Umbau bei Sechzig

Als Präsident abgelehnt - nun übernimmt Ismaik-Vertrauter Stimoniaris anderen wichtigen Posten

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Macht sich große Sorgen um die Löwen: Saki Stimoniaris kritisiert die Taktik der blauen Führungsriege.

Saki Stimoniaris wollte bei Sechzig zum Präsidenten aufsteigen. Das ist dem Ismaik-Vertrauten nicht gelungen. Dafür rückt er in einem Gremium auf.

Update vom 17. April 2019: In der Liga steht für den TSV 1860 beim Halleschen FC am Karsamstag das erste von fünf „Endspielen“ (Sportchef Gorenzel) an, auch Klub-politisch ist die heiße Phase bis zur Mitgliederversammlung am 30. Juni eingeläutet. In der Sitzung des KGaA-Aufsichtsrates am Dienstag wurde festgezurrt, was angekündigt war: Der (vorerst) gescheiterte Präsidentschaftskandidat Saki Stimoniaris ist nun Vorsitzender des sechsköpfigen Kontrollgremiums.

Einstimmig wählten die Funktionäre den 48-jährigen MAN-Betriebsratschef zum Nachfolger von Investoren-Bruder Yahya Ismaik, der dem Gremium neben Karl-Christian Bay, Thomas Heigl, Sebastian Seeböck (alle e.V.) und Andrew Livingston (Investorenseite) erhalten bleibt. „Die Aufgabe ist sehr spannend und reizvoll. Ich werde meine ganze Kraft in dieses Amt stecken, auch damit im Verein mehr miteinander gearbeitet wird. Wir wollen alle das Beste für 1860“, ließ sich Stimoniaris in der am Dienstagabend verschickten Pressemitteilung zitieren. Was dieses Beste konkret sein soll und wie groß die Einigkeit darüber im Aufsichtsrat ist, ließ er offen. Die politische Großwetterlage jedenfalls sieht nach tz-Informationen weiterhin so aus, dass der e.V. als Minderheitsgesellschafter und 50+1-Profiteur frische Darlehen von Haupteigner Ismaik nur unter strengen Bedingungen annehmen will.

Präsident Robert Reisinger hatte es in einem Interview unlängst so zusammengefasst: „Gegen Genussscheine haben wir nichts grundsätzlich. Aber eben unter der Bedingung, dass das Geld beim Lizenzierungsantrag überwiesen (…) ist. Dann kann der Geschäftsführer damit planen.“ Den Lizenzierungsantrag haben die Löwen Mitte März fristgerecht gestellt, die Antwort vonseiten des DFB bzw. deren Veröffentlichung steht noch aus. *** Am morgigen Karfreitag wird Münster-Opfer Simon Lorenz wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Gestern testete er die Gesichtsmaske, die ihm sein Nasenbeinbruch eingebracht hat. Als Ersatzkandidat für Samstag steht Talent Semi Belkahia (20) bereit. 

LK

Als Präsident abgelehnt - nun übernimmt Ismaik-Vertrauter Stimoniaris anderen wichtigen Posten

Update vom 16. April: Als Präsidentschafts-Kandidat ist er trotz seiner Bewerbung nicht aufgestellt worden, doch nun wurde Saki Stimoniaris einstimmig zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt. Damit löst der 48-Jährige den ebenfalls dem Investoren-Lager zugehörigen Yahya Ismaik ab. Dieser bleibt dem Gremium ebenso wie Karl-Christian Bay, Thomas Heigl, Sebastian Seeböck und Andrew Livingston erhalten. Stimoniaris nannte die neue Aufgabe „sehr spannend und reizvoll“, zudem versprach er „meine ganze Kraft in dieses (zu) stecken, auch damit im Verein mehr miteinander gearbeitet wird“.

Stimoniaris kritisiert Löwen-Kurs in SZ-Interview mit deutlichen Worten

München - Bereits zu Jahresbeginn hat Saki Stimoniaris für einen Paukenschlag gesorgt. Denn der Unternehmer, der im Aufsichtsrat das Lager von Investor Hasan Ismaik vertritt, will der nächste Sechzig-Präsident werden. Nun rechnet er im Interview mit der SZ (hinter einer Bezahlschranke) mit den aktuellen Entscheidern an der Grünwalder Straße ab. „Ich bin gegen diesen Kurs, knallhart. Dieser Kurs führt zu nichts. Mehr als Dritte Liga wird es in dieser Konstellation nicht mehr geben“, kritisiert der 47-Jährige den Weg von Ober-Löwe Robert Reisinger und Co., keine roten Zahlen mehr schreiben zu wollen.

Stimoniaris hält diese Taktik für falsch, denn: „Ich will Sechzig nochmal in der Bundesliga erleben.“ Doch er betont auch: „Du kommst heute nicht in die Bundesliga nur mit dem, was du erwirtschaftest.“ Deshalb schickt er folgende Warnung hinterher: „Sechzig hat eine Generation an Fans verloren, wenn es die nächste verliert, ist es vorbei. Und diese Politik wird dazu führen, dass wir auch die nächste Generation verlieren.“

„Nichts auf die Reihe bringen und zu allem Nein sagen“

Das sture Festhalten an der 50+1-Regel kann Stimoniaris nicht nachvollziehen: „Ich erkenne keinen Plan außer: selber nichts auf die Reihe bringen, aber zu allem Nein sagen und sagen, man kann nur das ausgeben, was man einnimmt.“ Zwei Millionen Euro habe Ismaik vor der Saison für Verpflichtungen zur Verfügung gestellt: „Der Trainer wollte eine schlagkräftige Truppe, und wir haben ihm seine Wünsche, so weit es ging, erfüllt.“ Von Daniel Bierofka hat er ebenso eine hohe Meinung wie von Sportchef Günther Gorenzel: „Sie wissen, welche Verstärkungen nötig sind. Wie früher Werner Lorant.“

Während der Ära des Erfolgstrainers mussten die Löwen ihr geliebtes Grünwalder Stadion verlassen - weil es in den 90er Jahren nicht mehr zeitgemäß für Profifußball war. Auch nun wird wieder eifrig diskutiert über die Sechzig-Heimat auf Giesings Höhen. Stimoniaris hält es dabei mit seinem Boss: „Nur die Stadt kann uns unterstützen. Wir müssen das Stadion pachten. Dann bauen wir um. Nicht gegen die Stadt, sondern im Einvernehmen mit der Stadt und den Anwohnern. So wie das Stadion aktuell aussieht, kannst du nichts mit dem anfangen.“ Die andere Option wäre für ihn ein reiner Neubau. Denn derzeit sei „dieses Stadion mit allen Nebenkosten mehr oder weniger ein Nullgeschäft.“

An ihm scheiden sich die Löwen: Hasan Ismaik unterstützt den Verein finanziell.

Stimoniaris steht „nicht für Konfrontation“

Es wird deutlich: Stimonaris brennt es unter den Nägeln. Deshalb will er eben auch zum König der Löwen aufsteigen. Wie steinig dieses Unterfangen sein wird, ist ihm jedoch bekannt. So dürfen Bewerber nur mit Zustimmung des Verwaltungsrats kandidieren. Von diesem Gremium sei er bereits zu einem Gespräch eingeladen worden. Stimoniaris sieht „überhaupt keinen Interessenkonflikt“ in seiner offenen Unterstützung für Ismaik. „Ich stehe nicht für Konfrontation, das lähmt den Verein“, verdeutlicht er: „Bei 1860 geht es nur noch um Politik, um Machtverhältnisse. Das hält ja keiner mehr aus.“

Auch der jordanische Investor habe darunter zu leiden. „Egal was wir machen, am Ende des Tages ist alles immer schlecht. Hasan fragt sich: Was soll ich noch machen? Ich habe jetzt 70 Millionen investiert“, erklärt Stimoniaris: „Diese Nehmer-Mentalität ohne Respekt im Verein ist Gift. Wir hätten auch im Winter den Kader gerne verstärkt, wenn der Trainer das gewollt hätte. Wenn wir dürfen, werden wir die Wünsche unseres Trainers erfüllen. Aber nicht nach der Pfeife des Vereins, sondern nach unseren Vorstellungen.“

mg

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