Bezirkswahl 2018

Sylvio Bohr: "Bloß nicht spalten lassen"

Sylvio Bohr, Vorsitzender der Münchner Grünen, nach seinem Stimmkreis-Sieg.
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Sylvio Bohr, Vorsitzender der Münchner Grünen, nach seinem Stimmkreis-Sieg.

Am 14. Oktober wurde in Bayern gewählt: Sylvio Bohr, Bezirkstagskandidat für die Grünen im Stimmkreis München-Schwabing, sicherte sich die Mehrheit

Die Grünen haben nach der Auszählung der Landtagswahl nun auch nach Auszählung der Bezirkswahl Grund zu jubeln: 21,4 Prozent (2013: 11,3) und fünf Direktmandate in München – unter anderem in den Stimmkreisen 108 (Schwabing, Altstadt, Lehel, Maxvorstadt) und 104 (Schwabing-West, siehe rechts) – haben sie errungen. Direktkandidat für die Grünen im Stimmkreis 108 war der Vorsitzende der Münchner Grünen, Sylvio Bohr, der es bereits 2013 über die Liste in den Bezirk geschafft hatte. Hallo München hat mit dem 37-Jährigen über geänderte Machtverhältnisse, kommende Ziele und eine große Herausforderung gesprochen.

Herr Bohr, die Grünen haben ihre Sitze mehr als verdoppelt. Ändert sich dadurch Ihre Arbeit im Bezirk?
Die Münchner haben wirklich das Wahlsystem verstanden und gemerkt, dass beide Stimmen wichtig sind. Sie haben grün pur gewählt. Bisher waren wir teilweise nur mit einem Mitglied in den Ausschüssen vertreten, künftig sind es zwei bis drei. Da fällt es schon leichter, auch mal Mehrheiten für Anträge zu überzeugen. Gut für uns ist auch, dass unsere neuen Mitglieder sehr unterschiedliche Schwerpunkte haben. Das ist gut für die wichtigen Aufgaben im Bezirkstag. Wir sind jetzt wirklich breit aufgestellt und haben mit Sophie Harper aus Moosach und Gina Merkl aus Fürstenfeldbruck auch zwei 21-Jährige mit dabei.

Sie sprachen die Bedeutung des Bezirks an. Wie beurteilen Sie es da, dass es der FDP-Kandidat Claus Wunderlich, dessen einziges Ziel es ist, den Bezirkstag abzuschaffen, mit immerhin 10,2 Prozent ebenfalls in den Bezirkstag geschafft hat?
Ich kommentiere ungerne das Ergebnis anderer Parteien.

In diesem Fall geht es aber ja eher um die Aussage hinter dem Ergebnis.
Lassen Sie es mich so sagen: Der Bezirkstag hat sich bisher dadurch ausgezeichnet, dass wir über Parteigrenzen hinaus kollegial zusammengearbeitet haben. Da halte ich den Bezirkstags-Einzug der AfD, die sich offen gegen Inklusion und Integration ausspricht, für das größere Problem.

Schätzen Sie es als schwierig ein, die AfD-Kollegen von einem kollegialen Miteinander zu überzeugen?
Ich möchte niemanden von etwas überzeugen. Wir als demokratische Parteien müssen uns zusammen klar gegen die AfD stellen und für die gleichen Werte eintreten wie auch schon in den vergangenen Jahren. Oberstes Ziel ist nicht, die AfD zu integrieren, sondern uns nicht spalten zu lassen und konstruktiv und sachlich zu arbeiten.

Welches Ziel wollen Sie und die Grünen nun als erstes im Bezirk umsetzen?
Schon vor der Sommerpause haben wir die Ausstellung „Plötzlich gestorben – NS-Rassenhygiene 1933-45“ in den Fraktionsräumen des Bezirks beschlossen. Diese Woche ist Eröffnung. Dieses Gedenken an die Ermordeten ist mir wichtig. Und dann wird es wirklich unsere erste Aufgabe sein, auch im neuen Bezirkstag ein demokratisches und kollegiales Klima zu schaffen und für die Vielfalt Oberbayerns einzustehen. Wer mit wem koaliert ist dann auch zweitrangig.

Marco Litzlbauer

Lesen Sie hier noch einmal Sylvio Bohrs' Steckbrief unserer Hallo München Wahlausgabe.

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