„Schritt in die richtige Richtung“

Herero und Nama: Bundesrepublik erkennt Kolonial-Verbrechen als Völkermord an

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts begingen Deutsche auf dem heutigen Gebiet Namibias Gräueltaten an den Herero und Nama. Nach jahrelanger Verhandlung stuft Deutschland die Verbrechen als Völkermord ein.

Berlin/Windhoek - Die Bundesrepublik wird die Gräueltaten deutscher Kolonialtruppen an den Herero und Nama im heutigen Namibia zu Beginn des 20. Jahrhunderts offiziell als Völkermord anerkennen. Die Nachkommen sollen entschädigt und um Vergebung gebeten werden. Nach mehr als fünfjährigen Verhandlungen erzielten Deutschland und Namibia eine „Einigung über den gemeinsamen Umgang mit dem dunkelsten Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte“, wie Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Freitag mitteilte. Als „Geste der Anerkennung des unermesslichen Leids“ werde Deutschland Wiederaufbauhilfen in Milliardenhöhe zahlen.

Herero und Nama: Deutsche Kolonialtruppen begingen Gräueltaten an Bevölkerung

Namibia - damals Deutsch-Südwestafrika - war von 1884 bis 1915 deutsche Kolonie. Zwischen 1904 und 1908 wurden unter der deutschen Kolonialherrschaft zehntausende Angehörige der Volksgruppen Herero und Nama von Truppen des deutschen Kaiserreichs getötet. Historiker schätzen, dass etwa 65.000 bis 80.000 Herero und mindestens 10.000 von 20.000 Nama getötet wurden - und sehen in den Verbrechen den ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.

Völkermord: Bundesregierung bittet um Vergebung und kündigt finanzielle Unterstützung an

Deutschland werde Namibia und die Nachfahren der Opfer des Völkermords unterstützen. Dafür kündigt Außenminister Heiko Maas ein „substanzielles Programm in Höhe von 1,1 Milliarden Euro zum Wiederaufbau und zur Entwicklung“ an. Bei der Gestaltung und Umsetzung des Programms würden die vom Völkermord betroffenen Gemeinschaften eine entscheidende Rolle einnehmen. Vertreter der Herero und Nama seien auf namibischer Seite auch eng in den Verhandlungsprozess eingebunden gewesen.

Bei den von Deutschland finanzierten Projekten soll es nach Angaben des Auswärtigen Amts auf Wunsch der namibischen Seite um die Bereiche Landreform, einschließlich Landkauf und Landentwicklung, Landwirtschaft, ländliche Infrastruktur und Wasserversorgung sowie Berufsbildung gehen.

Die Projekte in den teilweise an den Rand gedrängten Siedlungsgebieten der Herero und Nama sollen demnach zusätzlich zur bestehenden bilateralen Entwicklungszusammenarbeit laufen, die ebenfalls weitergeführt werden soll.

Völkermord an Herero und Nama: Bundespräsident Steinmeier soll in Namibia um Vergebung bitten

Wie die dpa schreibt, bilde die Bitte um Vergebung ein Kernelement der gemeinsamen politischen Erklärung Deutschlands und Namibias. Dazu soll Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einem feierlichen Akt im Parlament von Namibia um Vergebung bitten. Dies wurde offiziell noch nicht bestätigt. Außenminister Heiko Maas stellte jedoch klar: „Unser Ziel war und ist, einen gemeinsamen Weg zu echter Versöhnung im Angedenken der Opfer zu finden“. Ein Schlussstrich unter die Vergangenheit könne man durch die Vereinbarung nicht ziehen.

Namibia: Anerkennung des Völkermords „Schritt in die richtige Richtung“

„Die Anerkennung von Seiten Deutschlands, dass ein Völkermord begangen wurde, ist der erste Schritt in die richtige Richtung“, betonte der Sprecher von Präsident Hage Geingob, Alfredo Hengari, am 28. Mai gegenüber der AFP. 2015 begannen die Bundesrepublik Deutschland und Namibia mit der Aufarbeitung der Kolonialverbrechen. Auf der deutschen Seite war der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz Verhandlungsführer. (jjf/AFP) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Jürgen Bätz/dpa

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