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Putin mit dem Rücken zur Wand: Steht eine russische Niederlage bevor?

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Von: Teresa Toth

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Putin läuft im Ukraine-Krieg die Zeit davon – täglich verzeichnet das Militär Misserfolge. Und selbst im eigenen Land verliert er an Zustimmung.
Putin läuft im Ukraine-Krieg die Zeit davon – täglich verzeichnet das Militär Misserfolge. Und selbst im eigenen Land verliert er an Zustimmung. © Ashley Chan/dpa

Die Ukraine gewinnt im Angriffskrieg zunehmend die Oberhand – ein Sieg für Putin wird immer unwahrscheinlicher. Daher will er den Krieg schnellstmöglich beenden.

Moskau – Russland gerät im Ukraine-Krieg zunehmend unter Druck. Viele Gebiete haben die ukrainischen Truppen bereits zurückerobert – ein Sieg von Wladimir Putin wird immer unwahrscheinlicher. Das dürfte dem russischen Machthaber auch bewusst sein: Er versucht, seine Niederlage zu verbergen, etwa mit der völkerrechtswidrigen Annexion von vier Bezirken in der Ukraine.

Inzwischen hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die vollständige Kontrolle und Räumung der strategisch wichtigen Stadt Lyman verkündet. Mit dem Fall der Stadt öffnet sich für die ukrainischen Truppen der Weg Richtung Kreminna und Swatowe. Beide Städte liegen im Gebiet Luhansk und gelten – speziell Swatowe – als wichtige Verkehrsknotenpunkte.

Mögliche Niederlage für Putin im Ukraine-Krieg: Warum die Luft für den Kreml-Chef dünn wird

Auch im Inland hat Putin zunehmend Probleme. Nach offiziellen Angaben der EU, Georgiens und Kasachstans sind seit der Einberufung rund 220.000 Russen geflohen. Auch seine Zustimmungswerte sinken erstmals, wie eine Auswertung des unabhängigen russischen Meinungsforschungsinstituts Levada-Center ergab.

„Viele Menschen würden sich fragen: Warum sind wir in diesen Schlamassel geraten? Warum haben wir so viele Menschen verloren?“, so Andrey Kortunov, der den vom Kreml unterstützten Russian International Affairs Council (RIAC) in Moskau leitet, gegenüber CNN.

Niederlage für Putin im Ukraine-Krieg? Bereits im April deutete sich ein Wendepunkt an

Wie die Daten des Institute for the Study of War (ISW) zeigen, kam es bereits im April zu einem Wendepunkt in Putins Angriffskrieg. Die russischen Truppen schafften es nicht, die Hauptstadt Kiew einzunehmen und zogen sich schließlich auch von den nördlichen Fronten zurück. Damit gaben sie rund 40 Prozent der seit Beginn der Invasion erzielten Gewinne wieder auf. Zugespitzt hat sich die Lage dann mit der überraschenden Gegenoffensive Anfang September in der Region Charkiw. Diese hat demnach maßgeblich dazu beigetragen, dass die russischen Streitkräfte aktuell weniger ukrainisches Territorium kontrollieren als nach der ersten Invasion im Februar 2022.

Der Kreml-Chef spüre, dass ihm die Zeit davonlaufe – er stehe mit dem Rücken zur Wand. Daher will er „die ganze Sache so schnell wie möglich beenden“, betont Kortunov gegenüber CNN. Neben der Annexion der Regionen Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson sprechen auch Putins Atom-Drohungen dafür, dass er ein Ende des Kriegs anstrebt, so der Experte.

Ukraine-Krieg: Putin greift auf Drohungen zurück

„Ich denke, Putin spricht sämtliche Drohungen gegenüber Europa aus und wird dann sagen, okay, lasst uns eine Einigung aushandeln. Und lasst mich das behalten, was ich bereits eingenommen habe“, vermutet Kurt Volker, früherer US-Botschafter bei der NATO und US-Sonderbeauftragter für die Ukraine, gegenüber dem Global Business Forum.

Dem stimmt auch CIA-Chef John Brennan zu. Neben dem Versuch, Gebiete in der Ukraine für sich zu sichern, spreche auch die Sabotage der Nord-Stream-Pipeline dafür, dass Putin ein letztes Mal alle Hebel in Bewegung setzt, um den Krieg für Russland zu entscheiden. Wie der ehemalige CIA-Chef John Brennan gegenüber CNN erklärt, versuche Putin wahrscheinlich, eine Botschaft zu senden: „Es ist ein Signal an Europa, dass Russland über die Grenzen der Ukraine hinausreichen kann.“

Mögliche Niederlage für Putin im Ukraine-Krieg: Kreml-Chef unter Druck

Davon ist auch Fiona Hill, die drei US-Präsidenten in Fragen der nationalen Sicherheit in Bezug auf Russland beraten hat, überzeugt. „Er spürt eine akute Dringlichkeit, weil er an Schwung verloren hat, und versucht nun, den Krieg auf die gleiche Weise zu beenden, wie er ihn begonnen hat. Er hat das Sagen und bestimmt die Bedingungen für jede Art von Verhandlung“, so Hill in einem Interview mit Foreign Policy.

Die jüngsten Ereignisse im Ukraine-Krieg sind demnach das Ergebnis davon, dass die Ukraine auf dem Schlachtfeld führt und die Luft für Putin zunehmend dünner wird. Dennoch versucht er, „sich an die Umstände anzupassen und die Führung zu übernehmen“, so Hill. (tt)

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