England

DPD-Fahrer stirbt - weil er sich nicht traute, frei zu nehmen?

In England stirbt ein DPD-Fahrer an Diabetes, nachdem er tagelang gearbeitet hatte. Seine Witwe klagt: Ihr Mann starb, weil der Druck des Unternehmens zu hoch war.

Der Engländer Don Lane arbeitete 19 Jahre lang als Fahrer für den Paketdienst DPD UK. Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit dem Vater eines erwachsenen Sohnes: Der 53-Jährige starb am 4. Januar in einem südenglischen Krankenhaus an den Folgen seines Diabetes - nachdem er tagelang Überstunden gemacht hatte. 

Starb Don Lane, weil DPD zu viel Druck ausübte?

Seine Witwe ist deshalb überzeugt: Ihr Mann starb nicht etwa, weil er seine Krankheit auf die leichte Schulter nahm - sondern wegen des permanenten Arbeitsdrucks, der bei DPD herrscht. Deshalb soll sich Don auch nicht getraut haben, für seine Arzttermine frei zu nehmen - mit tödlichen Folgen.

Wie seine Frau Ruth Lane dem englischen Guardian berichtet, war Don zwar 19 Jahre lang als Kurier für den  Paketdienst tätig, jedoch nie festangestellt. Als Selbstständiger wurde er pro Paket, das er auslieferte, bezahlt - und als solcher hatte er auch keinen Anspruch auf Bezahlung im Krankheitsfall

DPD soll Kurier mit Strafe gedroht haben

So wie Don geht es nun vielen Selbstständigen. Doch laut der Witwe wurde Don bei DPD noch eineStrafe von 150 Pfund (rund 170 Euro) angedroht, sollte er keine Vertretung für seine Schicht bekommen. 

Zudem soll der Druck auf die Fahrer, alle Pakete in einer bestimmten Zeit auszuliefern, immens hoch gewesen sein. Deshalb habe Don auch hin und wieder wichtige Arzttermine, die er wegen seiner Zuckerkrankheit hatte, abgesagt, wenn er nicht fertig geworden sei. "Er zog das Unternehmen der eigenen Gesundheit vor", erzählte die Witwe dem Guardian. Doch zu welchem Preis? 

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DPD-Fahrer soll immer wieder kollabiert sein

2017 soll er dreimal währen der Arbeitszeit kollabiert sein. Im Juli 2017 musste er laut der Witwe tatsächlich die Strafe von 150 Pfund zahlen - wegen eines Arzttermines, den er seinem Chef schon Monate vorher angekündigt hätte. 

Ende Dezember kam es dann zum letzten Zusammenbruch, bei dem er sogar Blut spuckte: Er hatte trotz seiner schlechten Gesundheit die ganze Weihnachtszeit durchgearbeitet. Doch seiner Frau sagte er, dass er arbeiten müsse - auch wenn er nicht wolle. Das wurde ihm vielleicht zum Verhängnis: Lane starb am 4. Januar im Krankenhaus von Bournemouth.

Fall schlägt hohe Wellen - DPD UK weist Vorwürfe zurück

Der Fall des Kurierfahrers schlägt in England derweil hohe Wellen. Während die britischen Gewerkschaften von Premierministerin Theresa May eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Freelancern wie Don Lane fordern, weist DPD UK die Vorwürfe seiner Witwe zurück

Ihm sei weder eine Geldstrafe angedroht worden, noch habe er ungewöhnlich viele Überstunden während der Weihnachtszeit gehabt - zumindest nicht mehr, als zur Weihnachtszeit sonst üblich sind. Lane soll sogar eine eher kleine Route mit wenigen Paketen gefahren sein, die es ihm auch erlaubten, seine Arzttermine wahrzunehmen. Außerdem habe der Paketdienst nie von seinen Zusammenbrüchen erfahren.

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Witwe widerspricht Darstellung durch DPD UK

Doch das will die Witwe nicht auf sich sitzen lassen: DPD UK habe sehr wohl von den Zusammenbrüchen gewusst - und trotz seines schlechten Zustands Druck ausgeübt. Dem Guardian liegt ein E-Mail-Austausch zwischen Lanes Frau und dem Unternehmen vor, in dem sie sich über die angedrohte Strafe beschwert - an dem Tag, an dem sein Zusammenbruch stattfand. Doch der DPD-Manager antwortete, dass er keinen Grund sehe, die Strafe zurückzurufen.

Nach Vorwürfen: Auch DPD Deutschland meldet sich zu Wort

DPD Deutschland bedauert indessen ebenso den Tod des englischen Kuriers - betont aber in einer Stellungnahme, dass DPD UK und DPD Deutschland eigenständige Unternehmen seien, die unterschiedlich organisiert werden: "DPD arbeitet in Deutschland zwar mit selbständigen Unternehmen zusammen, den sogenannten Systempartnern. Dabei handelt es sich jedoch um eigenständige Unternehmen, bei denen die Zusteller im Rahmen eines festen Angestelltenverhältnisses beschäftigt sind." Das beträfe rund 10.000 Fahrer in Deutschland.

Außerdem würden für die Zusteller in Deutschland selbstverständlich alle Arbeitnehmerrechte im vollen Umfang gelten: "Krankschreibungen und Atteste wegen ärztlicher Untersuchungen werden selbstverständlich akzeptiert und in keiner Weise sanktioniert." Vergleichbare Vertragsstrafen, wie beim Fall aus England, gäbe es laut DPD bei solch einer begründeten und angekündigten Abwesenheit in Deutschland nicht.

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Von Andrea Stettner

Gehalt: Zehn Berufe, die am schlechtesten bezahlt werden

Platz 10: Berufskraftfahrer/-in mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 28.775 Euro.
Platz 10: Berufskraftfahrer/-in mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 28.775 Euro. © dpa
Platz 9: Zahnarzthelfer/-in mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 28.664 Euro.
Platz 9: Zahnarzthelfer/-in mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 28.664 Euro. © dpa
Platz 8: Koch / Köchin mit einem  durchschnittlichen Jahresgehalt von 27.089 Euro.
Platz 8: Koch / Köchin mit einem  durchschnittlichen Jahresgehalt von 27.089 Euro. © dpa
Platz 7: Rezeptionist/-in mit einem  durchschnittlichen Jahresgehalt von 26.776 Euro.
Platz 7: Rezeptionist/-in mit einem  durchschnittlichen Jahresgehalt von 26.776 Euro. © dpa
Platz 6: Kassenpersonal mit einem  durchschnittlichen Jahresgehalt von 26.740 Euro.
Platz 6: Kassenpersonal mit einem  durchschnittlichen Jahresgehalt von 26.740 Euro. © dpa
Platz 5: Call Center-Mitarbeiter/-in mit einem  durchschnittlichen Jahresgehalt von 27.810 Euro.
Platz 5: Call Center-Mitarbeiter/-in mit einem  durchschnittlichen Jahresgehalt von 27.810 Euro. © iStock
Platz 4: Kellner/-in mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 23.239 Euro.
Platz 4: Kellner/-in mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 23.239 Euro. © dpa
Platz 3: Friseur/-in mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 22.816 Euro.
Platz 3: Friseur/-in mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 22.816 Euro. © dpa
Platz 2: Küchengehilfin / Küchengehilfe mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 21.342 Euro.
Platz 2: Küchengehilfin / Küchengehilfe mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 21.342 Euro. © dpa
Platz 1: Zimmermädchen / Roomboy mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 20.641 Euro.
Platz 1: Zimmermädchen / Roomboy mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 20.641 Euro. © dpa

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