Unterdrückte Minderheiten in China

Strafanzeige gegen Lidl, Aldi, C&A und Hugo Boss: Förderung der Zwangsarbeit?

Die Menschenrechtsorganisation ECCHR hat unter anderem gegen Lidl, Aldi und C&A Anzeige gestellt. Anlass dafür sei die Versklavung von Menschen in China.

Berlin - Auf Basis verschiedener Berichte von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International hat das Europäisches Zentrum für Grund- und Menschenrechte (ECCHR) mit Sitz in Berlin schwere Vorwürfe gegen deutsche Unternehmen und Handelsmarken erhoben. Der Grund: Die Produktion der Unternehmen könnten möglicherweise von mutmaßlicher Zwangsarbeit von muslimischen Minderheiten im Westen Chinas profitieren.

Zu den Unternehmen, welche die Nichtregierungsorganisation in ihrer Anzeige beim zuständigen Generalbundesanwalt erwähnte, zählen Supermarktketten wie Aldi* und Lidl* sowie die Modeunternehmen C&A und Hugo Boss. In diesen Fällen lägen der ECCHR konkrete Hinweise auf eine Produktion in der westchinesischen Xinjiang Uyghur Autonomous Region (XUAR) vor.

Die Region ist Heimat der muslimischen uigurischen Minderheit in China, die Berichten zufolge systematisch verfolgt und etwa zur Arbeit in der Textilindustrie, der Baumwollernte oder im Konfektionsbereich gezwungen werden soll.

Wegen des Verdachts auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit hat eine Menschenrechtsorganisation Unternehmen wie Lidl und Hugo Boss angezeigt. (Symbolfoto)

Produktion in China: Menschenrechtsorganisation zeigt C&A, Aldi, Lidl und Hugo Boss an

Den Zuliefererlisten der angezeigten Firmen sei, so hieß es vonseiten der ECCHR, zu entnehmen, dass mindestens bis vor wenigen Monaten Produkte oder Dienstleistungen aus der betreffenden Region in Anspruch genommen worden seien. Dies zeige, dass auch deutsche Unternehmen die systematische Ausbeutung und staatlich geförderte Zwangsarbeit in China unterstützten.

„Es ist inakzeptabel, dass europäische Regierungen China für Menschenrechtsverletzungen kritisieren, während die Unternehmen womöglich von der Ausbeutung der uighurischen Bevölkerung profitieren“, sagte Miriam Saage-Maaß, Leiterin des ECCHR-Programms Wirtschaft und Menschenrechte.

Die Region Xinjiang ist nicht nur die Heimat der uigurischen Minderheit, sondern auch die Gegend in China, in der am meisten Baumwolle angebaut und verarbeitet wird. Laut einem Spiegel-Bericht kämen 85 Prozent der chinesischen Baumwolle aus der Provinz im Westen des Landes. Berichten zufolge würden vor allem in staatlichen Betrieben in der Region unzählige Zwangsarbeiter aus Umerziehungslagern in der Baumwoll- und Textilproduktion eingesetzt. Im Frühjahr hatten die EU sowie die USA deshalb entschieden, die Region mit Sanktionen zu belegen.

Weitere Hintergründe zu Verbraucher-Themen* finden Sie auf unserer Themenseite oder in unserem wöchentlichen Verbraucher-Newsletter*.

Anzeige gegen Lidl, Aldi, C&A und Co. - Unternehmen weisen Vorwürfe zurück

Auf Nachfrage des Nachrichtenmagazins Spiegel beteuerten die Unternehmen, dass man seit Bekanntwerden der Vorwürfe an die Textilindustrie in der Region Xinjiang alle Lieferantenbeziehungen dort eingestellt habe. Die Einhaltung von Menschenrechten sei allen Unternehmen sehr wichtig.

Man habe sich deswegen nicht nur von allen Geschäftspartnern bestätigen lassen, dass im Verlauf der Lieferketten keine Menschenrechtsverstöße erfolgen. Teilweise hätten auch von den Unternehmen beauftragte Auditoren die Produktionsschritte überprüft. (ska) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Vor einigen Monaten wurde auch eine Anzeige gegen Aldi Nord* seitens einer Verbraucherschutzorganisation bekannt. In der wird dem Discounter eine falsche Auszeichnung seiner Produkte vorgeworfen*.

Rubriklistenbild: © Yuan Huanhuan/dpa

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Corona-Schnelltest kaufen: Hier gibt es die Selbsttests für zuhause
Verbraucher
Corona-Schnelltest kaufen: Hier gibt es die Selbsttests für zuhause
Corona-Schnelltest kaufen: Hier gibt es die Selbsttests für zuhause

Kommentare