OB-Kandidatin Katrin Habenschaden (Grüne)

"Die Rathaus-GroKo hat keinen Plan für Münchens Zukunft"

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2. Teil des Interviews mit OB-Kandidatin Katrin Habenschaden: Wie sie den Münchner Nahverkehr stärken möchte, was in der Rathaus-Kantine schief läuft und was "Fridays For Future" ihr voraus hat.

Frau Habenschaden, haben Sie und die Grünen die Autofahrer als Wähler schon abgeschrieben?
Auf keinen Fall. Eine klug gemachte Verkehrswende kommt auch ihnen zu gute. Denn wenn es uns gelingt, den ÖPNV so attraktiv und günstig zu machen, so dass viele Menschen lieber mit den Öffentlichen fahren, ist wieder mehr Platz auf den Straßen und auch der Autoverkehr fließt flüssiger.

Lesen Sie auch den ersten Teil des Interviews mit Katrin Habenschaden zu Nachverdichtung, Mietpreisen und Symbolpolitik

Ist die S-Bahn die Stellschraube Nummer Eins, um den ÖPNV attraktiver zu machen?
Ja - das größte Verkehrsproblem in München sind nun mal die Ein- und Auspendler. Hier steuern wir laut einer Prognose des Planungsreferats auf eine dauerhafte Rushhour von 6 bis 21 Uhr zu, also den totalen Kollaps für das Straßennetz Münchens. Zum Glück bekommen wir nun beim ÖPNV-Ausbau Rückenwind durch die großen Firmen - beispielsweise wenn ich an den Nordring und BMW denke. BMW fordert wie wir eine Tangentialverbindung. Wenn man einen der größten Arbeitgeber und Gewerbesteuer-Zahler auf seiner Seite hat, ist das schon mal nicht schlecht. Leider sind wir in Sachen S-Bahn immer auch auf den bayerischen Verkehrsminister und die DB Regio angewiesen, denn die S-Bahn liegt in der Verantwortung des Freistaats.

Hier gehts zur großen Hallo München Wahlumfrage.

"Als OB würde ich die Tram-Westtangente und die Nordtangente durch den Englischen Garten sofort angehen."

Was sind die Stellschrauben, die die Stadt in die Hand hat?
Am schnellsten geht es mit den Bussen, für die wir eigene Spuren schaffen müssen,um Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit zu erhöhen. Außerdem muss man neue Linien schaffen - Expressbuslinien haben noch mehr Potenzial. Wir haben zum Trambahnausbau eine große Initiative gestartet - das lässt sich viel schneller umsetzen als der U-Bahn-Bau, den wir ebenfalls vorantreiben wollen, der aber in der Umsetzung Jahrzehnte dauert. Wenn eine Trambahn eine vorherige Buslinie ersetzt, fahren doppelt so viele Leute auf der Strecke. Das ist ein Potenzial, welches wir die letzten Jahre nicht ausgeschöpft haben - Stichwort Tram-Westtangente. Von Seiten der CSU, die diese Tangente niemals wollte, wurden viele Prüfschleifen eingebracht. Aktuell steht ein Fertigstellungsdatum 2028 im Raum. Der Nordtangente durch den Englischen Garten droht ein ähnliches Schicksal. Als Oberbürgermeisterin würde ich beide Projekte sofort angehen.

Gibt es sonst noch Tramprojekte, das sie sich vorstellen können?
Unter anderem zur Bayernkaserne, ja. Auch viele Verknüpfungen ins Umland wären mit der Tram möglich. Da müssten bestehende Trambahnen nur weitergeführt werden.

Katrin Habenschaden: "CSU und SPD gehen zu zaghaft vor."

Worauf stützt sich Ihr Leitspruch "Weil München es besser kann"?
Die Münchner GroKo aus CSU und SPD geht zu zaghaft vor. Das passiert, wenn sich zwei Parteien in großen Fragen nicht einig sind. Was im Nachhaltigkeitsbereich und im Verkehrsbereich passiert ist, ist kein Verdienst der Groko, sondern wurde mit rotgrünen Stimmen beschlossen. Der GroKo hat keinen Plan für Münchens Zukunft.

Sie kämpfen für ein plastikfreies München. Welchen Hebel hat die Stadt?
Einen riesigen. Sie ist eine große Einkäuferin und kann Vorreiterin und Vorbild sein für Alternativen zu Plastikverpackungen. Ich glaube, das ist ganz wichtig, unsere städtische Beschaffung anzugucken. Ein kleines Beispiel: Bei uns in der Rathauskantine wird Obstsalat noch immer nur in Plastikbechern verkauft.

Wie kriegt man hin, dass das Klima in der Stadt besser wird?
Der Straßenverkehr ist in München für fast ein Viertel aller CO₂-Emissionen verantwortlich. Deshalb müssen wir flächen- und energiesparende Verkehrsarten fördern: Also mehr ÖPNV, Radverkehr und Fußverkehr . Hinzu kommen höhere Gebäudestandards beim Bau, wir müssen auf den städtischen Dächern Photovoltaikanlagen errichten, Gebäude, Fassaden und Brücken begrünen. Auch der Baumschutz ist wichtig. Wir verlieren auf privatem Gelände pro Jahr 2000 Bäume netto - trotz Nachpflanzungen.

Katrin Habenschaden: "Wir dürfen nicht nur an die Kleinkinder, sondern müssen auch an die Jugendlichen denken."

Wieso ist man da nicht stärker hinterher?
Wir Grüne haben erst kürzlich gefordert, die Strafen für illegale Baumfällungen drastisch zu verschärfen. Solange man für jeden Baum, den man fällt, nur eine minimale Strafe bezahlt, ist das durch das Baurecht, das herausspringt, für viele Bauherren verschmerzbar. Wenn Bäume fallen sollen, nur damit eine Baustelleneinrichtung einfacher wird, dann bin ich da nicht dabei. Wenn es so ist, wie leider beim U-Bahn-Bau in der Gotthardstraße, dass Bäume fallen, weil sonst der Bau nicht möglich ist, müssen wir in den sauren Apfel beißen.

Sie haben selbst zwei Kinder. Machen die schon bei den "Fridays for Future" mit?
Dafür sind sie noch etwas klein. Meine Tochter ist zehn und mein Sohn 13. Aber bei meinem Sohn am Gymnasium ist es ein großes Thema. Und ich merke, dass es einen anderen Einflusshat, ob das Gleichaltrige oder Ältere auf die Tagesordnung heben - oder ob ich das mache (lacht). Man kann den Schulen gar nicht genug danken, dass sie sich des Themas annehmen und auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen.

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Wie kinderfreundlich ist die Stadt generell?
Da kann München noch draufsatteln. Wenn ein Wohngebiet geplant wird, gibt es einen Spielplatz, eine Kindertagesstätte. Genauso wichtig ist es aber, an Platz für Jugendliche zu denken. Da kommt es häufig zu Konflikten - beispielsweise, wenn sie ihre Zeit auf Kinderspielplätzen verbringen. Ihren Bedarf an konsumfreien Angeboten muss man stärker berücksichtigen - und eine höhere Toleranz entwickeln. Das ist schwierig in einer Stadt, die immer enger wird.

Katrin Habenschaden: "Ich nehme München als eine sehr sichere Großstadt wahr."

Als wie sicher empfinden Sie unsere immer enger werdende Stadt?
Ich nehme München als eine sehr sichere Großstadt wahr, in der ich mich gerne bewege und sich meine Kinder gerne bewegen. Das ist ein hohes Gut. Das ist ganz deutlich auf lange Jahre rot-grün zurückzuführen. Wenn sich das subjektiv ändert, hat das häufig mit Dingen wie Beleuchtung zu tun. Da muss man ganz genau hinschauen und mit den entsprechenden Behörden Maßnahmen ergreifen.

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Bewegen Sie sich ohne Angst am Hauptbahnhof?
Das tue ich ganz oft. Ich habe da weder subjektiv noch objektiv Sicherheitsbedenken. Aber das muss ja nicht für alle gelten. Ich bin offen, mir alle Nöte anzuhören.

Wenn Sie Oberbürgermeisterin wären, was wären Ihre erste Amtshandlungen?
Ich bin ja dann auch Chefin der Verwaltung, Chefin von ganz vielen Mitarbeitern. Ich würde mich gerne bei allen vorstellen und klarmachen, dass es künftig einen direkten, persönlichen Draht geben wird zu mir. Die Expertise der städtischen Mitarbeiter ist ein Schatz, den ich gerne heben würde.

"Mama, du bist die Richtige dafür!"

Was sagt Ihre Familie zu Ihrer Kandidatur?
Oberbürgermeisterin kann ich nur mit Unterstützung meiner wunderbaren Familie werden Und die ist 100 Prozent da. Meine Kinder und mein Mann haben mir ihr ganz persönliches Go gegeben. Ein motivierendes Go. Ein "Mach das! Du bist die Richtige dafür!"

Maren Kowitz und Marco Litzlbauer

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