Weg mit den Autos, her mit den Öffentlichen zum Null-Tarif

„Die konsequenteren Grünen“ – Stephanie Dilba, die OB-Kandidatin von mut

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Stephanie Dilba, OB-Kandidatin von mut.

Warum die OB-Kandidatin beim Bau der Zweiten Stammstrecke ein zweites „Stuttgart 21“ befürchtet und wie sie zum Volksbegehren zum Mietenstopp steht, lesen Sie im  Interview.

München – Sie dürfte vor allem 60er-Fans bereits bekannt sein: Stephanie Dilba (43) ist Ehrenrätin bei 1860 und engagiert sich bei „Löwenfans gegen Rechts“. Mit der Partei mut möchte die Pädagogin jetzt als Oberbürgermeisterin ins Rathaus einziehen. Wenn es nach der Giesingerin geht, müssen die Münchner weg von einem „gewissen Egoismus“ – und damit auch weg von den Autos. „Wir wollen die Menschen davon überzeugen, dass eine autofreie Innenstadt für alle sinnvoll ist.“ Dafür müsse der öffentliche Nahverkehr ausgebaut und attraktiver gemacht werden. Dazu gehöre auch, diesen kostenlos anzubieten. 

Von der Beschränkung des Wachstums in München hält Dilba nichts: „Sollen wir eine Mauer um die Stadt ziehen?“ Stattdessen plädiert sie dafür, Gebäude aufzustocken, Flächen, die aktuell den Autos gehören, zu begrünen. 

Gegründet hat die mut-Partei die Landtagsabgeordnete Claudia Stamm, die sich mit ihrer Partei – den Grünen – zerwarf. Dennoch gibt es laut Dilba einen klaren Unterschied zwischen der Nachwuchs-Partei und ihrer großen Schwester: „Die Grünen haben angefangen, ihr Profil und ihre Ziele aus den Augen zu verlieren. Wir sind da konsequenter.“ 

Frau Dilba, wo muss München mut-iger werden?
Es gibt viele Themen, die angegriffen werden müssen. Was uns aber am wichtigsten ist, auch mit dem Begriff mut verbunden: Wir möchten, dass es allen Münchnern gut geht. Die sozial Benachteiligten müssen stärker eingebunden werden. Ein anderer Punkt ist sicherlich auch der Verkehr. Auch da gehen wir mutig voran, wenn wir ganz offensiv eine autofreie Stadt fordern. Und dafür auch bereit sind, konsequent Lösungen zu finden, die den motorisierten Individualverkehr in der ganzen Stadt eindämmen.

Dafür fordern Sie unter anderem mehr Busse. Reichen die, um die stetig wachsende Bevölkerung von A nach B zu bringen?
Dadurch, dass wir die Autos aus der Stadt holen, entsteht mehr Platz. Der Raum kann dann für Busse, Trambahnen, Radfahrer und Fußgänger genutzt werden. Wir sind davon überzeugt, dass der Verkehr so möglich wäre. In München sind über 700 000 Autos zugelassen. Die meisten stehen eigentlich den ganzen Tag nur rum, im Durchschnitt wird ein Privatauto weniger als eine Stunde pro Tag bewegt. Es wird unheimlich viel Fläche durch parkende Autos eingenommen. Der zweite Punkt ist, dass ich, wenn ich zum Beispiel mit der S-Bahn vom Giesinger Bahnhof nach Freising fahren will, aktuell immer durch die Innenstadt fahren muss.

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Brauchen wir deshalb einen S-Bahn-Außenring?
Ja, da ist natürlich darüber nachzudenken, sodass nicht alles zwangsweise über den Stachus oder den Marienplatz laufen muss.

Sie sind also auch kein Fan von der Zweiten Stammstrecke?
Meiner Meinung nach brauchen wir die Zweite Stammstrecke einfach nicht, wenn wir alternative Möglichkeiten finden. Die Kosten sind da natürlich ein Punkt. Das größte Problem ist allerdings, dass das Bauvorhaben noch nicht konsequent bis zum Ende durchgedacht wurde. Es läuft so meines Erachtens nach Gefahr, ein zweiter Flughafen Berlin oder Stuttgart 21 zu werden.

Sind die Münchner schon so weit, dass man ihnen ihre Parkplätze streichen kann?
Das ist ein Problem, welches aber hauptsächlich in den Köpfen der Autofahrer besteht. Das Auto ist des Menschen heilige Kuh, gerade in Deutschland. Es muss natürlich mit einem Wandel einhergehen. Wir wollen die Menschen davon überzeugen, dass eine autofreie Innenstadt für alle sinnvoll ist, auch für die Menschen, die ein Auto besitzen. Das geht aber nur, wenn wir den öffentlichen Nahverkehr ausbauen, ihn attraktiver machen – auch kostentechnisch.

Das heißt: günstiger oder kostenlos?
Wir wünschen uns, dass er zum Null-Tarif angeboten wird. Natürlich müssen wir aber auch von einem gewissen Egoismus weg. Diese Argumentation, dass ich mein Auto nutzen will, wann ich will, und ich mir die Freiheit nicht nehmen lassen möchte. Wir wollen die Menschen zum Nachdenken bringen und aufklären, was ihre Entscheidung für die Umwelt, für sie selbst und für kommende Generationen bedeutet.

Wie entgegnen Sie dem Mietenwahn?
Da muss natürlich sehr viel aufgeholt werden. Wir müssen Wohnungen bauen – und zwar Wohnungen, die sich die Menschen leisten können. Dafür muss die Stadt alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel nutzen. Ein erster Schritt ist das Volksbegehren zum Mietenstopp. Das ist ein ganz wichtiger Weg, die Mieten erst einmal einzubremsen.

Ist ein solcher Eingriff in den freien Markt nicht trotzdem bedenklich?
Na gut, aber da müssen wir uns fragen, was uns wichtig ist. Wollen wir, dass wenige Menschen und Unternehmen noch mehr verdienen? Oder sind uns die Leute wichtig, die unter dem Mietenwahn leiden und wegziehen müssen – die Menschen, die wichtige Arbeiten in der Stadt verrichten, wie Kinderbetreuer oder Pflegekräfte, auf die wir nicht verzichten können – und auch nicht wollen.

Einige Parteien fordern, dass das Wachstum in München beschränkt werden muss. Was entgegnen Sie dem?
Sollen keine Menschen mehr nach München ziehen? Sollen wir eine Mauer um die Stadt ziehen? München hat immer davon gelebt, dass Menschen kommen und gehen. Das ist ein organischer Prozess, der ganz logisch ist. Die Frage dabei ist auch: Wer ist benachteiligt, wenn wir einen Wachstumsstopp einführen und wer profitiert davon? Ich meine, wir sind nicht mehr im Mittelalter und verteilen Wohn- und Gewerbegenehmigungen nur an Auserwählte. Das ist Quatsch. Nachverdichtung heißt nicht, dass wir weitere Flächen versiegeln und alle Grünflächen zubauen. Es gibt unheimlich viele Möglichkeiten, wie beispielsweie Gebäude aufzustocken.

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Es wird auch gefordert, weniger Büros in München zu errichten und diese stattdessen anderweitig anzusiedeln. Die umliegenden Gemeinden ziehen da aber nicht mit.
Die Gemeinden profitieren von München. Viele haben ihre Arbeitsplätze hier. Sie nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel, die Einkaufsmöglichkeiten. Da muss man auch an die Solidarität und das Gemeinsame appellieren.

2017 wurde mut von der Landtagsabgeordneten Claudia Stamm gegründet, die sich mit ihrer Partei – den Grünen – zerwarf. Was unterscheidet Sie von den Grünen?
Die Grünen haben angefangen, ihr Profil und ihre Ziele aus politischen Kompromissen heraus aus den Augen zu verlieren. Wir, als kleine Partei, sind da konsequenter.

Auf Ihrer Liste sind auch einige bekannte Münchner Namen zu lesen: Michi Kern, Christiane Blumhoff-Pearce, Ecco Meineke.
Wir haben eine sehr bunt gemischte Liste mit Menschen mit unterschiedlichem Background. Aber ja, es sind auch einige drauf, die man kennen kann.

Wie läuft es bisher mit den 1000 Unterstützer-Unterschriften, damit Sie überhaupt zur Wahl antreten dürfen?
Wir brauchen noch dringend Unterschriften. Die Konkurrenz ist groß und aufgrund von Weihnachten und Neujahr ist es eher schleppend angelaufen.

Eine letzte Frage noch, Frau Dilba: Wenn Sie OB werden... trifft man Sie dann immer noch im Grünwalder Stadion?
Natürlich, ich muss ja nur den Berg raufgehen und dann bin ich schon im Stadion (lacht).

Sophia Oberhuber

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