Kommunalwahl 2020 im Würmtal

Drei Duelle für die Würmtal-Wähler

Kommunalwahl 2020 im Würmtal
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Kommunalwahl 2020 im Würmtal

In Planegg, Gräfelfing und Gauting gehen Kandidaten fürs Bürgermeisteramt am 29. März in die Stichwahl. Alle Ergebnisse der Bürgermeisterkandidaten und die neue Sitzverteilung in den Gemeinderäten lesen Sie hier...

Würmtal – Öfter als je zuvor müssen die bayerischen Wähler für eine Bürgermeisterwahl zwei Mal an die Urne. Auch im Würmtal fallen drei Entscheidungen erst am Sonntag, 29. März. Während in Gräfelfing und Gauting die Amtsinhaberinnen – Uta Wüst (IGG) und Brigitte Kössinger (CSU) – darum kämpfen, ihr Amt zu verteidigen, ist ein SPD-Bürgermeister in Planegg Vergangenheit. Stattdessen wollen Hermann Nafziger (CSU) und Cornelia David (FWD) den Posten übernehmen. 

Bittere Verluste für Planeggs Sozialdemokraten

Acht Kandidaten buhlten in Planegg um das Bürgermeisteramt – eine Stichwahl war damit quasi programmiert. Mit 25,9 und 17,4 Prozent haben es Hermann Nafziger (CSU) und Cornelia David (Freie Wähler Dynamische) in den zweiten Durchgang geschafft. 

 Cornelia David (FWD) 

„Anscheinend hat einiges, was die SPD in den letzten Jahren gemacht hat, den Planeggern nicht gefallen“, erklärt sich CSU-Mann Hermann Nafziger das Ergebnis. Denn die Sozialdemokraten haben nicht nur das Bürgermeisteramt verloren – sondern auch die Hälfte ihrer Sitze im Gemeinderat (bisher acht, künftig vier). 

Besonders bitter: Neben mehreren langjährigen Gemeinderäten der SPD hat auch Noch-Bürgermeister Heinrich Hofmann (SPD) den Einzug in das Gremium verpasst. „Das ist natürlich ein Verlust an Erfahrung“, gibt Fraktionschef Felix Kempf zu. „Wesentlich war für uns wahrscheinlich einfach, dass die politische Vielfalt dieses Mal so groß war.“ 

Dass er unter diesen Voraussetzungen einen Vorsprung von über acht Prozent zu seiner Konkurrentin erreichen würde, lässt CSUler Nafziger besonders optimistisch in die Stichwahl gehen. „Ich glaube, dass ich jetzt der richtige Mann bin!“ 

Hermann Nafziger (CSU) 

Aber auch Cornelia David ist guter Dinge, zumal die Freien Wähler ihre Sitze im Gemeinderat verdoppeln konnten (künftig vier). „Obwohl wir starken Gegenwind hatten. Das zeigt, dass wir alles richtig gemacht haben.“ Entscheiden wird, wer welchen Kandidaten unterstützt. 

„Ich werde alles dafür tun, um Nafziger zu helfen“, sagt Gemeinderat Peter von Schall-Riaucour. Seine FDP-Fraktion, die weiterhin drei Sitze im Gremium inne hat, hält sich hingegen bedeckt – genauso wie Bündnis 90/Die Grünen, die aus dem Stand vier Mandate eroberten, und die SPD. 

Für die stellte Kempf aber eines bereits klar: Seine Fraktion sehe Cornelia David nicht als „Todfeind“. So hatte Noch-Gemeinderat Bernd Gropper (SPD) die Kandidatin laut Merkur am Wahl­abend bezeichnet. „Eine solche Sprache gibt es bei uns nicht“, betont Kempf.

Wahlergebnisse Bürgermeisterwahl Planegg (Wahlbeteiligung: 58,9 Prozent):

Hermann Nafziger (CSU): 25,9 Prozent 

Dr. Cornelia David (Freie Wähler Dynamische): 17,4 Prozent 

Philipp Pollems (FDP): 13,8 Prozent 

Christine Berchtold (SPD): 13,4 Prozent 

Judith Grimme (Bündnis 90/Die Grünen): 11,4 Prozent 

Astrid Pfeiffer (Wählergemeinschaft Planegg Martinsried): 8,4 Prozent 

Susanne Trenkle (Unabhängige Bürgermeisterin Planegg-Martinsried): 5,1 Prozent 

Angelika Lawo (grüne Gruppe 21): 4,6 Prozent

Gemeinderatswahl Planegg (Wahlbeteiligung: 58,8 Prozent):

CSU: 24,9 Prozent (6 Sitze) 

FWD: 17,9 Prozent (4 Sitze) 

SPD: 17,1 Prozent (4 Sitze) 

Bündnis 90/Die Grünen: 17,0 Prozent (4 Sitze) 

FDP: 11,9 Prozent (3 Sitze) grüne Gruppe 21: 8,1 Prozent (2 Sitze) 

Unabhängige Bürgermeisterin Planegg-Martinsried: 3,1 Prozent (1 Sitz)

Zwei Stimmen Unterschied in Gräfelfing: enger geht´s kaum

Wie vor sechs Jahren müssen sich die Gräfelfinger in der Stichwahl zwischen Uta Wüst (Interessensgemeinschaft Gartenstadt) und Peter Köstler (CSU) entscheiden. Gerade einmal zwei Stimmen lag die Amtsinhaberin im ersten Wahlgang vor dem Vize-Bürgermeister, beide bekamen 36,3 Prozent der Stimmen. 

Peter Köstler (CSU)

„Den sonst üblichen Amtsbonus kann ich da nicht erkennen“, beurteilt Köstler das Ergebnis. „Ich hätte nicht gedacht, dass der Abstand so gering sein würde“, räumt indes Wüst ein. Verunsichert geht sie aber nicht in die Stichwahl: „Vor sechs Jahren sah es fast aussichtslos für mich aus und ich bin trotzdem Bürgermeisterin geworden.“ 

Uta Wüst (IGG)

Ein weiteres Argument: Sowohl Wüsts IGG als auch die Grünen haben im Gemeinderat Sitze dazugewonnen (jetzt jeweils fünf) – die CSU bleibt bei acht. Einen „Zeitgeist für Grün“ macht Florian Ernstberger (BVGL) für sein schwaches Ergebnis (11,5 Prozent) verantwortlich. „Mein Einsatz im Wahlkampf und Gemeinderat hat keine Rolle gespielt. 

Das ist bitter.“ Ob der frühere IGGler mit seiner Fraktion, die künftig zu dritt im Gemeinderat sitzt, jetzt die Amts­inhaberin unterstützt, ließ Ernstberger aber noch offen. Anders Grünen-Spitzenkandidat Martin Feldner: Er drückt Uta Wüst die Daumen. Eine Vorgabe für seine Fraktion sei das aber nicht. Genauso sieht es seine Fraktion.

Wahlergebnisse Bürgermeisterwahl Gräfelfing (Wahlbeteiligung: 64,4 Prozent):

Uta Wüst (IGG): 36,3 Prozent 

Peter Köstler (CSU): 36,3 Prozent 

Martin Feldner (Grüne): 11,6 Prozent 

Florian Ernstberger (BVGL): 11,5 Prozent 

Anette Kitzmann-Waterloo (SPD): 4,3 Prozent

Gemeinderatswahl Gräfelfing(Wahlbeteiligung: 64,3 Prozent):

CSU: 34,4 Prozent (8 Sitze) 

IGG: 22,2 Prozent (5 Sitze) 

Grüne: 20,0 Prozent (5 Sitze) 

BVGL: 13,5 Prozent (3 Sitze) SPD: 6,6 Prozent (2 Sitze) 

FDP: 3,4 Prozent (1 Sitz)

Grüne Wende in Gauting? Knape hofft auf Rückwind

CSU gegen Grün: Das ist auch in Gauting das Thema der Stichwahl. Mit 40 Prozent der Stimmen hat Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) zwar einen satten Vorsprung vor Hans Wilhelm Knape (Grüne, 29 Prozent). 

Brigitte Kössinger (CSU)

Doch der hofft auf die Unterstützung: „Gauting war noch nie so nah dran, einen grünen Bürgermeister zu bekommen. Wenn sich die Opposition jetzt hinter mir versammelt, habe ich sehr gute Chancen.“ 

Hans Wilhelm Knape (Grüne)

Noch am Wahlabend habe er von der Gruppe „Menschen für Gauting/Piraten“ Zuspruch erhalten. Vizebürgermeister Jürgen Sklarek, der für die Liste „Miteinander Füreinander“ als Bürgermeister kandidiert hat, erklärt Jürgen Sklarek hingegen: „Wir halten uns komplett raus. Wir sind als parteifrei angetreten. Das würde konterkariert, wenn wir jetzt eine Seite wählen würden.“ 

Wahlergebnisse Bürgermeisterwahl Gauting (Wahlbeteiligung: 61,2 Prozent):

Dr. Brigitte Kössinger (CSU): 40,09 Prozent 

Hans Wilhelm Knape (Grüne): 29,16 Prozent 

Dr. Jürgen Sklarek (Miteinander Füreinander 82131): 20,28 Prozent 

Wolfgang Meiler (Bürger in Gauting): 6,12 Prozent 

Tarek Luft (Menschen für Gauting/Piraten): 4,34 Prozent

Gemeinderatswahl Gauting (Wahlbeteiligung: 61,1 Prozent):

CSU: 30,89 Prozent (9 Sitze) 

Grüne: 28,77 Prozent (8 Sitze) 

Menschen für Gauting/Piraten: 9,24 Prozent (3 Sitze) 

FDP: 9,09 Prozent (3 Sitze) 

Miteinander Füreinander 82131: 9,02 Prozent (3 Sitze) 

UBG: 7,13 Prozent (2 Sitze) SPD: 5,86 Prozent (2 Sitze)

Romy Ebert-Adeikis

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