Vorwurf von US-Magazin

Probleme mit Datenschutz bei Whatsapp? Mitarbeiter überprüfen Chat-Nachrichten

Whatsapp steht erneut in der Kritik. Einem Bericht eines US-Magazins zufolge soll der Messenger Zugriff auf verschlüsselte Chats haben und sensible Daten an Externe weitergeben.
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Whatsapp steht erneut in der Kritik. Einem Bericht eines US-Magazins zufolge soll der Messenger Zugriff auf verschlüsselte Chats haben und sensible Daten an Externe weitergeben.

Whatsapp wirbt mit einer sicheren Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Wie ein US-Magazin rausgefunden haben will, greifen Mitarbeitende dennoch auf Chats zu.

Kassel – Bisher hatte das zu Facebook gehörige Unternehmen Whatsapp* stets behauptet, dass niemand die eigenen Chats mitlesen könne. Wie das US-Magazin Propublica nun festgestellt hat, handelt es sich dabei nicht ganz um die Wahrheit.

Zunächst sei gesagt, dass die verschickten Nachrichten in der beliebten Messenger-App verschlüsselt sind. Dadurch sollten die Unterhaltungen also weder von Whatsapp noch vom Mutterkonzern Facebook oder der Polizei durchforstet werden können. Die Behauptung, dass aufgrund der Verschlüsselung niemand die Verläufe mitlesen könne, sei so aber nicht korrekt, behauptete Peter Elkind, Reporter von Propublica.

Mitarbeitende von Drittfirmen überprüfen gemeldete Whatsapp-Chats

„Whatsapp legt zwar offen, dass man die letzten paar Nachrichten zur Begutachtung freigibt. Wie viele es genau sind, sagt es aber nicht. Unseren Recherchen zufolge sind es fünf. Was sie auch nicht sagen: ein Heer von vielleicht 1000 externen Content-Moderatoren sehen sich die gemeldeten Chats an, nachdem ein KI-System sie vorab überprüft hat“, heißt es in dem Bericht.

Diese Moderatoren seien nicht von Whatsapp angestellt, sondern bei Drittfirmen tätig. Verteilt seien die Personen auf das irische Dublin, Singapur sowie Austin, Texas. Der Autor des US-amerikanischen Magazins erklärte, dass beispielsweise die Verläufe von Nutzerinnen und Nutzern dem Konzern zum Lesen freigegeben werden, sobald bestimmte Nachrichten gemeldet werden, etwa aufgrund von anstößigen oder beleidigenden Inhalten.

Kritik an Whatsapp: Messenger soll ungewöhnlich viele Daten sammeln

Elkind kritisierte, dass die Facebook-Tochter zum Teil hochsensible Daten den Angestellten externen Firmen anvertraue. Weiter erhebt Propublica den Vorwurf, dass der Messenger-Dienst ungewöhnlich viele Meta-Daten seiner Nutzerinnen und Nutzer sammle. Dabei handelt es sich um Datensammlungen, die je nach Zugriffsanforderungen der jeweiligen App entsprechend groß ausfallen. Inzwischen wanderten viele Menschen aufgrund neuer Whatsapp-AGBs sogar zu Alternativen ab.

Propublica veröffentlichte allerdings jüngst eine Klarstellung zu ihrem Bericht und betont darin, dass „das Unternehmen nur Nachrichten aus Chat-Verläufen untersucht, die von Nutzern als potenziell missbräuchlich gemeldet wurden. Es bricht nicht die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.“

Prüfung durch externe Angestellte: Expertin nimmt Whatsapp in Schutz

Im Falle von Whatsapp soll es sich dabei um die Identität von Nutzerin oder Nutzer, Telefonnummer, Profilfoto, Statusnachricht, Akkustand des Telefons, Sprache und Zeitzone sowie zugehörige Facebook-Konten handeln. In einer Stellungnahme gegenüber der ARD, erklärte Facebook, dass die Meldefunktion schlimmen Missbrauch verhindere.

Weitere Nachrichten zur beliebten Messenger-App finden Sie auf unserer Whatsapp-Themenseite*.

Wie andere Messenger-Apps ist auch Whatsapp auf gemeldete Verstöße gegen Nutzungsbedingungen oder Gesetze angewiesen. Wie heise.de berichtet, sei eine automatische Durchsuchung der Chats mithilfe künstlicher Intelligenz nicht möglich – wie schon bei Facebook und Instagram.

Doch bei aller Kritik seitens Propublica, nehmen Experten das Vorgehen von Whatsapp auch in Schutz. So erklärte Eva Galperin, Direktorin für Cybersecurity bei der Electronic Frontier Foundation, auf Twitter, dass die Meldung unangemessener Inhalte und einer anschließenden Prüfung nicht die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung des Messengers untergrabe. Nichtsdestotrotz gebe es „eine Menge an Problemen“ bei Whatsapp.

Video: Apropos Chat - Whatsapp änderte auch Gruppen-Chat-Regeln

Whatsapp will Möglichkeit geben, unangemessene oder beleidigende Inhalte zu melden

Auch Whatsapp selbst äußert sich zu den Vorwürfen: „WhatsApp provides a way for people to report spam or abuse, which includes sharing the most recent messages in a chat. This feature is important for preventing the worst abuse on the internet. We strongly disagree with the notion that accepting reports a user chooses to send us is incompatible with end-to-end encryption.“

Demnach fördert Whatsapp also die Meldung von Spam oder beleidigenden und anstößigen Nachrichten, in dem die Nutzer und Nutzerinnen die neuesten Nachrichten innerhalb eines Chats melden können. Laut dem Whatsapp-Sprecher stehe eine solche Meldung von Nutzern und Nutzerinnen nicht im Widerspruch zur Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, sondern verhindere unangemessene oder beleidigende Inhalte. (Nail Akkoyun) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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