Wird 1860 zu führungslosem Schiff?

Steiner schießt gegen Ismaik: "Fast lächerlich"

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1860-Aufsichtsratsvorsitzender Otto Steiner

München - Der Stachel sitzt tief nach der 1860-Delegiertenversammlung. Aufsichtsratschef Otto Steiner findet deutliche Worte für Hasan Ismaiks Brief und fordert zügiges Weiterarbeiten.

Gegenüber dem Pay-TV-Sender Sky sagte Steiner über Investor Hasan Ismaik und dessen bei der Delegiertenversammlung verlesenen Brief: "Es ist bekannt, dass er mit Dieter Schneider über zwei Jahre ein sehr kontroverses Verhältnis hatte, so nenn ich's mal. Er hat uns ganz klar auch gesagt, er wird keine einzige Unterschrift unter irgendeine Vereinbarung schreiben, solange Dieter Schneider das Amt bekleidet." Ismaiks Einschätzung der Geschehnisse danach kann Steiner nicht folgen und kritisiert: "Jetzt im Nachhinein das als ein Komplott des Aufsichtsrates darzustellen, das finde ich fast lächerlich."

Wer könnte nun 1860-Präsident werden? Die möglichen (und unmöglichen) Kandidaten

Autsch! Hep Monatzeder ist bei der Delegiertenversammlung böse abgewatscht worden. Jetzt muss der Aufsichtsrat binnen weniger Tage einen neuen Präsidentschaftskandidaten bestellen. "Die Bewerber stehen natürlich nicht Schlange", erklärte Vize Heinz Schmidt © Christina Pahnke / sampics
DIETER SCHNEIDER: Vize Heinz Schmidt erklärte: "Schneider könnte eine Option sein, aber das ist nicht meine Aufgabe." Dazu erklärte ja Investor Hasan Ismaik, dass sein Verhältnis zu ihm doch gar nicht so schlecht gewesen sei. Doch Schneider wäre nur bei einem kompletten Neustart zu haben. Hieße: Der Verwaltungsrat müsste weg. Weil es dazu nicht kommen wird, wird Schneider wohl auch kein Comeback feiern. © dpa
CHRISTIAN WAGGERSHAUSER: Die Rede des Aufsichtsrats kam bei den Delegierten sehr gut an. Der wäre doch einer! So etwas tuschelte mancher der Anwesenden. Allerdings: Der Chef der Muffathalle soll schon erklärt haben, dass er kein Interesse hat am Präsidentenposten. © Schlaf
HERBERT BERGMAIER (r.): Der Name des 1. Vorsitzenden der Fangruppierung Pro1860 wird seit der Delegiertenversammlung immer wieder gemunkelt. Ist er ein ernshafter Kandidat? Noch hat er sich nicht öffentlich geäußert. © Kaindl
ERICH MEIDERT: Seine größten Vorteile: Er kann gut mit Investor Hasan Ismaik! Und: Er will! Meidert ist bisher der einzige, der sich klar dazu bekannt hat. Sein frühes Bekenntnis, Präsident werden zu wollen, kam allerdings nicht bei allen gut an. Auch der Aufsichtsrat hat Vorbehalte. © sampics / Stefan Matzke
JÜRGEN LANGER: Der Münchner Rechtsanwalt brachte sich vor einigen Wochen ins Gespräch, um Dieter Schneider abzulösen. Der Aufsichtsrat sagte ihm klipp und klar, dass er dafür keine Chancen hat. Das wird sich jetzt auch nicht geändert haben. © Unfried
HEINZ SCHMIDT: Der Rechtsanwalt kam quasi aus dem Nichts und wurde Vize. Sein Nachteil: Hep Monatzeder, der ja eine klare Schlappe erlitten hat, hat ihn berufen. Sein Vorteil: Die Delegierten sollen bei der Versammlung einen guten Eindruck von ihm gewonnen haben. Allerdings war zu hören, dass Schmidt nicht zur Verfügung steht. © sampics / Stefan Matzke
CHRISTIAN HOLZER (l.): Auch den Ex-Keeper holte Hep Monatzeder als Vize ins Team. Würde er zum Oberlöwen aufsteigen, hätten die Sechziger einen jungen Mann an der Spitze. Holzer ist erst 36. "Er hat einen guten Eindruck auf mich gemacht", lobte Meisterlöwe Fredi Heiß nach der Delegiertenversammlung. Jedoch soll auch er erklärt haben, dass er nicht Präsident werden möchte. © Christina Pahnke / sampics
HAMADA IRAKI: Als "Heiner Geißler von Giesing" hat er bei vielen Löwen immer noch einen Stein im Brett. Inzwischen hat er sich jedoch weitestgehend von den Löwen zurückgezogen, dazu soll sein Verhältnis zu Hasan Ismaik nicht mehr das beste sein. Kurzum: Iraki ist kein ernsthafter Kandidat. © M.I.S.
OTTO STEINER: Schon als Dieter Schneiders Abschied feststand, wollte der Aufsichtsratschef nicht Präsident werden, wohl auch aus beruflichen Gründen. Das hat sich wohl auch jetzt nicht geändert. © sampics / Stefan Matzke
SIEGFRIED SCHNEIDER: Der Aufsichtsrat erklärte vor einigen Wochen, er stünde nicht zur Verfügung. Das hat sich jetzt wohl nicht geändert. © sampics / Stefan Matzke
WOLFGANG HAUNER: Als Vize ging er gemeinsam mit Dieter Schneider. Von ihm war zuletzt wenig zu hören. Ob er Ambitionen hegt, ist unklar. © sampics / Stefan Matzke
ALBRECHT VON LINDE: Er war bereits von März 2007 bis Mai 2008 Präsident der Löwen. Nachdem er vom damaligen Geschäftsführer Stefan Ziffzer attackiert wurde ("Der Fisch stinkt immer vom Kopfe, und ich sage ihnen: Unser Kopf ist der Präsident."), entließ von Linde ihn und nahm wenig später selbst seinen Hut. Gegenüber dem Pay-TV-Sender Sky äußerte sein interesse, als "Sanierer" einspringen zu können. © sampics
HANS SARPEI: Oder Chuck Norris? Oder Christl Estermann? Die Fans bringen derzeit natürlich im Scherz noch andere Namen ins Spiel. Vielleicht hilft aktuell nur Galgenhumor. Oder aber ist das Thema zu ernst für Witze? © dpa
THEO WAIGEL: Über den Ex-Finanzminister gab es Gedankenspiele, bestätigte Otto Steiner. Aber er steht nicht zur Verfügung. © picture alliance / dpa
MISTER X: Nicht unwahrscheinlich ist auch, dass plötzlich ein Name ins Spiel kommt, den keiner auf dem Zettel hat. Es bleibt spannend bei 1860 ... © dpa

Die fehlende Bestätigung für Hep Monatzeder ist auch eine deutliche Niederlage für den Aufsichtsrat, der den 61-Jährigen ja selbst vorgeschlagen hatte. Das weiß auch Steiner. Doch trotz des bitteren Abends in der Heide Volm in Planegg muss es bei den Löwen zügig weitergehen. "1860 darf nicht als führungsloses Schiff herumtreiben", sagte Steiner der Bild. "Der Verein bleibt handlungsfähig, aber wir müssen unsere Hausaufgaben machen, damit kein Vakuum entsteht."

Formal bleibt Monatzeder zunächst noch Präsident.

fw

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