Der König dankt ab

Nach 36 Jahren als Schwabinger BA-Chef hört Walter Klein auf

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Durch die Planungen am Elisabethmarkt sah sich BA-Chef Walter Klein häufig im Zentrum heftiger Auseinandersetzungen. 

Der SPDler hat in seiner Amtszeit maßgeblich zur Entwicklung Münchens beigetragen. Nun sieht er seine Zeit gekommen und möchte die Verantwortung in die Hände anderer übergeben.  

Schwabing – Helmut Schleich nennt ihn „den König von Schwabing“, im Viertel grüßen ihn die Bürger auf der Straße. „Viele kennen mich. Ob sie mich mögen, das weiß ich allerdings nicht“, schmunzelt Walter Klein. 

Seit 1981 ist der SPDler im Bezirksausschuss (BA) Schwabing-West, seit 84 hat er den Vorsitz inne. Gemeinsam mit Josef Mögele (SPD) aus Laim ist der 67-Jährige derzeit sogar der dienstälteste BA-Vorsitzende. Doch für Klein neigt sich im Frühjahr seine Ära als Lokalpolitiker dem Ende zu. „Es werden 36 Jahre, wenn ich aufhöre. Irgendwann kommt der Punkt.“ 

Seit er in den 80ern das Amt des BA-Chef antrat, hat sich Schwabing grundlegend verändert. Trambahnen waren damals etwas Neues im Viertel, fußgänger- und radfahrerfreundliche Maßnahmen im Verkehr eher Fremdwörter in der Politik. „Eine Beruhigung des Verkehrs war in der Zeit verpönt“, erinnert sich Klein zurück. „Die CSU wollte die Trambahn sogar ganz abschaffen. Da haben wir hart daran arbeiten müssen, dass es zu einem beliebten Verkehrsmittel wird.“ Wichtig sei für ihn deshalb immer gewesen, Verbesserungsvorschläge zu machen und positiv mitzudenken. 

Eine Mammutaufgabe der jüngsten Zeit war für den langjährigen BA-Chef vor allem die Planung rund um die Um- und Neugestaltung des Elisabethplatzes. Er musste einerseits die Entstehung des neuen Markts koordinieren, andererseits dabei auch viel Kritik abfangen. Den Umzug an den Interimsstandort im Frühjahr 2020 wird er noch als Oberhaupt des BAs mitbekommen, den neuen Elisabethmarkt dann nur noch als Bewohner des Viertels. 

Seit seinem 23. Lebensjahr ist der gebürtige Münchner auch Schwabinger. Nach dem Abitur am Theresien-Gymnasium begann er Deutsch, Geschichte, Sozialkunde und Philosophie zu studieren. „Die längste Zeit hab ich dann als Deutschlehrer gearbeitet, für sieben Jahre war ich allerdings auch Vertriebschef in einem Softwarehaus“, erzählt der 67-Jährige. Nebenher engagierte er sich stets für seine Stadt: zuerst beim Münchner Forum, später dann im BA. 

Zur Wahl im Frühjahr gibt Klein seinen Posten nun ab. Für ihn ist das genau der richtige Zeitpunkt – auch gesundheitlich. Klein: „Ich hab vor drei Jahren einen Herzinfarkt gehabt, das hätte böse ausgehen können.“ Die neu gewonnene Freizeit weiß er außerdem gut zu nutzen: „Meine kleine Enkelin ist jetzt ein dreiviertel Jahr alt. Mit ihr will ich auch noch ein bisschen Zeit verbringen.“

Und für seinen Nachfolger hat er außerdem noch ein paar Ratschläge parat: „Oft ist es besser, erst zu überlegen, bevor man gleich antwortet und dann etwas Wichtiges nicht bedenkt. Außerdem ist es wichtig, dass sich alle gehört und vor allem ernst genommen fühlen.“ 

Kassandra Fischer

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