OB-Kandidat: Hans-Peter Mehling (Freie Wähler)

OB-Kandidat der Freien Wähler: "Mehr Bürgerzentren für die Stadt"

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Hans-Peter Mehling, OB-Kandidat der Freien Wähler, will „offene Wunde“ Nahverkehr verarzten

„Ich glaube, München war immer München, es hat sich halt verändert“. Auf diese Veränderungen möchte der Kandidat der Freien Wähler ab März vom Rathaus aus eingehen – als neuer OB.  Hier gehts zum großen Hallo-Interview...

München – Fragt man Hans-Peter Mehling, warum er sich politisch engagiert, antwortet er energisch: „Wenn ich was ändern will, muss ich auch was tun – nur den Mund aufzumachen reicht nicht.“ Dabei verfällt der 61-Jährige aus dem Fasangarten immer wieder ins Bairische. Für die Freien Wähler tritt der Logistiker als OB-Kandidat an – und findet, dass Veränderung zu einer Stadt eben dazu gehört.

Herr Mehling, Sie haben einmal gesagt, dass Sie München als „lebens- und liebenswerte“ Stadt erhalten möchten. Was bedeutet das für Sie genau? 

Die Kombination aus Großstadt, aber doch keine Großstadt. Aus Dorf, aber doch kein Dorf. Das hat einen unglaublichen Charme.

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Hans-Peter Mehling: „Ich möchte die Bürger wieder selber aktivieren“

Wie lässt sich der Großstadtflair mit dem dörflichen Charakter vereinbaren? 

Ich glaube, dass wir wieder mehr miteinander machen müssen – auch in der Stadt. Deshalb sehe ich eine große Chance darin, dass wir von der Zentralisierung zur Dezentralisierung gehen. In den Bezirken weiter draußen ist das Leben schmalspuriger geworden. Was schon damit zusammenhängt, dass ich, um Verwaltungsdinge zu erledigen, in der Regel zentral immer wohin muss.

Braucht es also zum Beispiel mehr Bürgerbüros? 

Langfristig betrachtet hätte ich gerne etwa ein Bürgerzentrum pro zwei Stadtbezirke. An zentraler Stelle, an der die Service-Bereiche der Stadt, ein Ärztehaus mit Apotheke, Einzelversorger sind. Und ich packe etwas Soziales mit dran – in Richtung Bürgergenossenschaften. Ich möchte die Bürger wieder selber aktivieren, und sie dann dadurch öffentlich unterstützen, dass ich ihnen zum Beispiel ein Büro zur Verfügung stelle, oder eine Liegenschaft, wo sich Leute treffen können.

Hans-Peter Mehling: Unsere Vision für 2040 ist, dass wir in der Breite der Politik Gas geben. Eine Kommune München kann da nur mitarbeiten.

Sozusagen wie ein „München-Haus“? 

Ja, so im Kleinen. Dann bildet sich da ein kleines Zentrum, 13 mal in München. Deshalb geht ja die Stadt nicht verloren. Man kriegt damit aber mehr Mikrokosmos in den Bezirk.

Ihre Vision für 2040 wäre eine Metropolregion München.

Ich sehe im Moment das Problem, dass wir einen Großteil der Arbeitsplätze in München haben. Wenn ich in der Fläche die Digitalisierung nicht hinkriege, mein 5G nicht hinkriege, dann kann ich die Firmen noch so sehr locken, dass sie rausziehen. Sie können es gar nicht, weil sie wirtschaftlich nicht überleben würden. Unsere Vision für 2040 ist, dass wir in der Breite der Politik Gas geben. Eine Kommune München kann da nur mitarbeiten.

Hans-Peter Mehling: Es ist sehr limitiert, was wir noch an Fläche haben.“

Die Kommune kann aber zumindest mehr Wohnraum schaffen. 

Es ist sehr limitiert, was wir noch an Fläche haben. Stadtbaurätin Merk hat 2018 gesagt, dass wir noch Platz haben, um 67 000 Wohnungen zu bauen. Das war aber zu einem Zeitpunkt, wo wir schon wussten, dass wir einen Fehlbestand von 85 000 Wohnungen haben. Zwischenzeitlich gab es natürlich noch weiteren Zuzug. Die Lücke klafft auseinander.

Müssen wir in die Höhe bauen? 

Aufstocken wäre eine der Ideen. Bevor ich alles, was ich noch an Acker und Grünflächen habe, versiegle und damit mein Stadtklima kaputt mache. Und wenn wir über Hochhäuser reden: Die Hochhäuser, die in München gebaut worden sind, das sind Bürogebäude. Ein Bürogebäude schafft Arbeitsplätze. Arbeitskräfte wollen Wohnraum. Also läuft das genau in die falsche Richtung.

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Hans-Peter Mehling: „Manche Dinge kann man umsetzen, aber die Zielrichtung muss deutlich darüber hinaus liegen.“

Also brauchen wir weniger Büros, weniger Konzerne? 

Wir brauchen erst einmal eine Phase der Konsolidierung in München. Weil Arbeitsplätze auch viel schneller geschaffen sind als Wohngebäude. Um diese Schere einzubremsen, muss ich mir genau überlegen, wo ich Bürogebäude genehmige, wo ich Gewerbeflächen ausweise. Ich spreche nicht vom Kleingewerbe und vom Handwerk. Aber wenn sich ein Unternehmen neu ansiedelt – ich sage jetzt mal in einer Größenordnung ab 300 Arbeitsplätzen – dann muss die Verbindung heißen, dass es zu den Arbeitsplätzen Wohnraum schafft.

Wie sieht es beim kommunalen Wohnungsbau aus? 

Den müssen wir weiter anschieben. Den sozialen Wohnungsbau, als Gewofag und GWG, muss man auch dazu anhalten im Rahmen der Möglichkeiten, die sie haben, Wohnraum herzustellen. Und das darf durchaus auch in einer standardisiert einfacheren Variante sein, wie zum Beispiel der Ständerbau am Dante-Bad. Die Baukosten sind dadurch niedriger und man kann auch günstiger vermieten. Ich denke aber, dass das in einer Wahlperiode nur begonnen werden kann. Manche Dinge kann man umsetzen, aber die Zielrichtung muss deutlich darüber hinaus liegen.

Hans-Peter Mehling: „Ja, mein Ziel wäre sehr wohl, den Mobilitätswandel hinzubekommen.“

Parteiübergreifend? 

Ja, absolut. Und da kann und darf es keine Rolle spielen, von welcher Partei der Vorschlag kam. Wenn der Vorschlag in die richtige Richtung geht und wir ein gemeinsames Ziel verfolgen, dann müssen wir ihn halt auch einfach einmal gemeinsam umsetzen. Dann hat der Andere halt auch einmal eine gute Idee gehabt...

Gab es beim Thema Verkehr zu wenig gute Ideen? 

Ja, mein Ziel wäre sehr wohl, den Mobilitätswandel hinzubekommen. Man muss vom motorisierten Individualverkehr weg und mehr in den öffentlichen Nahverkehr reinkommen. Das Fahrrad wird es nicht richten, leistet aber eine Unterstützung. Die Hauptsünde der Vergangenheit war, dem Gott der Zweiten Stammstrecke alles andere unterzuordnen. Man hat alles andere ausgebremst und zwar über 20 Jahre. Das ist natürlich fatal. Unser öffentlicher Nahverkehr ist eine offene Wunde, ein echtes Problem.

Wo hakt es? 

Ich muss die Zuverlässigkeit erhöhen. Man muss „Park and Ride“-Möglichkeiten an der S-Bahn schaffen, die Taktung erhöhen, die öffentlichen Verkehrsmittel für alle kostengünstiger machen. Das 365-Euro-Ticket, das muss für alle gelten. Unverzüglich, parallel zur Zweiten Stammstrecke, müssen die existenten Streckenführungen des S-Bahn-Süd- und -Nordrings in Betrieb genommen, ausgebaut und zu einem geschlossenen S-Bahnring vollendet werden. 

Sophia Oberhuber

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