"60? Ich trete keinen, der am Boden liegt"

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Karl-Heinz Rummenigge macht sich keine Sorgen um Franck Ribéry.

Das Chaos beim TSV 1860 beherrscht die Schlagzeilen. Doch es gibt einen weiteren Aufreger in München: die Spekulationen um Franck Ribéry.

Die tz sprach mit Karl-Heinz Rummenigge über den Franzosen und die ungewisse Zukunft der Löwen.

Ribéry hier, Ribéry da. Die Wechselgerüchte um Bayerns Superstar hören nicht auf. Sogar Jürgen Klinsmann sprach im Blickpunkt Sport von einem Angebot Real Madrids. Machen Sie sich inzwischen nicht doch Sorgen, Herr Rummenigge?

Rummenigge: Also, da muss ich den Jürgen korrigieren: Es gibt keine Anfrage und auch kein Angebot von Real Madrid. Das ist ganz klar. Und selbst wenn es so etwas geben würde, würde es zu dem Thema kein Gespräch geben. Das sage ich noch mal in aller Deutlichkeit! Vielleicht glaubt mir ja der ein oder andere nicht: Wir haben einen Vertrag bis zum 30. Juni 2011 – und es wird kein Transfer von Franck Ribéry stattfinden. Egal, welcher Klub uns welche Anfrage macht. Wir werden diesen Klubs mitteilen, dass wir an einen Transfer von Ribéry keinen Gedanken verschwenden. Wir wissen, was wir an Franck haben.

Franz Beckenbauer sieht das Problem, dass die Spieler heute mehr Macht haben als der Verein. Nach dem Motto: „Wenn er weg will, kommt er einfach nicht mehr“…

Rummenigge: Das stimmt so nicht. Wofür machen wir denn Verträge? Verträge beinhalten immer Rechte und Pflichten. Das Recht ist, dass der Spieler pünktlich und wie vereinbart bezahlt wird. Die Pflicht ist, dass man, wenn man einen Vertrag unterschreibt, weiß, wie lange man sich an einen Klub bindet.

Bei einem Spieler fehlt die Unterschrift noch: Zé Roberto hat diese Woche in der tz geäußert, gerne noch zwei Jahre bei Bayern zu bleiben. Wie ist der Stand?

Rummenigge: Wir sind mit ihm so verblieben, dass sein Berater in den nächsten Wochen nach München kommt. Dann wollen wir in dieser Richtung ein Gespräch führen. Er hat signalisiert, dass er bleiben möchte, wir haben ihm signalisiert, dass wir ihn gerne weiterverpflichten möchten. Ich gehe davon aus, dass wir eine Lösung hinkriegen werden.

Für ein oder zwei Jahre?

Rummenigge: Dazu möchte ich vor dem Gespräch nichts sagen.

Hat eine Verlängerung mit Zé Auswirkungen auf Mark van Bommels Verbleib?

Rummenigge: Nein, das ist völlig unabhängig. Ich bin ziemlich überzeugt, dass Mark das Angebot des FC Bayern annehmen wird.

Gibt es bei Martin Demichelis etwas Neues?

Rummenigge: Noch nicht. Aber trotz seines Ausrutschers am Sonntag spricht nichts dagegen, dass er bei uns bleibt (lacht).

Zu Transferfragen äußerten Sie sich auch am Montag bei einem Kongress in der Schweiz – und sprachen sich deutlich gegen Transfers von Jugendlichen aus.

Rummenigge: Wir haben in Untersuchungen festgestellt, dass immer mehr Klubs dazu neigen, Spieler in einem Alter von 12, 13 Jahren zu transferieren. Zum Teil sogar aus anderen Kontinenten, Südamerika und Afrika speziell. Das halten wir für nicht sehr moralisch. Wir müssen auch ein bisschen Rücksicht nehmen, dass die Moral im Geschäft bleibt. Das ist für mich etwas, wo die Ansätze langsam unmoralisch werden.

Andere Sorgen plagen derzeit den TSV 1860. Wie beurteilen Sie die Entwicklung bei den Löwen?

Rummenigge: Eines ist völlig klar: Die DFL hat hier überhaupt keinen Fehler gemacht. Die DFL hatte nur einen gewissen Klärungsbedarf zu gewissen Punkten angemeldet. Deswegen hat die DFL gar nichts damit zu tun, dass es nicht zu diesem Engagement von Herrn Schwarzer gekommen ist. Ansonsten kommt es mir so vor, als würde der TSV 1860 im Moment auf der Erde liegen – und ich bin ein Mensch, der nicht auf jemanden tritt, der schon am Boden liegt. Ich neige dazu, sie jetzt mal in Ruhe zu lassen.

Sind Sie in Sorge, dass es beim Lokalrivalen ein finanzielles Desaster gibt?

Rummenigge: Ich wünsche es 1860 nicht. Ich wünsche dem Verein, dass er endlich zur Ruhe kommt. Und das gelingt nur, wenn man Erfolg auf dem Platz hat. Das bräuchte dieser Klub dringend. Aber ich befürchte, das wird nicht so schnell eintreten.

Auch die Diskussion von einer Rückkehr ins Grünwalder kam wieder auf.

Rummenigge: Dazu müssen Sie den Herrn Ude fragen.

Interview: Tobias Altschäffl

Chaos-Tage bei den Löwen

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Der Februar-Anfang brachte bewegte Tage an der Grünwalder Straße, wo eigentlich Helmpflicht herrschen sollte. Sehen Sie hier eine Chronik der Ereignisse. © dpa
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Sonntag, 1. Februar: Mit 0:2 gehen schwache Löwen in der Allianz-Arena gegen den SC Freiburg unter. © sampics
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Im Zentrum der Kritik steht nach dem Spiel zunächst Marco Kurz, dessen Tage als 1860-Trainer scheinbar gezählt sind. "Wir besprechen uns nun die nächsten zwei Tage. Gehen Sie davon aus, dass wir bis Mittwoch eine Stellungnahme herausgeben werden", sagte Stefan Reuter nach dem Spiel. Doch es kommt ganz anders. © dpa
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Montag, 2. Februar: Völlig überraschend wird Miki Stevic als neuer Sportdirektor der Löwen aus dem Hut gezaubert. Als Spieler (Archivfoto) gehörte er viereinhalb Jahre lang zu den Publikumslieblingen beim TSV 1860, jetzt soll er die Löwen als Manager wieder nach oben führen. © dpa
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Marco Kurz wackelt als Trainer weiter. Beim den Übungseinheiten am Montag spekulieren nicht wenige, dass er sein letztes 1860-Training leiten könnte. © sampics
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Dienstag, 3. Februar: Gehen muss nicht Kurz, sondern Reuter. “Wir sind zur Überzeugung gekommen, dass wir eine neue sportliche Ausrichtung brauchen“, sagt Präsident Rainer Beeck auf einer Pressekonferenz. © sampics
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Das heißt: Reuter ist weg, weil ihn das angebotene "veränderte Aufgabengebiet" nicht überzeugt hat. © sampics
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Miki Stevic zieht nun als Sportdirektor alleine die Fäden. © sampics
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Noch mehr Hoffnung macht aber dieser Mann: Nicolai Schwarzer. In den nächsten vier Transferperioden kann 1860 bei Schwarzer insgesamt rund sieben Millionen Euro für neue Spieler abrufen. Schwarzer kann dieses „nachrangige Darlehen“ zu bestimmten Zeitpunkten in Anteile an der 1860 KGaA umwandeln, die ohne Zustimmung der Löwen nicht weiterverkauft werden dürfen. © 
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"Das ist ein Investor, wie ihn kein anderer Verein in diesen schwierigen wirtschaftlichen Zeiten bekommt", jubiliert der 1860-Vizepräsident und SPD-Landtagschef Franz Maget. © dpa
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Quasi als "Antrittsgeschenk" bringen Stevic und Schwarzer zwei Neue mit: Die beiden Serben Antonio Rukavina ... © sampics
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... und Nikola Gulan werden bis Saisonende ausgeliehen. © sampics
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Stevic: "Rukavina ist A-Nationalspieler und wird der Mannschaft weiterhelfen. Und der 19-jährige Gulan ist sehr talentiert. Beide Spieler sind bis Saisonende ausgeliehen und kosten null Gebühr." © sampics
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"Schade nur, dass die Zeit so kurz war. Ich hätte nämlich gern noch einen Mittelstürmer verpflichtet." © sampics
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Zwei Neue kommen, ein Alter bleibt: Stevic spricht Kurz zunächst das Vertrauen aus. "Ich möchte mir erst ein Bild verschaffen, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Ich schätze Marco vom Fachlichen her, wir haben auch den Trainerschein zusammen gemacht." © sampics
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Mittwoch, 4. Februar: Marco Kurz weiß, dass das Spiel in Mainz am Sonntag auch über seine Zukunft entscheiden wird. "Leidenschaft muss am Sonntag erkennbar sein, die Spieler müssen brennen, sonst greifen die normalen Mechanismen – auch beim Trainer. Dass der Verein die Fühler nach Lösungen ausstreckt, ist normal und nichts Beunruhigendes für mich." © sampics
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Uli Hoeneß mischt sich ein. Zu den jüngsten Entwicklungen bei den Löwen befragt, sagt er: "Ich habe keinen genauen Einblick in diese Themen. Aber mein Bauch sagt mir, dass das, was da zur Zeit passiert, der Anfang vom Ende von 1860 München ist." © AP
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Donnerstag, 5. Februar: Löwen-Präsident Beeck wehrt sich, allerdings ganz sachlich: "Ich habe mich natürlich gewundert über Hoeneß’ Angriffe“, so Beeck zur tz. Wir werden Hoeneß beweisen, dass die jüngsten Maßnahmen nicht der Anfang vom Ende sind, sondern im Gegenteil: der Start in eine hoffnungsvolle Zukunft. Wir werden Hoeneß’ Worte mit Taten widerlegen!" © sampics
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Indes bringen sich eventuelle Kurz-Nachfolger in Position. Lothar Matthäus sagt der tz: "Wenn jemand meint, dass ich helfen kann, dann wird er sich bei mir melden und dann wird man sich alles anhören. " © dpa
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Miki Stevic reagiert im Rahmen der tz-Telefonaktion prompt auf dieses Angebot: "Ich verspreche Ihnen: So lange ich bei 1860 Sportdirektor bin, wird hier kein Trainer mit roter Vergangenheit beschäftigt. Okay?" © Kruse
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Die DFL bestellt die Löwen zum Rapport! Christian Müller, Geschäftsführer Finanzen der DFL: "Wir haben die Vertragsentwürfe seit zwei Tagen vorliegen und intensiv geprüft. In einigen Bereichen gibt es noch Klärungsbedarf. Von daher haben wir 1860 zu einem Gespräch eingeladen." © dpa
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1860-Präsident Rainer Beeck macht sich ob der Einladung keine Sorgen. Gegenüber der tz nennt Beeck die Angelegenheit einen „Standardvorgang“, der ihn nicht beunruhige. „Unser Investoren-Modell ist natürlich bundesweit interessant“, sagte der Flughafen-Manager. „Wir wissen, dass wir damit jetzt eine gewisse Vorreiterrolle im deutschen Fußball haben.“ © dpa
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Der nächste Schock! Trikotsponsor Trenkwalder steigt aus. "Wir werden den zum 30. Juni 2009 auslaufenden Vertrag bei 1860 nicht verlängern", so Trenkwalder-Geschäftsführer Hermann Mairhofer. Grund ist die globale Wirtschaftskrise. © dpa
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Unsicherheit macht sich breit: Müssen die Löwen doch vor der DFL zittern? Vergleiche mit dem FC Carl Zeiss Jena wurden herbeigeführt, dem im Jahr 2007 von der DFL untersagt wurde, mit einer russischen Investor-Gruppe zu kooperieren, da diese einen Sitz in der Geschäftsführung gefordert hätte. © Bongarts/Getty Images
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„Zu Unrecht“, wie Vizepräsident Michael Hasenstab am Freitag klarzustellen versucht. „Es gibt überhaupt keine Parallelen zu Jena“, sagte der Investment-Banker. "Bei uns sitzt niemand vom Investor in der Geschäftsführung, und auch Herr Stevic hat als Sportdirektor keine Prokura und kann nichts allein entscheiden. Und unterschreiben tut bei uns nur Dr. Markus Kern.“ © sampics
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Der personelle Umbruch in der Führungsriege des Fußball-Zweitligisten TSV 1860 München geht weiter. Nach der Abberufung von Stefan Reuter (Foto) ist Markus Kern alleiniger Geschäftsführer der GmbH & Co KGaA. © sampics
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Sonntag, 8. Februar: Mal wieder eine sportliche Nachricht - die Löwen holen ein 2:2 beim FSV Mainz. © sampics
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Dass mit großem Kampf ein 0:2 gedreht wurde, rettete auch Marco Kurz vorläufig seinen Job. © Fishing4
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Wieder mal Uli Hoeneß: Er buddelt eine weitere Baustelle auf - die leidige Stadion-Diskussion. "Wenn 1860 aus dem Stadion raus will, sollen sie uns die Frist sagen. Dann werden wir konstruktiv darüber nachdenken." Und: "Sollen sie doch das Grünwalder ausbauen, kein Problem!" © Fishing4
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Montag, 9. Februar: "Wir sollten den Trainer in Ruhe lassen", fordert Miki Stevic nach dem Spiel ein. Der Trainer hat seine Ruhe - denn am Abend spitzt sich die Lage an einer anderen Front zu. © sampics
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Die Löwen-Pressemitteilung um 20:20 Uhr schlägt ein wie eine Bombe: Der Traditionsverein muss eingestehen, dass aus dem Deal wohl aller Voraussicht nach nichts wird. Weil es große Bedenken mit der DFL gäbe, die das Vertragswerk nach einer Überprüfung nicht für akzeptabel gehalten habe. © 
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Keiner weiß zu diesem Zeitpunkt, wie es weitergeht, ob das Präsidium zurücktritt, ob Miki Stevic Sportdirektor bleibt - und eine Trainerdiskussion gibt's da ja auch noch. © sampics
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Dienstag, 10. Februar: Die erste personelle Konsequenz. Jo Brauner zieht sich von seinem Aufsichtsratsposten zurück. © sampics
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Die DFL gibt um 11:15 Uhr eine Stellungnahme heraus: "Die Pressemitteilung des Präsidiums des TSV München von 1860 e.V. vom gestrigen Abend war nicht mit der DFL abgestimmt. Es gibt bislang keine Untersagung des angekündigten Investoren-Einstiegs. Die DFL hält weiter ein Gespräch mit 1860 für erforderlich, um eine Klärung der Angelegenheit herbeizuführen. Ein Termin ist für die kommenden Tage vorgesehen" © 
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Die Löwen reagieren um 12:07 Uhr: "Uns wurde gestern von der DFL schriftlich mitgeteilt, dass die DFL nach aktueller "Prüfung der Unterlagen die Einschätzung vertritt, dass die vertragliche Ausgestaltung des Modells in Teilen nicht mit den Vorschriften des Ligaverbandes vereinbar sei."" Was war nun wirklich der Grund, das Investoren-Engagement auf Eis zu legen? Und wie geht es weiter? © 

Quelle: tz

Quelle: tz

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