Nach 17 Jahren Lokalpolitik

Servus, Luxus-Lehel! – BA-Chef Wolfgang Neumer gibt zur Wahl seinen Posten ab

Für Wolfgang Neumer ist der Isartorplatz „ein Kind der 70er“, der im Motto einer autogerechten Innenstadt entstanden sei. Schön fände er, wenn man die Aufenthaltsqualität verbessert.
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Für Wolfgang Neumer ist der Isartorplatz „ein Kind der 70er“, der im Motto einer autogerechten Innenstadt entstanden sei. Schön fände er, wenn man die Aufenthaltsqualität verbessert.

In den 17 Jahren, die Wolfgang Neumer in der Lokalpolitik verbrachte, hat sich viel in seinem Viertel getan. Was es für Veränderungen gab und warum der BA-Chef aufhört...

Altstadt/Lehel – Karlsplatz, Marienplatz oder Viktualienmarkt – in der Altstadt finden sich Münchens berühmteste Orte. Das angrenzende Lehel hingegen ist ein ruhiges Wohnviertel. „Die zwei Stadtviertel sind total unterschiedlich und kaum miteinander zu vergleichen“, sagt Wolfgang Neumer (60, CSU), der München vor 30 Jahren zu seiner Wahlheimat gemacht hat. 

Seit 2003 engagiert sich der Justizbeamte im Bezirksausschuss. Bei der Wahl im Jahr 2014 wurde die CSU stärkste Fraktion und Neumer löste den SPDler Wolfgang Püschel als langjährigen Vorsitzenden ab. Im Gegensatz zu Püschel, der bei der Wahl am 15. März erneut antritt, verabschiedet sich Neumer im Frühjahr von der Lokalpolitik. „Ich bin jetzt seit 17 Jahren dabei und auch gesundheitlich angeschlagen“, erklärt er diese Entscheidung. 

Zum Ende seiner BA-Zeit erinnert er sich an seine Anfangszeit im Lehel zurück: „Es gab damals viele Gebäude, die Firmen wie der LBK oder der Bayerischen Vereinsbank gehörten – dort wohnten die Angestellten der Banken. Diese Wohnungen sind alle verschwunden. Die großen Banken haben sie verkauft und sie wurden in Luxuswohnungen umgewandelt.“ Hierin sehe man ganz klar „die Umstrukturierung des Milieus und dass sich einfache Leute mit mittlerem Einkommen das Lehel nicht mehr leisten können“. 

Die Folge: „Das Lehel wird ein reines Luxusviertel.“ Aktuellen Verkehrsentwicklungen steht er kritisch gegenüber. „Ein willkürlicher Abbau von Parkplätzen macht den Parkplatzsuchverkehr im Viertel sehr präsent.“ Neumer ist außerdem Kritiker der autofreien Innenstadt. Doch wie viel er davon tatsächlich noch mitbekommt, bleibt offen. In einem Jahr gehe er nämlich in Alters­teilzeit. Ob er dann für immer im Lehel bleibt, weiß er de noch nicht. 

Auch wenn ihm der Abschied nach 30 Jahren schwer fallen wird, erwägt er nach Thailand zu gehen. „Meine Frau kommt von dort“, erklärt Neumer und schmunzelt: „Außerdem ist es da schön warm, das tut mir ganz gut.“

Kassandra Fischer

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