Hilfe vom Roboter beim Röntgen

Innovationen der Medizintechnik (3): Neues Radiologie-Gerät in Thalkirchen erleichtert Diagnostik

Der Multitom Rax mit seinen beiden Roboterarmen erleichtert Annika Trötsch und Dr. Amir Bigdeli ihre Arbeit in der Radiologie. Auch für Patienten wird die Untersuchung angenehmer.
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Der Multitom Rax mit seinen beiden Roboterarmen erleichtert Annika Trötsch und Dr. Amir Bigdeli ihre Arbeit in der Radiologie. Auch für Patienten wird die Untersuchung angenehmer.
  • Andreas Schwarzbauer
    VonAndreas Schwarzbauer
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Das „Multitom Rax“ ist eine neue Diagnostik-Methode in der Radiologie und ein echtes Multitalent. Was der Roboter kann und wie er funktioniert:

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. In unserer aktuellen Serie blicken wir auf innovative Medizintechnik, die in München zur Anwendung kommt.

So wie das neue Röntgengerät des Artemed Klinikums in Thalkirchen. Es erleichtert sowohl Patienten als auch Mitarbeitern die Untersuchung. Wie das Gerät funktioniert und welche Vorteile es bietet, verrät Dr. Amir Bigdeli, leitender Arzt in der Radiologie. 

Wie funktioniert das Radiologie-Gerät?

Die beiden Roboterarme fahren automatisch rechts und links vom Patienten in Position. Langsam bewegen sie sich von oben nach unten und erstellen ein Röntgenbild von der Wirbelsäule. Anschließend drehen sie sich 90 Grad weiter, um eine seitliche Aufnahme zu machen. Der Patient kann einfach entspannt daliegen. Die beiden Roboterarme gehören zum Multitom Rax, dem neuesten Röntgengerät des Artemed Klinikums München-Süd.

Seit Ende April ist es im Einsatz und biete viele Vorteile, wie Dr. Amir Bigdeli, der leitende Arzt der diagnostischen und interventionellen Radiologie, stolz berichtet. „Unser altes Gerät ist relativ starr gewesen und der Patient musste sich ihm anpassen. Jetzt ist es umgekehrt und das Multitom Rax bewegt sich um den Patienten herum.“

Die beiden Arme mit der Röntgenröhre und dem Detektor fahren auf Deckenschienen durch den Raum. Dadurch sei ein 360-Grad-Zugang zum Patienten möglich. So könne beispielsweise unmittelbar nach einem Unfall oder einer Operation eine schmerzhafte Umlagerung vermieden werden.

Roboter ermöglicht genauere und bessere Diagnostik

Doch das ist nicht alles: „Rudi“– so wurde das Gerät in Anlehnung an seinen ersten Patienten getauft – könne auch für weitere Untersuchungen genutzt werden. „Er ist unser Schweizer Taschenmesser“, sagt Bigdeli. Beispielsweise seien 3D-Aufnahmen der Knochen möglich.

Vorher war dafür zusätzlich eine Computertomografie (CT) in einem anderen Raum nötig. Jetzt könne der Patient einfach liegen bleiben. „Die Auflösung der Bilder ist ebenfalls sehr hoch, aber die Strahlendosis ist deutlich geringer“, so der Arzt. Sie betrage nur 30 Prozent der Strahlung von einer CT-Untersuchung.

Ein weiterer Vorteil sei, dass – anders als in der „CT-Röhre“ – Aufnahmen im Stehen und damit unter Belastung gemacht werden können. „Wenn Gewicht auf den Gelenken ist, sieht man häufig mehr und erhält Zusatzinformationen.“

Bigdeli erinnert sich an eine Patientin, die Schmerzen im Knie hatte. Mit Hilfe von „Rudi“ konnte er eine fortgeschrittene Arthrose diagnostizieren und die Frau adäquat behandelt werden. Auf einer vorherigen MRT-Aufnahme, die im Liegen gemacht wurde, schien der Schaden dagegen nicht behandlungswürdig.

Multitalent erleichtert Arbeit für Ärzte und Patienten

Auch für sein Team sei der Multitom Rax eine Erleichterung. Obwohl die Arme je 250 Kilogramm wiegen, ließen sie sich durch die Schienen leicht bewegen. Doch in der Regel seien die einzelnen Untersuchungen sowieso eingespeichert, sodass „Rudi“ automatisch in Position fährt und nur noch kleine Positionskorrekturen zu machen sind.

Früher seien zudem bei größeren Röntgenaufnahmen mehrere Bilder gemacht worden. Diese musste Annika Trötsch, die als Medizinisch-technische Assistentin in der Radiologie arbeitet, am Computer händisch zusammensetzen. Jetzt überträgt das Gerät das gesamte Bild automatisch.

Insgesamt verwenden nur 19 Krankenhäuser in Deutschland einen Multitom Rax zum Röntgen. Das Artemed Klinikum ist das einzige in Oberbayern. Zudem einmalig: der Einsatz in der Notaufnahme. „Es spart Zeit, weil wir unterschiedliche Untersuchungen mit einem Gerät machen können. Und die Patienten müssen nicht den Raum wechseln“, sagt Bigdeli.

So funktioniert das Multitom Rax

Beim Multitom Rax kommt die digitale Volumentomografie (DVT) zum Einsatz. Dabei handelt es sich wie bei der Computertomografie (CT) um ein dreidimensionales Aufnahmeverfahren. Wie beim CT kreist das Gerät um das entsprechende Körperteil. Durch den kegelförmigen Strahl wird es in einem Umlauf erfasst. Beim CT dagegen sind wegen des eng gebündelten Strahls mehrere Umläufe nötig. 

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