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Bundeswehr unerwünscht - trotz Ukraine-Krieg? Militär-Projekt trifft im Süden auf großen Widerstand

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Von: Patrick Mayer

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Soldaten des Kommando Spezialkräfte KSK bei einer Übung auf dem Flugplatz Trollenhagen (Mecklenburg-Vorpommern), im Hintergrund ein Airbus A400M der Luftwaffe.
Soldaten des Kommando Spezialkräfte KSK bei einer Übung auf dem Flugplatz Trollenhagen (Mecklenburg-Vorpommern), im Hintergrund ein Airbus A400M der Luftwaffe. © IMAGO / Björn Trotzki

In Baden-Württemberg schwelt ein polarisierender Streit um ein geplantes Absprunggelände der Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr und der US-Streitkräfte.

München/Balingen - Die Staatsdomäne Waldhof liegt idyllisch eingebettet am Albtrauf der Schwäbischen Alb mitten in Baden-Württemberg*. Der weite Blick reicht im Norden bis zur bekannten Burg Hohenzollern, im Westen bis zu den Ausläufern des Schwarzwaldes. Äcker und Wiesen prägen das Landschaftsbild, in der Ferne ist vielerorts das Rauschen der B27 in Richtung Stuttgart* zu hören.

Hier radeln und joggen Einwohner des Zollernalbkreises (rund 190.000 Einwohner), Landwirte gehen ihrer Arbeit nach. Doch schon bald könnten riesige Airbus A400M-Maschinen der Luftwaffe die Ruhe stören, oder mittelschwere Transporthubschrauber NH-90 der Bundeswehr mit ihren mächtigen Rotoren über die Feldwege donnern. Denn: Das Land Baden-Württemberg plant, sein Gelände Waldhof der Bundeswehr sowie der US-Armee zur Verfügung zu stellen, etwa als Absetz- und Übungsgelände für das Kommando Spezialkräfte (KSK)*.

Mitten im Russland-Ukraine-Krieg: Bundeswehr plant KSK-Absprunggelände in Baden-Württemberg

Für jene Einheit der deutschen Streitkräfte also, die berühmt und berüchtigt zugleich ist. Im Afghanistan-Krieg nahm das KSK unter anderem an der Schlacht um Tora Bora (Dezember 2001) und in der Operation Anaconda (März 2002) teil. Im November 2016 befreiten die Elite-Soldaten nach einem Anschlag in Masar-i-Scharif Bundespolizisten aus dem deutschen Konsulat, und beim Truppenabzug der NATO aus Afghanistan* sollen sie im März 2021 in Nacht-und-Nebel-Aktionen deutsche Staatsbürger aus Kabul in Sicherheit gebracht haben. Die damalige Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dankte der Einheit anschließend persönlich, die in den Jahren zuvor wiederholt wegen angeblich rechtsextremer Tendenzen in die Schlagzeilen geraten war.

Im Ukraine-Krieg* rückt das deutsche Militär nun verstärkt in den Fokus - und damit auch das KSK, das mit rund 1500 Mitgliedern im schwäbischen Calw stationiert ist. Von dort ist es nicht allzu weit zum Waldhof-Gelände zwischen der Kleinstadt Balingen (rund 35.000 Einwohner) sowie den Gemeinden Geislingen und Rosenfeld. Dort hat sich binnen kurzer Zeit vehementer Widerstand gegen die KSK-Pläne formiert. In Geislingen hat sich zum Beispiel die „Initiative Waldhof“ gegründet. Kritikpunkte sind laut der Website der Bürgerinitiative:

Quelle: initiative-waldhof.de, Stand 12. April, 13.00 Uhr

Bei Fallschirmsprüngen des KSK teils im Einsatz: ein Airbus A400M der deutschen Luftwaffe.
Bei Fallschirmsprüngen des KSK teils im Einsatz: ein Airbus A400M der deutschen Luftwaffe. © IMAGO / Björn Trotzki

Will etwa niemand die Bundeswehr* vor Ort? Auch nicht vor dem Hintergrund des russischen Einmarsches in der Ukraine*? Und das, obwohl der große Truppenübungsplatz Heuberg sowie die Albkaserne mit dem Artilleriebataillon 295 in der Region beheimatet sind? Das Thema polarisiert in jedem Fall gehörig. Es gab eine Informationsveranstaltung mit Bürgern, dem Militär und Vertretern der baden-württembergischen Politik.

Heftiger Streit um geplanten Bundeswehr-Militärflugplatz - trotz Russland-Ukraine-Krieg

Stuttgart hält indes an besagten Plänen fest, weil auf dem bisher genutzten Gelände in Renningen-Malmsheim westlich der Landeshauptstadt das Forschungs- und Entwicklungszentrum der Robert Bosch GmbH erweitert werden soll. Der Waldhof wäre das Ersatzgelände. Es ist ein Politikum, das weite Kreise zieht.

„Das Vorhaben ist völliger Unsinn“, zitiert die Südwest Presse (SWP) Siegfried Rall aus dem benachbarten Dotternhausen. Er ist der 2. Vorsitzende des Vereins für Natur- und Umweltschutz Zollernalb. Die im Fokus der Bundeswehr stehende Fläche beim Waldhof sei „eines der besten Getreidefelder in der Gegend“, erklärte Rall. Ferner bezeichnete er die Entscheidungsfindung als „für eine Demokratie unwürdig“.

Im Video: Raketenschild für Deutschland? Russland-Ukraine-Krieg löst Debatte aus

Dasselbe Medium zitierte die ansässigen Landwirte Tobias Vötsch und Tobias Hölle:  „Wir wollen alle Kräfte bündeln.“ Beide betreiben in den kleinen Dörfern Täbingen und Binsdorf in unmittelbarer Nähe landwirtschaftliche Höfe. Die Front der Gegner wächst und wächst, je länger es aus der Politik keine Lösung gibt. Mit der sogenannten Haigerlocher Interessengemeinschaft hat sich eine weitere Bürgerinitiative gegen den geplanten Militärflugplatz formiert.

Damit nicht genug: Jetzt hat der Gemeinderat der Kleinstadt Rosenfeld (rund 6500 Einwohner) der Waldhof-Initiative aus Geislingen seine Unterstützung gegen das geplante KSK-Absprunggelände zugesichert. In einer Sitzung des Gremiums war laut dem Zollern-Alb-Kurier von einer „unerwarteten Schocknachricht“ die Rede.

KSK-Absprunggelände Waldhof in Baden-Württemberg: Ganze Gemeinden positionieren sich dagegen

Geislingen, Rosenfeld, Haigerloch, Täbingen und Binsdorf - alle Gemeinden lägen wohl in den Flugschneisen der A400M- und Transall-Maschinen sowie der Transporthubschrauber NH-90, die die Fallschirmspringer der Bundewehr und der befreundeten Streitkräfte für solche Übungen in der Regel nutzen. Doch auch die Kritiker sehen sich ihrerseits mit Kritik konfrontiert - zumindest in den sozialen Medien.

So zitiert die SWP zum Beispiel einen Facebook-Kommentar, in dem es heißt: „Komisch, jeder will Frieden, viele schreien vor allem jetzt nach mehr Bundeswehr usw. Und wenn was in der Richtung geht, schreit man wieder Vollgas dagegen.“ Der Streit um den Bundeswehr-Standort dürfte in einer ganzen Region weiter polarisieren. (pm) *Merkur.de und bw24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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