Versammlung bei uns im Live-Ticker

Scheele: Mehrheit wird Monatzeder nicht bestätigen

Michael Scheele
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Ismaik-Anwalt Michael Scheele mit Ehefrau Lindy

München - Vor der 1860-Delegiertenversammlung hat sich Hasan Ismaiks Anwalt Michael Scheele erneut zu Wort gemeldet. Er erwartet, dass Hep Monatzeder nicht bestätigt wird.

Beim TSV 1860 München geht es einmal mehr ums Ganze. Nach einem monatelangen Machtgezerre zwischen dem jordanischen Investor Hasan Ismaik und den Clubverantwortlichen sind nun die Fans an der Reihe. Bei der außerordentlichen Delegiertenversammlung an diesem Donnerstag (ab 18.30 Uhr, bei uns im Live-Ticker) werden heftige Diskussionen über die zukünftige Ausrichtung des Fußball-Zweitligisten erwartet. Erst Recht, nachdem der Zwist zwischen Ismaik und dem Verein endgültig eskaliert ist und der Jordanier seinen Rückzug angekündigt hat.

Für die rund 200 bis 250 Delegierten, die die 1860-Mitglieder bei der Versammlung vertreten werden, ist eine Frage entscheidend: Stehen sie zu ihrem neuen Präsidenten Hep Monatzeder und bestätigen ihn satzungsgemäß - oder lassen sie ihn wieder fallen. Eine einfache Mehrheit reicht dem Grünen-Politiker, der erst vor gut einem Monat die Geschäfte vom zurückgetretenen Dieter Schneider übernommen hatte.

Jede Stimme für Monatzeder ist allerdings gleichzeitig eine gegen den finanzkräftigen Investor Ismaik und dessen Bleiben. Jedenfalls, sofern der arabische Geldgeber mit seiner außerordentlichen Kündigung dreier Darlehensverträge in Höhe von insgesamt 9,3 Millionen Euro durchkommen würde; notfalls auch vor Gericht.

Nur im Falle einer personellen Neuausrichtung beim Traditionsclub sei Ismaik bereit, „Verhandlungen über ein erneutes finanzielles Engagement zu führen“, ließ er am Dienstag in einem Schreiben seines Münchner Anwalts Michael Scheele mitteilen. „Mit der Kündigung dreier Darlehensverträge wollte Herr Ismaik ein Zeichen setzen und sagen: Wenn es so weitergeht, ist mein ganzes Investment gefährdet“, sagte Scheele am Mittwoch der dpa. Zuvor hatten Monatzeder & Co. Ismaik düpiert, indem sie gegen dessen ausdrücklichen Willen die Verträge mit Trainer Alexander Schmidt und Sportchef Florian Hinterberger verlängert hatten.

Bei der Versammlung in Planegg bei München droht eine Zerreißprobe unter den Delegierten. Der Verein hatte Ismaiks außerordentlichen Kündigung zwar prompt widersprochen und postwendend auf die Gültigkeit der Verträge hingewiesen. Um aber eine langwierige juristische Auseinandersetzung mit Ismaik zu verhindern und damit im Extremfall auch eine mögliche Insolvenz des Vereins, könnten einige Mitglieder den Weg des geringeren Widerstands bevorzugen, um den Araber-Millionär Ismaik irgendwie bei Laune halten. „Wir gehen einer solchen Klärung nicht aus dem Weg. Aber wir hoffen im Interesse des Clubs, dass es nicht dazu kommt“, sagte Scheele zu einem möglichen Gerichtsprozess. Gleichwohl zeigte er sich sicher, „dass die Mehrheit der Delegierten Herrn Monatzeder nicht bestätigen wird“. Nicht nur wegen „der Diskrepanzen mit Herrn Ismaik, sondern weil allseits beklagt wird, dass das Management nicht gut arbeitet“.

Beim Zwist ums große Ganze fällt ein anderer Tagesordnungspunkt fast hinten runter - obwohl auch dieser durchaus Zündstoff birgt. Die Delegierten könnten nämlich bei der Versammlung eine Art „Neues Grundgesetz“ im Verein einführen - und sich damit auch selbst abschaffen, wie es ein Antrag der Interessenvertretung PRO1860 vorsieht. Ziel sind stärkere Mitgliedsrechte und die Wiedereinführung von Mitglieder- anstatt von Delegiertenversammlungen. Die erste ordentliche Mitgliederversammlung könnte im Erfolgsfall bereits im Mai oder Juni 2013 zusammenkommen, hieß es in einer Stellungnahme.

dpa

Immer wieder Querelen bei 1860: Wer ist wer?

Wer ist wer bei den Löwen?

Seit Jahren kommt es bei den Löwen immer wieder zu neuen Streitereien. Da kann man schon ein wenig den Überblick verlieren. Wir stellen Ihnen die Protagonisten vor © sampics / Stefan Matzke
DER INVESTOR: Hasan Ismaik hat den Verein mit seinen Millionen vor der Insolvenz gerettet. Dafür sind ihm die Löwen und seine Fans für immer dankbar. Seitdem allerdings zeigt sich der Jordanier unbequem. Er fordert immer neue personelle Wechsel und hält neues Geld als Druckmittel zurück. Viele Fans werfen ihm vor, zu selten in München zu sein. Er steht im Zentrum der ganzen Querelen. Immerhin: Seit Gerhard Mayrhofer das Ruder übernommen hat, hat sich das Verhältnis zum Investor deutlich entspannt. © Sampics
DER DURCHGREIFER-PRÄSIDENT: Mit deutlicher Mehrheit wurde Gerhard Mayrhofer bei der Mitgliederversammlung zum Präsidenten gewählt. Der Kommunikationsprofi kündigte früh an, alles zu hinterfragen. Und ließ seinen Worten auch Taten folgen. Trainer Alexander Schmidt ist ebenso weg wie Geschäftsführer Robert Schäfer. Im Verhältnis zu Investor Hasan Ismaik setzt er auf Diplomatie. Bisher mit Erfolg. © MIS
DER ABGEWATSCHTE KURZZEIT-PRÄSIDENT: Hep Monatzeder wurde bei der Delegiertenversammlung im April 2013 abgewatscht, bekam 66 Stimmen, während 130 gegen ihn votierten. Mayerhofer wurde sein Nachfolger. © MIS
DER COUSIN: Hasan Ismaiks Cousin Noor Basha (r.) formuliert des öfteren die Wünsche des Investors. Er ist inzwischen nicht nur Sprachrohr, sondern auch das "Auge" des Investors in München und somit dessen wichtigster Vertreter. © MIS
DER BRUDER: Abdelrahman (r.), Bruder von Investor Hasan Ismaik, ist medial etwas weniger präsent als dessen Cousin, aber auch öfter an der Grünwalder Straße zu sehen, etwa wie auf diesem Foto auf dem Weg zu Verhandlungen. Zudem ist er Mitglied im KGaA-Aufsichtsrat. © sampics
DER VERWALTUNGSRATSCHEF: Siegfried Schneider hat den Vorsitz des Gremiums von Otto Steiner übernommen. Er gilt als Strippenzieher im Hintergrund, fädelte so etwa den umjubelten VW-Deal ein. © sampics / Stefan Matzke
DER VERWALTUNGSRAT: Besteht aus Siegfried Schneider (Vorsitzender), Christian Waggershauser (Stellvertretender Vorsitzender), Markus Bauer, Robert von Bennigsen, Klaus Hagl, Dr. Klaus Leipold (Foto links), Richard Ostermeier, Otto Steiner und Beatrix Zurek. Zur Unterscheidung: Der e.V.-Verwaltungsrat ist der des Vereins, jener der KGaA ist der der ausgelagerten Profifußball-Abteilung. © sampics / Stefan Matzke
DER TRAINER: Seit September 2013 ist Friedhelm Funkel bei den Löwen im Amt. Und alle drücken ihm die Daumen, dass er das ewige Ziel Aufstieg endlich mal realisiert. © MIS
DIE VIZES: Die Löwen leisten sich mit Peter Helfer (l.), Erik Altmann (2.v.r.) und Heinz Schmidt (r.) gleich drei Vizepräsidenten. Am meisten öffentlich in Erscheinung trat bisher wohl Helfer, der die Trainersuche öffentlich immer wieder kommentierte. Schmidt ist von den Vizes am längsten im Amt, seit April 2013 nämlich. „Ich habe mich mit einer E-Mail beworben“, erzählte der Pro1860-Delegierte. „Meine Befürchtung war, dass sich das Präsidium wieder komplett aus dem Aufsichtsrat rekrutiert. Das ist nicht das, was die Basis will.“ © sampics / Stefan Matzke
DIE MANNSCHAFT: Ja gut, sie kriegen mehr Geld als die meisten anderen in Deutschland. Davon abgesehen sind die Spieler (hier Benny Lauth und Daniel Bierofka) aber wirklich nicht zu beneiden. Oder wie fänden Sie es, wenn Sie eigentlich Ihrer Arbeit nachgehen möchten, aber in der Führungsetage Tag für Tag neuer Streit herrscht, der das Interesse der Presse auf sich zieht? © sampics / Stefan Matzke
DER LÖWEN-INSPEKTOR: Der ehemalige ägyptische Nationaltrainer Hassan Shehata wurde von Hasan Ismaik an die Grünwalder Straße geschickt, um ihm ein Bild vom Zustand der Mannschaft zu zeichnen. Am besten hätten ihm die Spieler mit der Nummer 5 und der Nummer 9 (Vallori und Friend) gefallen, ließ er nach dem ersten Spiel wissen. Mit Wirtin Christl verstand er sich sichtlich gut. Mittlerweile ist es um ihn ruhig geworden. © M.I.S.
DER SCHLICHTER: Hamada Iraki (r.), Ismaiks einstiger Statthalter, hat sich weitestgehend zurückgezogen bei den Löwen, auch weil er beruflich stark eingespannt ist. © Stefan Matzke / sampics
DER KLUB-ANWALT: Guido Kambli heißt dieser und arbeitet fast ausschließlich im Hintergrund. Er meldet sich selten öffentlich zu Wort. © sampics
Wassel Al Fakhoury
DER MYSTERIÖSE MANN: "Wer ist der mysteriöse Ismaik-Begleiter?", hatte unser Portal Anfang Januar gefragt. Wenig später hatte er ein Amt bei den Löwen inne: Wassel Al Fakhoury ist Rechtsbeistand Ismaiks und inzwischen Mitglied im KGaA-Aufsichtsrat der Löwen. Übrigens scheint Al Fakhoury unsere Berichterstattung verfolgt zu haben. Er sagte zur tz mit einem freundlichen Lächeln: "Ich bin der mysteriöse Mann." © Linder
Otto Steiner
DER EX-VERWALTUNGSRATSCHEF: Otto Steiner war kurzzeitig Top-Kandidat als Präsident, doch dann erklärte er, nicht zur Verfügung zu stehen - wohl auch aufgrund seiner beruflichen Verpflichtungen bei Constantin Film. Seinen Vorsitz des Verwaltungsrats legte er nieder. © sampics
DER EX-PRÄSIDENT: Dieter Schneider bot Hasan Ismaik oft die Stirn und ließ sich auch nicht davon entmutigen, dass der Investor wiederholt seine Ablösung forderte. Als dann auch noch der Aufsichtsrat mangelndes Vertrauen erkennen ließ, zog Schneider die Reißleine und räumte seinen Posten. Er ist noch Mitglied im Beirat der TSV München von 1860 Geschäftsführungs-GmbH neben Hasan Ismaik und Wolfgang Hauner. © dpa
DER EX-VIZE: Auch Politiker Franz Maget (l.) zog sich mit Dieter Schneider aus dem Löwen-Präsidium zurück © MIS
DER EX-VIZE: Wolfgang Hauner räumte seinen Posten gemeinsam mit Dieter Schneider und Franz Maget. Dafür ist er neu im Beirat der TSV München von 1860 Geschäftsführungs-GmbH. © sampics / Stefan Matzke
DER BEINAHE-TRAINER: Sven-Göran Eriksson, Trainer von Weltrang und Ex-Nationalcoach Englands, stand im Zentrum einer der größten Possen der Löwen-Neuzeit. Denn nach einer Nachtsitzung verkündete Aufsichtsratschef Otto Steiner, dass man dem Wunsch des Investors nachkomme und Eriksson als Trainer neben Alexander Schmidt installieren werde. Doch der Schwede hatte plötzlich doch kein Interesse mehr. Die Löwen waren blamiert. © dpa
DIE FANS: Sie sind die Ärmsten in all dem Spiel. Denn sie müssen alles irgendwie auch ausbaden. © sampics / Stefan Matzke

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