Am Ende blieb es Wunschdenken

Trump plante nach Corona-Infektion alle zu überraschen: US-Magazin berichtet über geheimes Telefonat in Klinik

Ein Mann läuft in Barcelona an einem Gemälde des spanischen Straßenkünstlers TVBoy vorbei, das Donald Trump als Superman zeigt, der durch Corona-Wolken fliegt.
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Donald Trump als Superman - Straßenkunst in Barcelona.

Nach seiner Krankenhaus-Entlassung wollte Donald Trump die Macht der Bilder für sich nutzen: Als Superman sollte sein persönlicher Kampf gegen Corona enden.

  • Seit einer Woche ist Donald Trump* nach seiner Corona-Infektion zurück im Weißen Haus und laut seines Leibarztes nicht mehr ansteckend.
  • Noch im Krankenhaus soll er eine heldenhafte Rückkehr geplant haben.
  • Die Demokraten* kritisieren, dass er das Virus weiter verharmlost.

Washington - Donald Trump hatte schon viele ausgefallene Ideen, um bei seinen Anhängern zu punkten. Ein neuer Plan, über den die New York Times nun berichtet, gehört ebenfalls in diese Kategorie: Im Walter-Reed-Militärkrankenhaus, wo er drei Tage wegen einer Corona-Infektion behandelt wurde, soll der US-Präsident seine Rückkehr ins Weiße Haus mit Vertrauten am Telefon besprochen haben - und einen Auftritt als „Superman“ geplant haben.

So hätte es kommen können: Nach seiner Entlassung wollte der Präsident zunächst gebrechlich erscheinen. Kurz danach, wenn alle Blicke auf ihn gerichtet sind, wollte er sein Hemd aufreißen und ein Superman T-Shirt sollte darunter erscheinen. Das sollte seine Stärke nach dem Kampf mit dem Coronavirus verkörpern.

Donald Trumps Corona-Infektion: Statt Helden-Outfit inszeniert er sich mit Hochglanz-Video

Am Ende blieb dies Wunschdenken. Warum er seinen Plan nicht durchzog, ist unklar. Stattdessen inszenierte er sich in einem aus vielen Kamera-Perspektiven aufwendig gedrehten Video, wie er mit einem Helikopter vom Krankenhaus zurück zu seinem Amtssitz geflogen kommt. Manche Beobachter attestierten ihm Schnappatmung, oben an der Treppe angekommen nahm er die Maske ab und präsentierte sich entschlossen zurück.

Seit seiner Rückkehr wird viel darüber spekuliert, seit wann Donald Trump wirklich weiß, dass er positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Am Wochenende bestätigte sein Leibarzt schriftlich, dass der Präsident nicht mehr ansteckend sei. Trump selbst bezeichnet sich mindestens vorübergehend als immun. Bisher ist jedoch wissenschaftlich nicht eindeutig geklärt, ob und wie lange ein Schutz nach überstandener Erkrankung besteht.

Donald Trump: Fühlt sich durch „Heilmittel“ besser „als vor 20 Jahren“

Wie stark das Virus den Präsidenten wirklich getroffen hat, ist in vielen Punkten Spekulation. Ärzte ließ es jedoch aufhorchen, als bekannt wurde, dass der mächtigste Mann in den USA mit einem Medikamenten-Cocktail behandelt wurde. Trump bezeichnete die Mittel als „Heilmittel“*, die allen Amerikanern kostenlos zur Verfügung stehen sollten. Denn nach seiner Entlassung fühlte sich der 74-Jährige nach eigener Aussage „besser als vor 20 Jahren“ - sozusagen die mündliche Variante seiner Superman-Aktion.

Auch seine Landsleute ermunterte er, vor dem Virus nicht zurückzuschrecken. „Habt keine Angst vor Covid“, twitterte Trump am 5. Oktober, als er seine Entlassung aus dem Krankenhaus ankündigte. Vor allem die Demokraten kritisierten ihn mehrfach , dass er selbst nach seiner eigenen Infektion das Virus weiter kleinrede und nicht Ernst nehme. Kritik kommt unter anderem von Ex-First-Lady Michelle Obama und seinem Herausforderer bei der US-Wahl 2020*, Joe Biden. Nancy Pelosi, Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, zweifelte wegen der Behandlung mit entzündungshemmenden Steroiden gar an seiner Regierungsfähigkeit. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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