Burnout bis Depression

Bekannte Moderatorin stellt pikante Frage: Warum gibt es keine psychische Vorsorge-Untersuchung für alle?

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Depressive Verstimmung bis hin zu Schizophrenie: Psychotherapeuten behandeln psychische Krankheiten. Sollte jeder einmal jährlich auf die Couch?

Gesundheits-Check-Up bis Krebsfrüherkennung: Die Krankenkassen raten zu diversen Vorsorge-Untersuchungen. Doch die psychische Gesundheit hat niemand im Blick - trotz steigender Fallzahlen.

Jeder fünfte Deutsche zwischen 18 und 65 Jahren hatte mindestens einmal im Laufe seines Lebens eine depressive Störung. Das sind der Stiftung "Deutsche Depressionshilfe" zufolge rund 17 Prozent der deutschen Bevölkerung - Kinder und Jugendliche unter 18 sowie Menschen über 65 nicht eingeschlossen.

Und auch andere psychische Erkrankungen wie Burnout, Angststörungen, Essstörungen und soziale Phobien sind gefühlt auf dem Vormarsch. Sind psychische Störungen diagnostiziert, suchen Psychiater, Psychologen, Psychotherapeuten und Verhaltenstherapeuten nach den geeigneten Behandlungsansätzen. Doch wie sieht es mit Früherkennung in diesem Bereich aus? Mau.

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Psychisch gesund durch Therapie-Pflicht einmal jährlich?

Diese Meinung vertritt unter anderem eine bekannte deutschen Autorin und Fernsehmoderatorin: Sarah Kuttner twitterte am 25. Juli 2019: "Ich finde, man sollte jeden Menschen einmal im Jahr zu einem bezahlten (und im besten Falle nur prophylaktischen) Termin mit einem Psychotherapeuten schicken. Vorsorge für geistige Gesundheit quasi. Hat man nichts, tun die 45 Minuten nicht weh, andernfalls hat man Unterstützung."

Mit dieser Meinung trifft sie den Nerv vieler Twitter-Nutzer. In den Kommentaren schreiben sie unter anderem: "Find ich gut! Zum Zahnarzt muss man ja schließlich auch jedes Jahr, ohne Karies." oder "Das Gute daran wäre auch, dass so das 'Zum Therapeuten gehen' enttabuisiert wird und Menschen viel weniger Angst vor dummen Sprüchen haben müssen."

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Therapieplätze rar gesät - psychische Früherkennung für jeden würde Situation verschärfen

Inwieweit ein jährlicher Termin beim Psychotherapeuten überhaupt umsetzbar wäre, steht auf einem anderen Blatt. Viele Menschen mit einer diagnostizierten psychischen Krankheit müssen ohnehin lange auf einen Termin warten. Diese Situation würde durch die psychische Früherkennungsuntersuchung für alle noch verschärft werden. Ein Kommentar unter Sarah Kuttners Tweed bringt es auf den Punkt: "Grundsätzlich gute Idee, als jemand der selbst in Therapie ist, sehe ich dabei aber die Schwierigkeit, dass es eigentlich nicht genug Therapieplätze für diagnostizierte Personen gibt. Es hat über zwei Jahre gedauert bis ich jemanden gefunden habe, dem ich mich anvertrauen kann."

Aktuell gibt es keine offizielle psychische Vorsorge-Untersuchung. Hat man den Verdacht, an einer Depression, Essstörung, Phobie oder anderen psychischen Krankheit zu leiden, überweist in der Regel der behandelnde Hausarzt je nach Ausprägung der Krankheit zu einem Psychiater, Psychotherapeuten oder Psychologen.

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jg

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