Nicht jede Firma braucht Social-Media-Manager

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Immer mehr Unternehmen suchen Social-Media-Manager, die sich gezielt um ihren Auftritt in Online-Netzwerken kümmern

Hamburg - Facebook & Co. haben inzwischen auch die Berufswelt erobert. Immer mehr Unternehmen kümmern sich intensiv um ihren Auftritt in sozialen Netzwerken. Doch nicht jedes braucht einen Spezialisten.

Facebook, Twitter, Xing und andere haben ein neues Berufsbild geschaffen: Immer mehr Unternehmen suchen Social-Media-Manager, die sich gezielt um ihren Auftritt in Online-Netzwerken kümmern. Trotz des aktuellen Hypes um das Thema braucht aber längst nicht jede Firma einen solchen Spezialisten, wie Praktiker am Dienstag auf der Social Media Week in Hamburg betonten. Auf der Konferenz diskutieren Experten bis Freitag über den Einfluss Sozialer Medien auf Wirtschaft, Politik und Verbraucher.

Wenn ein Unternehmer unsicher sei, helfe ein Test, sagte Torsten Panzer, Geschäftsführer der Social Media Akademie in Mannheim: “Unterhalten sich die Leute im Netz über mein Produkt oder die Produktgattung?“ Nur wenn man mit diesen Nutzern in Austausch treten wolle, sei ein Engagement sinnvoll. Zudem müsse man überlegen, was der Auftritt bei Facebook und Twitter bewirken soll und eine dann eine entsprechende Strategie entwickeln. Vor allem große Unternehmen schließen sich dem Social-Media-Trend an, wie der Personalvermittler Sebastian Voss berichtete, der im Sommer 2011 das Portal socialmediakarriere.de gründete und derzeit 100 Bewerber in der Datenbank hat.

Facebooks Aufstieg vom Studentenwohnheim zum Milliarden-Konzern

In rund acht Jahren hat Facebook es von einem Studenten-Projekt zum Milliarden-Unternehmen geschafft und wird als baldiger Börsenstar gehandelt. Die Meilensteine auf diesem Weg: © dpa
Februar 2004: Mark Zuckerberg und seine Mitgründer starten Facebook in ihrem Studentenwohnheim an der Elite-Uni Harvard. Es ist eine Art digitales Jahrgangs-Buch für Studenten. Zuckerbergs Kommilitonen Tyler und Cameron Winklevoss klagen später mit dem Vorwurf, er habe ihnen die Idee für Facebook gestohlen. © dapd
März 2004: Der Dienst wird von Harvard auf die Universitäten Stanford, Columbia und Yale ausgeweitet. © dpa
September 2004: Das spätere Grundelement von Facebook - die Pinnwand - kommt dazu. © 
Dezember 2004: Facebook hat rund eine Million Nutzer. © dpa
Mai 2005: Der Investor Accel Partners steckt 12,7 Millionen Dollar in die Firma. Facebook wird dabei mit 100 Millionen Dollar bewertet. © dapd
Dezember 2005: Facebook hat mehr als 5,5 Millionen Nutzer. © dpa
September 2006: Nach dem Fokus auf Unis und Schulen öffnet Facebook die Türen für alle. © dpa
Oktober 2007: Facebook hat mehr als 50 Millionen Nutzer. Microsoft zahlt 240 Millionen Dollar für einen Anteil von 1,6 Prozent - die Bewertung erreicht damit 15 Milliarden Dollar. © dpa
November 2007: Facebook sorgt für einen Aufschrei bei den Nutzern mit dem Dienst “Beacon“, der Einkäufe automatisch den Freunden anzeigt. Facebook Ads bringen mit einem Selbstbedienungssystem Werbung ins Netzwerk. © dpa
Februar 2008: Facebook einigt sich mit den Winklevoss-Zwillingen auf einen Vergleich, der inzwischen mehr als 100 Millionen Dollar wert ist. Sie wollen später erfolglos mehr. © apd
März 2008: Die deutsche Facebook-Version startet. © dpa
August 2008: Facebook hat 100 Millionen Nutzer. © dpa
Februar 2009: Facebook führt den “Gefällt mir“-Button ein. Inzwischen gibt es jeden Tag 2,7 Milliarden “Likes“ und Kommentare. © dapd
Mai 2009: Der russische Investor DST steckt 200 Millionen Dollar in Facebook - bei einer Firmenbewertung von 10 Milliarden Dollar. © dpa
Juli 2010: Facebook hat mehr als 500 Millionen Nutzer. © dpa
Januar 2011: Goldman Sachs und DST bekommen für 500 Millionen Dollar ein Prozent an Facebook. © dpa
September 2011: Der schleswig-holsteinische Datenschützer Thilo Weichert will den “Gefällt-mir“-Button und Fanseiten von Unternehmen stoppen - trifft jedoch auf wenig Resonanz. © dpa
Dezember 2011: Facebook hat 845 Millionen Nutzer aktive Nutzer. Das Unternehmen verdiente 2011 eine Milliarde Dollar bei 3,7 Milliarden Dollar Umsatz. Als neue Art der Darstellung von Nutzerprofilen wird die Chronik (oder Timeline) eingeführt. © dapd
Februar 2012: Facebook beantragt einen 5 Milliarden Dollar schweren Börsengang. Bewertung und angestrebter Aktienpreis sind noch offen. © 

Eine genaue Definition des neuen Berufsbildes gibt es allerdings nicht. Der Begriff sei “globalgalaktisch formuliert“, sagte David Rahnaward, Social-Media-Manager beim Versandhändler Otto. So seien die Anforderungen im Online-Kundenservice ganz andere als bei der Öffentlichkeitsarbeit via Twitter und Co. Ob es je ein einheitliches Berufsbild geben wird, bezweifelten die Experten.

Derzeit sind die meisten Social-Media-Manager Quereinsteiger. “Wir haben Bewerber aus den unterschiedlichsten Bereichen mit den unterschiedlichsten Vorkenntnissen, was nicht schlecht sein muss“, sagte Benni Wittkamp von der Hamburger Agentur Elbkind.

Feste Bildungsgänge sind noch rar. “Die Hochschulen - vor allem die öffentlichen - haben das Thema sträflich vernachlässigt“, sagte Torsten Panzer von der Social Media Akademie. Seine Einrichtung bietet Kurse an, in denen Berufstätige via E-Learning das Rüstzeug erwerben sollen. Diese Angebote seien mit Praktikern entwickelt worden. An Weiterbildungen für Social-Media-Manager mangelt es nicht. Die Angebote sah Vivian Pein, Social-Media-Managerin beim Logistiker Hermes, aber skeptisch: “Es gibt viele Anbieter da draußen, aber das meiste ist Müll.“

Die Verdienstmöglichkeiten verglich Sebastian Voss mit der Marketingbranche. Die Spanne liege zwischen 35 000 und 60 000 Euro, je nach Selbstbewusstsein und Vorerfahrung der Bewerber.

dpa

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