1860: Wenig Chili - viel Leidenschaft

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Die Löwen bejublen das 1:0 durch Bierofka.

Marco Kurz’ Anspannung entlud sich fast in einer Prügelei. Gerade hatte Schiedsrichter Wingenbach die Partie abgepfiffen, da wurde es turbulent am Mittelkreis.

Marco Kurz’ Anspannung entlud sich in einer heißen Rangelei. Gerade hatte Schiri Wingenbach die Partie abgepfiffen, da wurde es turbulent am Mittelkreis. Wütend schubste Kurz den Ahlener Philipp Heithölter weg, ein Teamkollege des Mittelfeldspielers konnte gerade noch einen Eklat verhindern. Nerven blank in der Arena! Dieses Spiel, dieses am Ende erzitterte 2:1 (1:0) der Löwen gegen den harmlosen Aufsteiger (der erste Heim-Dreier seit dem 29. Oktober, 1:0 gegen Koblenz) hatte den Stresspegel des 1860-Coaches in den roten Bereich getrieben.

TSV 1860 - Ahlen: Die Löwen in der Einzelkritik

TSV 1860 - Ahlen: Die Löwen in der Einzelkritik © 
Das schnelle 1:0 durch Daniel Bierofka sorgte für Jubelstürme bei den Löwen. © dpa
Stefan Aigner artistisch. © Sampics
Vollen Einsatz zeigte auch Trainer Marco Kurz. © dpa
Sein erstes Tor für 1860: Antonio Rukavina. © Sampics
Stefan Aigner herzt den Torschützen zum 2:0. © dpa
Bei den Fans macht man sich mit solchen Leistungen und solchem Torjubel sicher beliebt. © dpa
Stefan Aigner zeigte eine ordentliche Leistung. © Sampics
Dirigent: Marco Kurz. © dpa
Ärgerlich: Der Anschlusstreffer kurz vor Schluss. Die Löwen mussten in den letzten Minuten noch zittern. © dpa
Schneller als der Gegner: Antonio Rukavina. © Sampics
Mate Ghvinianidze und Antonio Rukavina. © dpa
Antonio Rukavina verabschiedet sich von den Fans. © Sampics
Die Einzelkritik der Löwen: Tschauner: Die Ahlener prüften ihn nicht wirklich, beim Gegentor sprang ihm Ghvinianidze in die Parade. Note: 3 © Sampics
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Rukavina: Schon in Mainz zeigte der Serbe, dass es auf der rechten Abwehrseite keine Alternative gibt, auch gestern war Rukavina der einzige Mann der Viererkette, der zum Spielaufbau beitrug – und mit dem Tor für die Entscheidung sorgte. Endlich ein Antonio, der trifft. Note: 2 © Sampics
Ghvinianidze: Beim Gegentor fehlte die Kommunikation mit Tschauner. Note: 3 © dpa
Beda: Einsatz passte, Präzision nicht. Note: 4 © Sampics
Johnson: Rückte nach Bierofkas Aus nach vorne, entwickelte aber keine Gefahr. Note: 4 © dpa
Schwarz: Leitete mit seinem Pass auf Aigner das 1:0 ein, nach 17 Minuten verletzt raus. © Sampics
ab 18.: Rösler: Gab den zweiten Sechser und agierte nach der Pause als Rautenspitze. Sehr ordentlich. Note: 3 © dpa
Ledgerwood: Bienenfleißig, aber mit hoher Fehlerquote. Note: 4 © Sampics
Aigner: Am Freitag gab’s noch einen Anschiss von Marco Kurz („Nicht quer spielen, wir sind hier nicht in der Halle!"), gestern stimmte die Peilung – offensiv zumindest. Schöne Flanke zum 1:0, Vorlage zum 2:0. Note: 3 © dpa
ab 78.: Thorandt: o.B. © Sampics
Bierofka: Sein Blitztor zum 1:0 war das Highlight, doch schon nach 18 Minuten ereilte den Kapitän das Aus. Oberschenkelprellung. o.B. © Sampics
ab 19.: Hoffmann: Mehr Schatten als Licht, hatte Glück, dass Großkreutz seinen Fehler nicht zum Ausgleich nutzte. Note: 4 © Sampics
Schäffler: Vor den Augen von Dortmund-Scout Heiner Schuhmann gelang ihm kaum etwas. Aber: Der Wille war immer sichtbar. Note: 4 © dpa
Lauth: Sehr agil und spielfreudig, ließ sich oft ins Mittelfeld zurückfallen, um die Partie anzukurbeln. Torchancen blieben Mangelware. Note: 3 © dpa

„Das sind Emotionen, die dazu gehören“, relativierte Kurz hinterher. „Ich habe dem Spieler gesagt, dass er etwas mehr Respekt vor einem Trainer zeigen soll. Kein Problem.“

Schwierigkeiten machten sich die Löwen gestern mal wieder nur selbst. Auf Bierofkas Kopfball-Blitztor nach 21 Sekunden (!) auf Flanke von Aigner folgten zehn ansprechende Minuten, dann riss der Faden in der blauen Offensive. Chill-Out-Gekicke statt Chili-Fußball… „Es war ein fantastischer Beginn und eine relativ dominante Viertelstunde“, sagte Kurz. Der Bruch im Löwen-Spiel sei mit den verletzungsbedingten Auswechslungen gekommen. Danny Schwarz (Verdacht auf Faserriss im Oberschenkel) und Bierofka (Oberschenkelprellung) mussten raus, danach ging nicht mehr viel.

So dauerte es bis zur 69. Minute, ehe die Löwen halbwegs aufatmen konnten. Über Rösler kam der Ball zu Aigner, der passte nach rechts zu Antonio Rukavina und der Serbe vollendete flach ins lange Eck. Die Entscheidung? Naja. Der Anschlusstreffer von René Müller in der 82. Minute gab der Metapher „Pfeffer in der Hose“ einen anderen, wenig rosigen Beigeschmack. „Nach dem 2:0 musst du souveräner auftreten“, schimpfte Kurz. „Wir wollten heute zwei Dinge schaffen: ein gutes Ergebnis und einen guten fußballerischen Auftritt. Das Erste ist gelungen, spielerisch war’s schlecht.“

Das sah der Sportdirektor wohl anders. „Nach so einer souveränen Leistung kann man mit dem Trainer zufrieden sein“, meinte Miki Stevic. Und was sagte Stefan Reuter? Der Ex-Geschäftsführer verfolgte die Partie auf der VIP-Tribüne – neben den 1860-Offiziellen. Sein lapidarer Kommentar: „Das Mainz-Spiel habe ich in der Premiere-Konferenz verfolgt, das heute wollte ich in voller Länge sehen.“

Ludwig Krammer

Was aus diesen Löwen wurde...

bodden_dpa
Seit dem Aufstieg in die Bundesliga 1994 kamen und gingen viele Kicker an die Grünwalder Straße 114 zu den Münchner Löwen. Die einen blieben in guter Erinnerung, die anderen weniger. Sehen Sie hier eine Auswahl "vergessener Löwen-Kicker" und was aus ihnen wurde. Olaf Bodden kickte zwischen 1994 und 1998 bei 1860 und erzielte in dieser Zeit 25 Tore. Heute verdient der ehemalige Stürmer als Spielerberater sein Geld. © dpa
dowe_archiv
Jens Dowe kickte zwischen 1994 und 1996 im Grünwalder Stadion (51 Spiele, acht Tore). Der Mittelfeldspieler beendete seine Karriere 2004 in der Regionalliga bei Holstein Kiel und arbeitet heute im Jugendbereich von Hansa Rostock. © Archiv
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Holger Greilich schnürte die Kickstiefel zwischen 1995 und 2002 für die Löwen (114 Spiele, zwei Tore). Er beendete seine Karriere 2004 beim 1. FC Saarbrücken. Heute arbeitet der ehemalige Verteidiger als Spielerberater. © dpa
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Horst Heldt spielte von 1995 bis 1999 bei den Löwen (111 Spiele, elf Tore) und beendete seine Karriere 2006 beim VfB Stuttgart. Dort arbeitet "Hotte" auch heute noch - als Sportdirektor. © dpa
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Thomas "Icke" Häßler spielte zwischen 1999 und 2003 beim TSV 1860 (115 Spiele, 21 Tore) und beendete seine Karriere ein Jahr später beim SV Salzburg. Heute arbeitet "Icke" als Technik-Trainer bei seinem Heimat-Klub 1. FC Köln. © dpa
jeremies_dpa
Jens Jeremies' Vergangenheit als Löwe ist vergleichsweise kurz, wenn man seine drei 1860-Jahre (1995 bis 1998, 78 Spiele, zwei Tore) den acht Jahren beim FC Bayern gegenüberstellt. Jeremies beendete seine Karriere ebenda 2006 und arbeitet heute bei IMG. © dpa
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Roland Kneißl spielte sieben Jahre lang bei den Löwen und beendete seine Karriere dort im Jahr 1995. Später arbeitete Kneißl auch als Manager bei den Löwen, heute ist Kneißl bei der Fan GmbH 1860. © Archiv
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Alexander Kutschera war zwischen 1994 und 1997 ein Löwe (53 Spiele, ein Tor). Er beendete seine Karriere 2001 bei Eintracht Frankfurt und ist heute Trainer bei der SpVgg Landshut. © dpa
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Stefan Malz spielte von 1997 bis 1999 bei den Löwen (36 Spiele, zwei Tore). Er wechselte danach zu Arsenal London, konnte sich dort aber nie durchsetzen. Seine Karriere beendete Malz 2008 als Spieler beim FSV Oggersheim. © dpa
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Martin Max ist vielen Löwen-Fans als Knipser in guter Erinnerung. Er spielte zwischen 1999 und 2003 bei den Löwen (112 Spiele, 51 Tore) und beendete seine Karriere 2004 bei Hansa Rostock. Heute arbeitet Max gemeinsam mit einem anderen Ex-Löwen, Keeper Daniel Hoffmann, als Trainer beim Bezirksligisten TSV Grafing. © dpa
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Thomas Miller war und ist ein Ur-Löwe, der insgesamt 82 Bundesliga-Spiele für die Sechzger bestritt (ein Tor). Wie auch schon zeitweise während seiner aktiven Zeit arbeitet Miller als Finanzbeamter, heuer in Fürstenfeldbruck. © Archiv
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Erik Mykland spielte zwischen 2000 und 2002 bei den Löwen (26 Spiele, null Tore). Der 1971 geborene Mittelfeldspieler ist immer noch als Fußballer aktiv, und zwar beim norwegischen Zweitligisten Kristiansand. © dpa
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Peter Nowak regierte das Löwen-Mittelfeld zwischen 1994 und 1998 (93 Spiele, 15 Tore). Heute ist der gebürtige Pole Co-Trainer der US-Nationalmannschaft. © Archiv
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Peter Pacult schoss die Löwen mit seinem Treffer in Meppen 1994 in die Bundesliga, wo er in der Aufstiegssaison in 16 Spielen drei Mal einnetzte. Später arbeitete Pacult zwischen 2001 und 2003 auch als Chefcoach der Löwen. Heute coacht er den österreichischen Traditionsklub Rapid Wien. © Archiv
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Abedi Pele kickte zwischen 1996 und 1998 bei den Löwen (50 Spiele, zwei Tore). Heute engagiert sich Pele als WM-Botschafter für Südafrika. © dpa
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Rainer Berg hütete das Löwen-Tor zwischen 1991 und 1997 (100 Spiele) und arbeitet heute als Torwarttrainer bei der SpVgg Unterhaching. © dpa
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Thomas Riedl schnürte die Kickstiefel von 1999 bis 2001 für die Löwen (33 Spiele, ein Tor - das aber beim 1:0-Sieg gegen den FC Bayern). Heute steht der 32-Jährige bei Austria Kärnten unter Vertrag. © dpa
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Rene Rydlewicz spielte von 1994 bis 1996 bei den Löwen (46 Spiele, zwei Tore) und beendete seine Profi-Karriere im Sommer 2008 bei Hansa Rostock. Rydlewicz arbeitet nun bei Hansa Rostock. © Archiv
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Manfred Schwabl kam über den FC Bayern und den 1. FC Nürnberg zum TSV 1860 München und spielte dort von 1994 bis 1997 (83 Spiele, ein Tor). Heute arbeitet Schwabl als Unternehmer. © dpa
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Superstar Davor Suker ließ seine internationale Karriere (u.a. Real Madrid und Arsenal) bei den Löwen ausklingen (2001 bis 2003, 25 Spiele, fünf Tore). Heute arbeitet der ehemalige Top-Stürmer als Unternehmer und als Berater des kroatischen Fußball-Verbandes. © Sampics
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Bernhard Trares trug zwischen 1991 und 1997 das Löwen-Trikot (133 Spiele, 14 Tore), er beendete seine Karriere 2004 beim KSC. Heute trainiert der Ex-Kapitän Wormatia Worms. © dpa
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Manni Bender war zwar auch mal ein Roter, wechselte aber später die Farben und spielte zwischen 1996 und 1999 bei den Löwen (51 Spiele, vier Tore). Zuletzt war Bender als Trainer in der österreichischen Bundesliga bei SCR Altach aktiv. © dpa
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Elvis Brajkovic (ganz links) verteidigte für die Löwen zwischen 1994 und 1996 (18 Spiele, null Tore). Der 1969 geborene Kroate kickte bis Sommer 2008 als Profi in seiner Heimat weiter. Sein letzter Verein war NK Primorac Belgrad. © dpa
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Auch Harald Cerny hat eine "rote Vergangenheit", spielte aber nur für zwei Jahre als Profi beim FC Bayern. Von 1995 bis 2007 trug der Österreicher dann den Dress der Sechzger (263 Spiele, 17 Tore). Cerny blieb seinem Verein verbunden und arbeitet heute als U15-Trainer bei 1860. © dpa
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Didier Dheedene spielte nur ein Jahr lang bei den Löwen. Nach 18 Spielen (ein Tor) in der Saison 2001/2002 war dann aber Schluss. Seine Karriere setzte der Defensivspieler bei Austria Wien und Germinal Beerschot fort, wo er seine Karriere 2007 beendete. © dpa

Quelle: DPA

Quelle: tz

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