Ganz München sieht grün

Landtagswahl 2018: Wie es in der Stadt nun weitergehen soll

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Grüner als am irischen St.-Patricks-Day: Die Muffathalle erstrahlte in der Farbe der Wahlsieger.

München – Am 14. Oktober war es soweit: Landtags- und Bezirkstagswahl in Bayern – mit überraschenden Ergebnissen – Hallo fasst zusammen, wie es jetzt in der Stadt weitergehen soll

Nein, kein Konzert, sondern eine Wahlparty hat da in der Muffathalle stattgefunden. Die Grünen haben das Motto „Wahlparty“ wörtlich genommen – und hatten vor allem in der Isarmetropole auch allen Grund dazu. Gleich fünf Stimmkreise konnten sie bei der Landtagswahl für sich entscheiden, waren – nur auf München bezogen – mit 30,3 Prozent sogar die stärkste Partei. Vor der CSU mit 25,2 und der SPD mit 13,6 Prozent. Letztere „feierte“ die Wahl passenderweise im Schlachthof. Die AfD erreichte in München 6,2 Prozent, die FDP 8,6 Prozent, die Freien Wähler 6,1 Prozent.

Zahlen, die vor allem die München regierende große Koalition aus CSU und SPD erschüttern. OB Dieter Reiter wollte noch kein Fazit ziehen, Bürgermeister Josef Schmid (CSU), hat – zumindest für die Schlappe der SPD – eine Erklärung. „Ich wundere mich seit Monaten, dass sich die SPD nur mit der CSU beschäftigt. Sie muss sich endlich auch im Rathaus mit den Grünen auf kämpferische Weise auseinandersetzen“, erklärt er im Hallo-Gespräch. Denn an sie hätten die Sozialdemokraten in München 86 000 Stimmen verloren, an die CSU dagegen keine einzige. Schmid selbst wird jetzt das Rathaus für den Landtag verlassen. Wer aus der Stadtrats-CSU seinen Bürgermeistersessel füllen soll, will die Partei bei einer Klausur am 5. November entscheiden.

Die fleißigsten Münchner Wähler kommen indes aus dem Stimmkreis Schwabing (74,9 Prozent). Schlusslicht bildet in unserer Stadt der Stimmkreis Moosach (69,8 Prozent). Für Frust sorgten bei einigen lange Wege durch die Neustrukturierung der Stimmkreise zu den Wahllokalen und lange Wartezeiten vor Ort. Im Wahllokal Kreszenziastift an der Isartalstraße war die Schlange beispielsweise um 17.35 Uhr noch fast 100 Meter lang.

lit/andy/mak

„,Mia ned‘ hat die AfD sehr geärgert“

Roland Hefter ist der Schöpfer des Anti-AfD-Songs „Mia ned“.

10,2 Prozent für die AfD – ein Ergebnis, über das Musiker Roland Hefter mittlerweile „fast schon froh“ ist. „Das ist weniger als in den Prognosen und weniger als in anderen Bundesländern.“ Und der Münchner glaubt, dass der Anti-AfD-Song „Mia ned“, den er mit der Initiative „Künstler mit Herz“ aufgenommen hat und der bei Facebook mehr als 2,6 Millionen Aufrufe erreicht hat, seinen Teil dazu beigetragen hat. „Damit haben wir sie schon geärgert.“ Auch nach der Wahl wolle die Initiative, hinter der rund 200 Künstlern wie Johanna Bittenbinder, Michaela May und Hannes Jaenicke stehen, weitermachen. „Wir planen eine große Benefiz-Veranstaltung und wollen weiter für ein buntes, weltoffenes Bayern eintreten“, so Hefter. mak

Die Hallo-München-Umfrage der Woche: „Wie zufrieden sind Sie mit dem Ausgang der Wahl?“

Bayern hat einen neuen Landtag. Grund genug für Hallo, die Bürger Folgendes zu fragen...

Bayern hat einen neuen Landtag. Grund genug, zu fragen: „Wie zufrieden sind Sie mit dem Ausgang der Wahl?“

  • Jutta Drancoli (75) aus Bogenhausen, Rentnerin:
    „Ich bin zufrieden mit der Wahl. Persönlich fände ich eine Koalition aus CSU und Grünen gut. Themen wie der Klimawandel werden immer wichtiger. Einen so starken Zuwachs hätte ich aber nicht erwartet.“
  • Lisa Rotter (25) aus Obermenzing, Sozialpädagogin:
    „Als Sozialpädagogin habe ich unter anderem mit Flüchtlingen zu tun. Da bekommt man viel Gegenwind in der Bevölkerung mit. Deshalb hätte ich gedacht, dass die AfD mehr Stimmen erhält. Sie haben trotzdem noch zu viele Sitze.“
  • Sandro Bandello (26) aus Feldmoching, Kaufmann:
    „Die Ergebnisse waren aufgrund der Umfragen größtenteils so zu erwarten. Wichtig ist jetzt, als Erstes das Thema Mietpreise anzugehen. Das ist gerade in München wirklich ein zentrales Problem.“
  • Peter Grotzke (57) aus Moosach, Elektriker:
    „Mit dem Wahlergebnis bin ich sehr zufrieden. Die Grünen haben profitiert und die großen Parteien verloren. Sie waren lange alleine an der Macht, da tut eine Koalition nun wirklich gut.“
  • Mira Stiemac (65) aus Allach, Altenpflegerin: 
    „Persönlich finde ich das Ergebnis der Wahl sehr schlecht. Die SPD hat schlechter abgeschnitten als die AfD und die CSU hat zu viel Stimmen bekommen. Meine Wunschkoalition wären nun die Grünen mit der SPD und den Freien Wählern, aber keine CSU.“
  • Stefan Strobl (35) vom Tegernsee, Produktmanager: 
    „Die Wahl verlief sehr zufriedenstellend, denn die AfD liegt hinter den Erwartungen und die Grünen wurden gestärkt. Nun ist es wichtig, dass deren Themen wieder präsenter werden.“
Umfrage: Christina Denk

Die Gewinner und Verlierer des Bürger-Votums

Stimmkreis 101 München-Hadern

Georg Eisenreich: Der Platzhirsch bleibt

Stimmkreis 102 München Bogenhausen 

Robert Brannekämper: Knapper CSU-Sieg im Kopf-an-Kopf-Rennen

Stimmkreis 103 München-Giesing

Gülseren Demirel: Sie sorgt für ein Grünes Giesing

Stimmkreis 104 München-Milbertshofen

Katharina Schulze: Jetzt erstmal ein Eis

Stimmkreis 105 München-Moosach

Benjamin Adjei: Sieg für grünen Senkrechtstarter

Stimmkreis 106 München-Pasing

Josef Schmid: Eine liberale Stimme für München

Stimmkreis 108 München-Schwabing

Christian Hierneis: Gerne in die Koalition

Stimmkreis 109 München-Mitte

Ludwig Hartmann - Der grüne Spitzenmann

Stimmkreis 123 München-Land-Nord

Ernst Weidenbusch: Wiedereinzug trotz Verlusten

Stimmkreis 124 München-Land-Süd

Kerstin Schreyer: „Mehr war nicht drin.“

Julia Langhof

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