Neue grüne Dominanz

München hat gewählt: Das sind die Ergebnisse der BA-Wahlen für die einzelnen Stadtbezirke 

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Englischer Garten mit Münchener Skyline

Wie die einzelnen Bezirke in München gewählt haben und was sich in den Viertel-Gremien nun ändert, erfahren Sie hier...

  • Alle Ergebnisse zu den einzelnenMünchner Bezirken gibt es hier
  • Welche Parteien Gewinner und welche Verlierer in den Bezirken sind
  • Neue grüne Dominanz zeigt in vielen Stadtbezirken in München

Die Kommunalwahl 2020 ist ein grünes Frühlingsmärchen. In 15 der 25 Stadtbezirke bekamen die Grünen die Mehrheit der Stimmen, dürfen sich in allen Bezirksausschüssen über Zuwachs freuen. Knapp an der absoluten Mehrheit im BA vorbeigeschrammt, ist die Partei in der Maxvorstadt. 

Spitzenkandidatin Svenja Jarchow-Pongratz ist begeistert: „Es ist eine große Chance auf eine grüne Viertelpolitik.“ Und die 39-Jährige unterstreicht ihre Ambition den bisherigen BA-Chef Christian Krimpmann (CSU) abzulösen. 

Spitzenkandidatin Svenja Jarchow-Pongratz

„Der Wille der Wähler war sehr deutlich, das sollte sich auch im Vorsitz widerspiegeln.“ Allerdings hoffe sie auf eine Gesamtlösung. „Wir werden mit allen Fraktionen sprechen – außer der AfD.“ 

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Maxvorstadt

Den stadtweit größten Erfolg verzeichneten die Grünen in der Maxvorstadt. 48,2 Prozent der Wähler stimmten für sie. Die Partei erhält 12 der 25 Sitze. CSU (20,2) und SPD (19,3) verfügen nur noch über je fünf Sitze, FDP, FW/ÖDP und AfD besitzen je ein Mandat. 

Für die Spitzenkandidatin der Sozialdemokraten, Katharina Blepp, ein enttäuschendes Ergebnis: „Es ist schade, da wir in den letzten sechs Jahren gute fachliche Arbeit geleistet haben.“

Au-Haidhausen

Für die SPD im BA 5 eine herbe Niederlage – sie hat vier von neun Sitzen verloren. Möglicherweise an die Linke, wie SPD-Vorsitzende Nina Reitz vermutet. Diese ist künftig mit zwei Mandaten vertreten, Gewinner sind die Grünen mit 13. FW und FDP haben je einen Platz. Die CSU verliert zwei von sieben.

Kantersieg in der Arbeiterhochburg Schwanthalerhöhe

Ein gutes Ergebnis ihrer Grünen hatte BA-Chefin Sybille Stöhr an der Schwanthalerhöhe erwartet. „Aber dass wir 45,9 Prozent holen – damit habe ich nicht gerechnet.“ Schließlich gilt das Viertel als Arbeiterhochburg, bislang stellte die SPD im BA 8 die meisten Sitze. 

Künftig werden nur noch drei Sozialdemokraten im Gremium sein – die Partei ist von 39,8 auf nur 19,5 Prozent gerauscht. „Das ist mehr als herb“, sagt Fraktionssprecher Wilhelm Mundigl. „Zumal wir nicht wissen, was wir eigentlich falsch gemacht haben.“ 

Er glaubt: Vor allem im östlichen Teil des Viertels ist die Bevölkerung inzwischen jünger und setzt darum andere Schwerpunkte. Aber es gibt noch einen Faktor: Erstmals haben auch die Linken für den BA 8 kandidiert – und aus dem Stand 10,7 Prozent geholt. Sie werden künftig mit zwei Sitzen im Viertelgremium vertreten sein, die Grünen haben jetzt acht Sitze.

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Moosach und Milbertshofen

Das rote Dach vom Pelkovenschlössl kann symbolisch für die BA-Kommunalwahl in Moosach betrachtet werden. Die SPD bleibt stärkste Kraft – jedoch nur knapp. Insgesamt 29,2 Prozent der Stimmen sammelten die Sozialdemokraten, liegen damit vor CSU (28,0) und Grünen (26,6). 

Das rote Dach vom Pelkovenschlössl kann symbolisch für die BA-Kommunalwahl in Moosach betrachtet werden.

Für die Sitze im BA bringt das jedoch keinen Vorteil: Alle drei Parteien bekommen je sieben Mandate im Gremium. Besonders dabei: Die Grünen schafften die sieben Sitze quasi aus dem Stand, hatten zuletzt keinen Vertreter im Gremium. 

Auch in Milbertshofen-Am Hart konnte sich die SPD erneut durchsetzen, hier war das Rennen sogar noch enger: Nur 0,1 Prozentpunkte trennen sie von der zweitstärksten Partei, den Grünen (28,2 zu 28,1). Diese machen hier aber den Unterschied: Während die Grünen sich über neun Sitze freuen dürfen, erhält die SPD dafür zehn.

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Schwabing-West

Als großer Verlierer steht die SPD da. Gleich fünf ihrer zuletzt elf Mandate gehen verloren. Auch die CSU muss zwei Sitze abgeben, steht nun ebenfalls bei sechs. Damit haben beide Parteien zusammen so viele Mandate wie die Grünen (12). FDP und Linke haben je zwei, FW/ÖDP einen Sitz.

Schwabing-Freimann

Stärkste Kraft im BA sind künftig die Grünen. Insgesamt 37,6 Prozent der Wähler stimmten für die Partei, was deren Sitzzahl mehr als verdoppelt (13). Verluste erlitten SPD (22,9; 8 statt 11 Sitzen) und CSU (24,9; 8 statt 10 Sitzen). Die FDP konnte ihre zwei Mandate halten, FW verloren einen Sitz. Auch die AfD stellt nun einen Vertreter.

Altstadt-Lehel

Münchens kleinster BA besteht fortan zu über einem Drittel aus Grünen (sechs von 15 Sitzen), die damit einen Gewinn von zwei Sitzen verzeichnen. Je einen verloren CSU (vier Mandate), SPD (drei) und FDP (einen). Ebenfalls über einen Sitz darf sich künftig die gemeinsame Liste von ÖDP und FW freuen.

Hadern

Der Haderner BA bleibt in CSU-Hand (36,4 Prozent, acht Sitze). Dennoch hat die Union so drei Mandate weniger. Zweitstärkste Kraft sind die Grünen (30,1), die nun sieben Sitze innehaben. Auch die SPD (21,7) verlor zwei Mandate, steht nun bei fünf. Die FDP hat erneut einen Sitz inne, FW/ÖDP stellen zwei Mitglieder.

Aubing

Die CSU verliert zehn Prozent, bleibt aber stärkste Fraktion (37,9 Prozent, neun Sitze). Gewinner sind die Grünen, die zwei Sitze dazugewannen und künftig sechs Mitglieder stellen, sowie FW/ÖDP, die aus dem Stand auf 11,1 Prozent und drei Sitze kommen. FDP stellt weiterhin ein Mitglied. Verlierer ist die SPD, die von sechs auf vier Mitglieder schrumpft. 

Pasing

Die SPD verliert zwar deutlich, ist aber bei der Wahl des BA-Chefs mit ihren sechs Mitgliedern das Zünglein an Waage. Ambitionen auf dem Posten haben Romanus Scholz von den Grünen, die 16 Prozent dazugewinnen und mit 11 Mitglieder stärkste Fraktion sind, und Frieder Vogelsgesang von der CSU, die künftig 10 Abgeordnete stellt. FW/ÖDP bleiben bei zwei Sitzen, AfD und FDP erhalten je einen Sitz. 

Feldmoching

Stärkste Kraft im BA bleibt weiterhin die CSU (32,4 Prozent), auch wenn diese nun nur noch über acht Sitze verfügt. Die Grünen (21,4) konnten ihre Mandate auf sechs erhöhen, stehen damit sogar vor der SPD (21,1; 5 Sitze). Erstmals dabei mit drei Sitzen ist die München-Liste. FW/ÖDP und AfD erhalten zwei, FDP einen Sitz.

Bogenhausen

Wahl-Verlierer sind auch im 13. Bezirk CSU und SPD, die drei beziehungsweise vier Sitze einbüßen.Trotzdem hat die CSU mit zwölf Sitzen den höchsten Anteil, dicht gefolgt von den Gewinner-Grünen mit elf Plätzen (fünf mehr). Der SPD bleiben sechs, FDP und DaCG/ÖPD je zwei, neu dabei mit je einem Sitz sind Linke und FW.

Isarvorstadt-Ludwigsvorstadt

Elf Sitze (plus zwei) und 45,5 Prozent der Wählerstimmen bedeuten weiterhin grüne Dominanz im BA. Sowohl CSU als auch SPD sind von sechs auf vier Mandate gefallen. Auch die Rosa Liste verlor einen ihrer drei Sitze. Damit hat die Partei so viele wie FDP (plus eins) und die neu im BA vertretene Linke (plus zwei).

Allach-Untermenzing

Die CSU hat im BA 23 ihre absolute Mehrheit verloren (minus 15,5 auf 38,1 Prozent) und hat nun sechs der 17 Sitze. Gewinner sind die Grünen (um 12,4 auf 28,3 Prozent). Sie stellen mit fünf Sitzen vor der SPD (drei) die zweitgrößte Fraktion. Neu im BA: FW und AfD (je ein Sitz). Die FDP behält einen Sitz.

Thalkirchen & Co.

Im BA Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln können die Grünen ihre Sitzplatzzahl von sieben auf zwölf erhöhen. Mit 32 Prozent liegen sie somit knapp vor der CSU (30,6; elf Sitze), die vier Mandate abgeben musste. Die SPD (21,2; acht Sitze) verlor fünf Sitze. Je zwei Vertreter stellen FDP, FW/ÖDP und AfD.

Sendling-Westpark

Zweistellig vertreten sind fortan die Grünen (zehn Sitze). 35,5 Prozent der Stimmen bedeuteten ein Plus von vier Mandaten. SPD (von neun auf sechs Sitze) und CSU (von neun auf sieben) erlitten Verluste. Die FDP konnte ihren Sitz halten. Neu dabei sind FW/ÖDP mit zwei Mandaten und die Linke mit einem Vertreter.

Sendling: Grüne sind stärkste Kraft

Die Grünen verdrängen die SPD als stärkste Kraft in Sendling: Neun der 21 Sitze im BA gehen an die Grünen, die insgesamt knapp 45 Prozent erreicht hatten. 

Ob die Grünen-Spitzenkandidatin Elisabeth Robles-Salgado künftig auch den Posten des BA-Vorsitzenden bekleiden möchte, dazu „kann und will“ Robles-Salgado noch nichts sagen. „An oberster Stelle steht für uns, ökologische und soziale Politik zu machen. Es gibt einige in der SPD, mit denen das wunderbar möglich ist.“ 

Die SPD büßte 14,3 Prozent ein und liegt damit nur noch bei 26,5 Prozent. Damit gehen sechs Sitze an die Sozialdemokraten. „Das Ergebnis liegt nicht an unserer Arbeit vor Ort. Wir sind immer noch vier Prozent über dem Münchner Durchschnitt“, so BA-Chef Markus Lutz (SPD) zum Ergebnis. 

BA-Chef Markus Lutz (SPD)

Auch die CSU verlor: Von 27 Prozent fiel sie auf 17,7 Prozent, holte nur vier Mandate. Die FDP besetzt weiterhin einen Sitz. Den Neueinzug schafften die FW/ÖDP mit 6,7 Prozent (1 Sitz). 

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Neuhausen

39,2 Prozent der Stimmen und 16 Sitze im BA Neuhausen-Nymphenburg: Die Grünen stellen dort künftig die stärkste Fraktion vor der CSU (22,7 Prozent, neun Sitze) und der SPD (21 Prozent, acht). 

Die Diskussion über einen längeren Tunnel für die Landshuter Allee könnte den neuen BA deutlicher als bisher spalten.

Letztere hat im Viertel mit 12,8 Prozent am stärksten verloren, gefolgt von der CSU mit minus 7,8 Prozent. Insgesamt belegen acht Parteien die 41 BA-Sitze. Erstmals dabei: die Linke (zwei Sitze) und die AfD (einen). „Das wird ein bunt gemischtes Gremium“, sagt Anna Hanusch, grüne Spitzenkandidatin und Noch-BA-Chefin. 

Erste Gespräche über „inhaltliche Gemeinsamkeiten“ mit anderen Fraktionen fänden im April statt. Besonders bei Verkehrsthemen zeichnen sich die größten Unterschiede ab.

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Laim

Im Bezirksausschuss Laim werden künftig fünf Parteien vertreten sein. Die großen Gewinner sind auch hier die Grünen: 39,6 Prozent der Wählerstimmen und somit zehn der insgesamt 25 Mandate gingen an sie. Damit darf sich die Partei über vier zusätzliche Sitze im Vergleich zur Vorperiode freuen. Verluste ihrer zuvor bei je neun gelegenen Mandatszahl mussten hingegen SPD (26,2; sieben Sitze) und CSU (25,1; sechs Sitze) hinnehmen. Die Sozialdemokraten sind damit fortan nur noch zweit-, die Union drittstärkste Kraft im Gremium. Die FDP behält ihr eines Mandat auch in der neuen Periode. Neu dabei ist die AfD mit ebenfalls einem Vertreter.

Giesing

Grüne Gewinner gibt es auch in Obergiesing-Fasangarten: das Bündnis 90/Die Grünen haben 45 Prozent ergattert. Das heißt von den 25 Sitzen im BA belegen sie künftig elf – fünf mehr als bisher. Der AfD, die nur drei Kandidaten stellte, ist ein Einzug ins Gremium gelungen – mit einem Sitz. „Sehr traurig“, findet das die amtierende BA-Chefin Carmen Dullinger-Oßwald (Grüne). 

„Wir müssen herausfinden, was die Leute so enttäuscht hat.“ Zu den Wahl-Verlierern zählen SPD, die statt neun Sitzen künftig nur sechs belegt, sowie die CSU, die fünf statt sieben belegt. Ein Mandat bleibt den Freien Wählern (bislang: zwei) und eines der FDP. 

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Untergiesing-Harlaching: Babor überholt BA-Chef 

Die großen Volksparteien, CSU und SPD, haben auch im Bezirksausschuss Untergiesing-Harlaching große Einbußen von mehr als zehn Prozent erlitten. Der CSU bleiben sechs von neun Plätze, Clemens Baumgärtner, jetziger BA-Chef sowie Wirtschaftsreferent der Stadt, verliert mit der Wahl seinen Spitzenplatz. Andreas Babor, der auf dem zweiten Platz und zudem für den Stadtrat kandidierte, holte etwa 400 Stimmen mehr ein als Baumgärtner. Ebenfalls drei Sitze muss die SPD abtreten, ihr bleiben noch fünf. Wahlsieger auch hier die Grünen, die vier Mandate dazu gewinnen und insgesamt zehn ergattern. Bisherige stellvertretende BA-Vorsitzende Melly Kieweg und zweiter Vize Günther Görlich, die per Wahlgemeinschaft antraten, bleiben im BA, wie auch die FDP mit einem Platz. Neu ist die AfD mit ebenfalls einem Mandat.

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