Photonenstrahlen wie vom Pinsel

Innovationen der Medizintechnik (1): ZAP-X kann Gehirntumor ohne OP in Minuten unschädlich machen

Beim ZAP-X bewegen sich zwei Schalen mit tausenden Löchern um den Patientenkopf. Wie die Strahlen dort herauskommen, planen die Ärzte mit einer Software detailliert vorab. Dafür hat das Team um Professor Alexander Muacevic spezielle Schulungen erhalten.
+
Beim ZAP-X bewegen sich zwei Schalen mit tausenden Löchern um den Patientenkopf. Wie die Strahlen dort herauskommen, planen die Ärzte mit einer Software detailliert vorab. Dafür hat das Team um Professor Alexander Muacevic spezielle Schulungen erhalten.
  • Romy Ebert-Adeikis
    VonRomy Ebert-Adeikis
    schließen

Mit dem ZAP-X wird im Cyberknife-Zentrum in Großhadern manchen Krebspatienten eine OP erspart. Wie Tumore dort zerstört werden und für welche Fälle das Gerät in Frage kommt...

„Gesund in Serie“ – unter diesem Motto beleuchtet Hallo München wöchentlich Themen der Medizin. In unserer neuen Serie blicken wir auf besonders innovative Medizintechnik, die in München zur Anwendung kommt. So wie ZAP-X, das im Cyberknife-Zentrum in Großhadern manchen Krebspatienten eine OP erspart. Wie Tumore dort zerstört werden und für welche Fälle das Gerät in Frage kommt, erklärt der Radio- und Neurochirurg Professor Alexander Muacevic.

Normalerweise kümmert sich das Europäische Cyberknife-Zentrum München-Großhadern um die Strahlentherapie verschiedenster Krebspatienten. Doch beim Gerät ZAP-X, welches die Einrichtung erst seit Juli besitzt, ist das anders. „ZAP wird nur bei bestimmten Hirntumoren angewandt“, sagt der Radio- und Neurochirurg Alexander Muacevic. Bisher wurden in Großhadern nur 35 Patienten damit behandelt. „Aber dafür ist es extrem genau und extrem schnell.“ Und: Es erspart manchem Patienten eine bisher notwendige Operation.

ZAP-X Cyberknife

Stattdessen können die Tumorzellen im Gehirn mit einer besonderen Form der Bestrahlung unschädlich gemacht werden. „Zwei Schalen drehen sich dabei um den Kopf des Patienten, so dass es hunderte Möglichkeiten gibt, aus welchem Winkel man auf den Kopf strahlen kann“, erklärt Muacevic. Aus diesen Schalen werden nach einem Plan der Ärzte automatisiert über 100 Photonenstrahlen aus unterschiedlichen Öffnungen geschossen, welche sich genau im Tumor bündeln. „Das ist, als würde ein Künstler mit verschiedenen Pinselstrichen immer über dieselbe Stelle des Gemäldes fahren, sodass dort ein Bild entsteht“, sagt der 53-jährige Radiochirurg. „Mit der Methode erreichen wir eine Zielgenauigkeit von unter einem Millimeter.“ Umliegendes Körpergewebe wird dabei geschont.

Schonende und hocheffektive Strahlentherapie gegen Hirntumore - Anwendung nicht immer möglich

Das geht aber nur, wenn der Tumor nicht zu groß und gut abgegrenzt zum gesunden Gewebe ist. Die Anwendungsfälle sind daher stark begrenzt. „Ausgehend von allen Hirntumoren kann ZAP derzeit bei weniger als zehn Prozent genutzt werden“, so Muacevic. Typischerweise können das Tumore am Hörnerv, in den Hirnhäuten oder Metastasen anderer Krebsherde im Gehirn sein.

Für diese ist die Bestrahlung mit ZAP-X aber hocheffektiv. „Unsere Erfolgsquote liegt bei über 90 Prozent“, sagt der Radiochirurg. Dazu kommt die Schnelligkeit der Behandlung. „Im Idealfall reichen schon 15 bis 30 Minuten aus“, so der Experte. Und die können dem Patienten zugleich so angenehm wie möglich gemacht werden. Denn das ZAP-X hat eine weitere Besonderheit. Im Gegensatz zu anderen Strahlengeräten schirmt es sich selbst ab. „Angehörige können also bei der Behandlung mit im Raum sein, ohne selbst von Strahlen getroffen zu werden.“ Gleichzeitig muss diese nicht in Spezialräumen erfolgen. „Der Patient hat nicht das Gefühl, in einem Bunker gefangen zu sein.“

Bisher nur sechs Geräte dieser Art auf der ganzen Welt

Bisher gibt es weltweit nur sechs Geräte dieser Art, unter anderem in Lingen in Niedersachsen und in Zürich. Dass es auch in München eingesetzt wird, hat einen besonderen Grund. „Der Erfinder von Cyberknife hat auch ZAP erfunden“, sagt Muacevic. Weil man im LMU-Klinikum Großhadern – mit dem das Cyberknife-Zentrum kooperiert – relativ viele Hirntumore behandelt, sei es sinnvoll gewesen, ZAP-X nach München zu bringen. Das hat auch das Bayerische Gesundheits- und Pflegeministerium gefördert. Unterstützt wird das Verfahren zudem von der AOK Bayern. Sie übernimmt als erste Krankenkasse die Behandlung mit ZAP.

Das ist das Cyberknife-Zentrum in München-Großhadern

Das Europäische CyberknifeZentrum in München-Großhadern war die erste Einrichtung ihrer Art in ganz Deutschland. Sie wurde 2005 in Kooperation mit dem Klinikum der Universität München und der AOK Bayern eröffnet.

Seither wurden dort circa 11 000 Patienten mit radiochirurgischen Techniken behandelt. Die Cyberknife-Technologie kann nach derzeitigem Stand für Tumore im Gehirn, an der Wirbelsäule beziehungsweise dem Rückenmark, in Lymphknoten, Prostata, Lunge oder Leber genutzt werden.

Auch interessant:

Meistgelesen

Sie wollen nicht mehr ins Büro oder unter Leute? Das Cave-Syndrom könnte dahinter stecken
Gesundheit
Sie wollen nicht mehr ins Büro oder unter Leute? Das Cave-Syndrom könnte dahinter stecken
Sie wollen nicht mehr ins Büro oder unter Leute? Das Cave-Syndrom könnte dahinter stecken

Kommentare