dennoch keine Ausreden suchte. Ist Benede doch ein Mann, von dem stets Klartext zu erwarten ist. Tolles Spiel, super Wetter, spät noch den verdienten Ausgleich durch Max Zander (87.) erzielt? 

SV Pullach: Gestresster Benede bleibt optimistisch im Abstiegskampf

„Alles uninteressant“, so der 32-Jährige, „interessant wären heute nur drei Punkte gewesen“. Aufgrund der aktuellen Situation sei er „gestresst“, gibt Benede unumwunden zu, „Familie, Job, Abstiegskampf, das ist alles ein bisschen viel während Corona“. Deshalb sei er „froh, dass wir jetzt Winterpause haben“, um danach umso mehr anzugreifen. Denn „von einer Sache“ ist Benede „überzeugt: Man hat doch gesehen, dass so kein Abstiegskandidat spielt“.

Sein Pendant indes würde gerne zumindest noch weiter trainieren. „Wir sind ein Profiverein“, so Schmöller, und für seine jungen Spieler gehe es nun „auch um die psychologische Hygiene, die dürfen doch momentan gar nichts, müssen um 21 Uhr zu Hause sein und jetzt sollen sie auch noch monatelang wieder keinen Fußball spielen dürfen?“ War ihm doch nur wenige Minuten zuvor noch „das Herz gesprungen, wie die Jungs sich in Unterzahl dagegen gestemmt haben“. Jetzt aber ist erst mal Winterpause. Und die wird zäh.

(KLAUS KIRSCHNER und MATTHIAS HORNER)

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