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Russische Soldaten haben laut der Ukraine radioaktives Material aus Tschernobyl gestohlen

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Von: Astrid Theil, Bedrettin Bölükbasi, Christina Denk

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Im Ukraine-Krieg fokussieren Putins Truppen ihre Angriffe auf die Ostukraine. Russlands Soldaten sollen sich radioaktiver Strahlung ausgesetzt haben. News-Ticker.

Update vom 11. April, 10.41 Uhr: Bundesaußenministerin Annalena Baerbock* (Grüne) dringt angesichts der „furchtbaren Bilder“ aus der Ukraine auf schnellstmögliche Waffenlieferungen an das Land: „Jetzt ist keine Zeit für Ausreden, sondern jetzt ist Zeit für Kreativität und Pragmatismus“, sagte Baerbock am Montag am Rande des EU-Außenministertreffens in Luxemburg. Die Ukraine brauche „vor allen Dingen auch schwere Waffen“, betonte sie. Baerbock signalisierte zudem ihre Zustimmung für eine Aufstockung der EU-Militärhilfe für die Ukraine auf insgesamt 1,5 Milliarden Euro.

Annalena Baerbock
Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) will, dass der Ukraine so schnell wie möglich schwere Waffen geliefert werden. © Annegret Hilse/Reuters-Pool/dpa

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) hatte zuvor auf Lieferprobleme der Bundeswehr verwiesen. Es sei kaum möglich, die Ukraine direkt aus Bundeswehr-Beständen mit Waffen und Material zu versorgen, ohne die deutsche Verteidigungsfähigkeit zu gefährden, hatte sie in einem Interview gesagt.

Opfer des Ukraine-Krieges: Bundeswehr-Spezialflugzeug bringt verletzte Ukrainer nach Deutschland

Update vom 11. April, 09.37 Uhr: Die Bundeswehr hat am Montag ein Spezialflugzeug zum Transport von im Krieg verletzten Ukrainern, Kinder und Erwachsene, nach Deutschland auf den Weg gebracht. Der Airbus A310 MedEvac startete laut dpa am Morgen von Köln-Wahn aus ins südostpolnische Rzeszow, das rund 90 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt liegt. Das Flugzeug ist die fliegende Intensivstation der Luftwaffe, in dem die Verletzten in der Luft von Sanitätssoldaten weiterbehandelt werden.

Es ist der erste Flug dieser Art seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. In der Vergangenheit waren aber bereits verwundete ukrainische Soldaten nach Deutschland gebracht worden. Die Stadt Rzeszow

Ukraine-Krieg: Schwerer Angriff auf Flughafen von Dnipro

Update vom 10. April, 20.42 Uhr: Am Flughafen der ukrainischen Stadt Dnipro hat es im Ukraine-Krieg laut dem regionalen Verwaltungschef Walentyn Resnitschenko schwere Schäden durch russische Raketenangriffe gegeben. „Der Flughafen selbst und die Infrastruktur in der Nähe wurden zerstört. Und die Raketen fliegen und fliegen“, schrieb er auf Telegram. Man sei noch dabei, die genaue Zahl der Opfer des Angriffs herauszufinden.

Resnitschenko zufolge sei der Flughafen nun gänzlich ausgelöscht worden. Bereits Mitte März waren das Flughafengebäude und das Rollfeld durch einen vorherigen Raketenangriff Russlands erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden. Auch von russischer Seite war zuvor durch das Verteidigungsministerium vermeldet worden, dass man in Swonezke im Gebiet Dnipropetrowsk den Stab und die Basis des ukrainischen Bataillons Dnipro vernichtet habe.

Russische Soldaten stahlen laut der Ukraine radioaktives Material aus Tschernobyl

Update vom 10. April, 17.57 Uhr: Die Ukraine geht davon aus, dass russische Soldaten während der Besetzung der Atomruine Tschernobyl radioaktive Substanzen aus Forschungslaboren gestohlen haben. Laut Angaben der für die Verwaltung der Sperrzone rund um das Atomkraftwerk zuständigen Behörde sind insgesamt 133 hoch radioaktive Substanzen entwendet worden. Dabei sei schon ein kleiner Teil des Materials tödlich, wenn es „unprofessionell gehandhabt wird“. Bereits am 24. Februar, dem ersten Tag des Angriffskriegs auf die Ukraine, hatten russische Truppen die Kontrolle über die Atomruine übernommen. Von dem Gelände zogen sie sich dann Ende März zurück. Reporter fanden anschließend eine verstrahlte russische Essensration*.

Der Energieminister der Ukraine, German Galuschtschenko, hatte angegeben, dass sich Russlands Soldaten während der Tschernobyl-Besetzung einer „schockierenden“ Menge an radioaktiver Strahlung ausgesetzt haben. Einige der Besatzer hätten möglicherweise nur noch weniger als ein Jahr zu leben, schrieb Galuschtschenko am Freitag nach einem Besuch in dem Sperrgebiet auf Facebook. „Sie gruben in radioaktiv verseuchtem Boden, sammelten radioaktiven Sand in Säcken zur Befestigung von Stellungen und atmeten diesen Staub ein“, so der Minister: „Jeder russische Soldat wird ein Stück Tschernobyl mit nach Hause nehmen. Tot oder lebendig. Die Ignoranz der russischen Soldaten ist schockierend.“ Die russische Militärausrüstung sei ebenfalls kontaminiert.

Eine Schutzkonstruktion bedeckt den explodierten Reaktor des Kernkraftwerks Tschernobyl (Bild vom 5. April 2022).
Eine Schutzkonstruktion bedeckt den explodierten Reaktor des Kernkraftwerks Tschernobyl (Bild vom 5. April 2022). © Oleksandr Ratushniak/dpa

Kriegsverbrechen? Ukrainische Staatsanwältin spricht von über 1200 geborgenen Toten „in der Region Kiew“

Update vom 10. April, 16.16 Uhr: In der Region um Kiew sind nach ukrainischen Angaben bislang mehr als 1200 Tote gefunden worden. Staatsanwältin Iryna Wenediktowa nannte im Interview mit dem britischen Sender Sky News am Sonntag die Zahl von 1222 geborgenen Toten „allein in der Region Kiew“. Den russischen Truppen warf sie erneut schwere Kriegsverbrechen vor.

Erste Berichte am vergangenen Wochenende über möglicherweise hunderte getötete Zivilisten im Kiewer Vorort Butscha hatten international für Entsetzen gesorgt. Im Laufe der Woche häuften sich ähnliche Schilderungen aus weiteren Orten wie Irpin oder Borodjanka. Moskau bestreitet jegliche Verantwortung für die Tötungen und spricht von gefälschten Fotos und Videos. Material wie Satellitenaufnahmen und Mitschnitte von abgehörter Funkkommunikation legen aber eine Verantwortung russischer Soldaten nahe.

5600 Fälle russischer Kriegsverbrechen: Rotes Kreuz berichtet - „Nirgendwo sonst so ein Leid, wie derzeit in der Ukraine“

Update vom 10. April, 13.30 Uhr: Die ukrainische Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa hat den russischen Angriff auf den Bahnhof der ostukrainischen Stadt Kramatorsk, bei dem über 50 Menschen getötet wurden, als Kriegsverbrechen bezeichnet. Es gebe inzwischen Beweise, dass es sich bei dem Angriff auf Tausende Menschen, die auf ihre Evakuierung gewartet hatten, um eine Aktion russischer Truppen gehandelt hat. Dies gab Wenediktowa gegenüber dem britischen Sender Sky News an. „Das waren Frauen, das waren Kinder, und sie wollten einfach nur ihr Leben retten“, sagte Wenediktowa.

Laut ihren Angaben seien inzwischen 5600 Fälle mutmaßlicher russischer Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in allen ukrainischen Regionen festgestellt worden. Den russischen Präsidenten Wladimir Putin nannte Wenediktowa den „Hauptkriegsverbrecher des 21. Jahrhunderts“. Der Leiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in der Ukraine, Pascal Hundt, betonte gegenüber Sky News, dass er nirgendwo sonst solch ein Leid gesehen habe wie derzeit in der Ukraine.

Ostukraine unter Beschuss: Gouverneur von Luhansk spricht von „Horror“

Update vom 10. April, 12.00 Uhr: Der Gouverneur des ostukrainischen Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, hat den russischen Truppen einen wahllosen Beschuss mit allen vorhandenen Waffen vorgeworfen. Dabei seien alle Krankenhäuser in dem Gebiet beschossen worden. Aktuell seien nur noch die Krankenhäuser von Lyssytschansk und Sjewjerodonezk in Betrieb. In einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der Onlinezeitung Ukrajinska Prawda zählte der Gouverneur die durch die russischen Truppen eingesetzten Waffen auf: „Schwere Artillerie, darunter 152 Millimeter. Mörser aller Kaliber, Mehrfachraketenwerfer, Raketen, Luftwaffe. Das ist einfach Horror.“

Der 46-jährige Gouverneur ergänzte: „Sogar mit durchgeschlagenen Dächern, sogar mit Löchern in den Wänden, arbeiten sie.“ Das Ende des Krieges mit einer eventuellen Verhandlungslösung werde von dem erwarteten russischen Großangriff im Donbass abhängen. „Wenn wir ihn nicht komplett zerschlagen, wird es einen weiteren Angriff nach einer gewissen Zeit geben, nach anderthalb bis zwei Jahren“, argumentierte Hajdaj.

Gegenüber der italienischen Zeitung Corriere della Sera äußerte der Gouverneur, dass er von einer baldigen Offensive der russischen Armee im Osten der Ukraine ausgehe. „Es ist eine Frage von Tagen“, betonte Serhij Hajdaj. „Sie stellen sich an der Grenze neu auf und bombardieren uns weiter. Sie kennen keine Moral mehr: Sie machen Krankenhäuser, Schulen und Häuser dem Erdboden gleich.“ In den selbst ernannten „Volksrepubliken“ Luhansk und Donezk haben prorussische Separatisten die Kontrolle übernommen. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte beide kurz vor dem Angriffskrieg auf die Ukraine als unabhängige Staaten anerkannt.

Auf die Frage, was im Ukraine-Krieg nun bevorstehe, sagte Hajdaj: „Die Hölle.“ Er verwies auf Butscha oder Mariupol, wo seit Wochen Angriffe und Kriegsverbrechen festgestellt werden. „Bei uns wird es noch viel schlimmer“, sagte der Gouverneur. Anders als in anderen Teilen des Landes gebe es nämlich in Luhansk kaum noch Bunker, in denen Zivilisten Schutz suchen können. „Wir verstecken uns in den Kellern. Ich versuche, alle meine Mitbürger zu überzeugen, von hier wegzugehen.“

Neues Massengrab in der Nähe von Kiew entdeckt: Dutzende Tote

Update vom 10. April, 10.45 Uhr: In einem weiteren Dorf in der Nähe von Kiew soll ein Massengrab gefunden worden sein. Ein ukrainischer Beamter meldet laut einem Bericht von Reuters, dass im Dorf Buzova, das etwa 50 Kilometer westlich vom Zentrum Kiews liegt, ein Grab mit Dutzenden von Zivilisten entdeckt worden sei. Es sei das jüngste Massengrab, das entdeckt wurde, nachdem sich die russischen Streitkräfte aus den Gebieten rund um die Hauptstadt zurückgezogen hatten. Taras Didych, Leiter der Gemeinde Dmytriwka, zu der Buzova gehört, gab bekannt, dass die Leichen in einem Graben in der Nähe einer Tankstelle gefunden worden seien. Die Zahl der Toten müsse noch bestätigt werden. Der Bericht lässt sich momentan nicht unabhängig überprüfen.

Russische Truppenbewegungen: Satelliten-Aufnahmen sollen 13 km langen Militärkonvoi zeigen

Update vom 10. April, 10.30 Uhr: Laut Berichterstattung des amerikanischen Senders CNN zieht sich ein 13 Kilometer langer Militärkonvoi durch die ostukrainische Stadt Velkyi Burluk. CNN beruft sich auf Satellitenbilder-Auswertungen der Firma „Maxar“. Die Bilder zeigen laut „Maxar“ „gepanzerte Fahrzeuge, Lastwagen aufgerüstet mit Artillerie und beladen mit Ersatzmaterial“.

Velkyi Burluk liegt östlich von Charkiw, nahe der Grenze der Ukraine zu Russland. Russische Truppen werden aktuell im Osten und im Süden der Ukraine zusammengezogen. Die Angriffe werden in dieser Region verstärkt. Insbesondere die dortigen Städte wie die Millionen-Metropole Charkiw stehen unter starkem Beschuss.

Neun Fluchtkorridore geplant: Zivilisten sollen Mariupol verlassen können

Update vom 10. April, 9.30 Uhr: An diesem Sonntag soll es im umkämpften Osten der Ukraine neun Fluchtkorridore für die Zivilbevölkerung geben. Dem habe die Regierung in Kiew zugestimmt, sagt die ukrainische Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk. Auch aus der eingekesselten Hafenstadt Mariupol sollen Zivilisten über einen Korridor flüchten können. Alle Routen in der im Osten gelegenen Region Luhansk würden funktionieren, solange es eine Waffenruhe seitens der russischen Truppen gebe, erklärte Wereschtschuk auf Telegram.

Britischer Geheimdienst stellt Beweise für Kriegsverbrechen durch Russland fest

Update vom 10. April, 9.00 Uhr: Nach Erkenntnissen des britischen Geheimdienstes gibt es nach dem Abzug des russischen Truppen aus dem Norden der Ukraine Beweise dafür, dass Zivilisten auf unverhältnismäßige Weise zur Zielscheibe geworden sind. Geiseln seien als menschliche Schutzschilde benutzt und zivile Infrastruktur vermint worden. Auch Massengräber gebe es, wie das britische Verteidigungsministerium bei Twitter mitteilte.

Die russischen Truppen würden weiter unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen nutzen, um der Ukraine Verluste zuzufügen und die Moral zu senken. Weiterhin sei die Infrastruktur ein Angriffsziel, bei der das Risiko hoch ist, dass auch die Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft gezogen wird. Dies sei auch bei dem jüngsten Beschuss eines Lagers mit Salpetersäure bei Rubischne im Donbass der Fall gewesen. 

Getötete Zivilisten in Donezk, Charkiw und Mykolajiw

Update vom 10. April, 7.12 Uhr: Durch Beschuss sind in der Region Donezk ukrainischen Angaben zufolge mindestens fünf Zivilisten getötet und fünf weitere verletzt worden. Die örtliche Militärverwaltung machte Russland für die Opfer verantwortlich. In der Stadt Wuhledar gebe es vier Todesopfer, twitterte Gouverneur Pawlo Kyrylenko. Auch im nordöstlichen Gebiet Charkiw habe die russische Artillerie am Samstag Siedlungen beschossen, teilten ukrainische Behörden mit. Dabei seien mindestens zwei Menschen getötet und ein Mensch verletzt worden. Viele Häuser seien zerstört. Die Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden.

In der Region Mykolajiw im Süden habe das ukrainische Militär sieben Raketenangriffe der russischen Armee gezählt, hieß es. Dabei sei niemand getötet worden. Ukrainische Kräfte hätten ihrerseits bei drei Angriffen auf russische Truppen am Samstag unter anderem 80 Soldaten getötet sowie drei Panzer und je ein Flugzeug und einen Hubschrauber zerstört. Auch diese Angaben konnten nicht laut der Nachrichtenagentur nicht unabhängig geprüft werden.

Dem Präsidialamt in Kiew zufolge konnten am Samstag mehr als 4.500 Zivilisten aus den Regionen Donezk, Luhansk und Saporischschja flüchten. Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk warf Russland vor, trotz einer Vereinbarung Busse für Flüchtende auf bestimmten Routen nicht passieren zu lassen. „Die Busse sind nach Saporischschja zurückgekehrt und werden am Sonntag erneut versuchen, die Städte zu erreichen, um unsere Bürger zu evakuieren“, sagte Wereschtschuk.

Russland und die Ukraine werfen sich gegenseitig vor, die Evakuierung von Ortschaften zu sabotieren. Moskau hatte zuletzt erklärt, die Kampfhandlungen auf den Osten der Ukraine zu konzentrieren. Der von Russland begonnene Krieg dauert bereits seit dem 24. Februar. Hier gibt es einen Überblick was in den vergangenen Stunden geschah.

Update vom 9. April, 22.30 Uhr: Nach dem Raketenangriff auf den Bahnhof in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk sind alle Überlebenden evakuiert worden, meldet CNN. Die meisten wurden in das Zentrum von Dnipro gebracht, manche befinden sich auch in Kiew, wie ein lokaler Krankenhausmitarbeiter dem Sender bestätigte. 80 Erwachsene und 19 Kinder wurden bei dem Angriff verletzt, 20 davon befinden sich in einem kritischen Zustand. 52 Menschen wurden laut Angaben ukrainischer Behörden getötet. Die Ukraine hatte daraufhin seine Evakuierungsrouten geändert (Update vom 9. April, 11 Uhr).

CNN hatte in Tschernobyl mit ukrainischen Soldaten im russischen Quartier zudem erhöhte Radioaktivität nachgewiesen*.

Moskau meldet 700.000 evakuierte Ukrainer - Ukraine wirft Nachbarland Evakuierung gegen deren Willen vor

Update vom 9. April, 22.10 Uhr: Laut Militärangaben in Moskau sollen seit dem 24. Februar mehr als 700.000 Menschen aus den Separatistengebieten Donezk und Luhansk sowie anderen Teilen der Ukraine nach Russland evakuiert worden sein. Allein am Samstag hätten knapp 27.000 Menschen die umkämpften Regionen Richtung Russland verlassen, sagte Generaloberst Michail Misinzew vom russischen Verteidigungsministerium.

Aus der seit Anfang März umkämpften südukrainischen Hafenstadt Mariupol seien 134.000 Menschen gerettet worden, formulierte Misinzew. Der Agentur Tass zufolge warf er der Kiewer Seite erneut vor, eine Flucht für bedrängte Zivilisten nur auf ukrainisch kontrolliertes Gebiet zu ermöglichen, nicht nach Russland. Die russischen Zahlen sind nicht unabhängig zu überprüfen. Kiew wirft der Moskauer Seite aber vor, Flüchtlinge gegen deren Willen nach Russland zu bringen.

Anzahl Geflüchteter seit Beginn des Ukraine-Krieges laut UNHCR:

Aus der Ukraine in Nachbarländer gesamt4,3 Millionen Menschen
davon Polen:etwa 2,5 Millionen Menschen
davon Ungarn:rund 404.000 Menschen
davon Moldau:etwa 401.000 Menschen
davon Russland:mehr als 350.000 Menschen
Innerhalb der Ukraine auf der Flucht7,1 Millionen Menschen

Tschernobyl-Mitarbeiter sorgen sich wegen verschwundener Kollegen - Vorwurf der Geiselnahme

Update vom 9. April, 15.30 Uhr: Mitarbeiter des ehemaligen ukrainischen Kernkraftwerks Tschernobyl sorgen sich um ihre mutmaßlich nach Russland verschleppten Kollegen, so der russischsprachige Ableger des britischen Senders BBC. Die ukrainische Führung wirft Russland vor, die Belegschaft von Tschernobyl fast einen Monat lang als Geiseln im Bombenschutzkeller des Gebäudes festgehalten und dann gewaltsam nach Russland gebracht zu haben. Die Angaben ließen sich zunächst nicht überprüfen.

Wir mussten ständig mit ihnen (Anm.: dem russischen Militär) verhandeln und unser Bestes geben, um sie nicht zu beleidigen, damit sie unserem Personal die Verwaltung des Objekts erlaubten.

Walerij Semjonow (Ingenieur im Atomkraftwerk Tschernobyl)

Kurz nach ihrem Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar hatten russische Truppen Tschernobyl besetzt. Um die Wartungsarbeiten an dem 1986 havarierten Atomkraftwerk kümmerte sich aber weiter ukrainisches Personal. „Wir mussten ständig mit ihnen verhandeln und unser Bestes geben, um sie nicht zu beleidigen, damit sie unserem Personal die Verwaltung des Objekts erlaubten“, sagte Ingenieur Walerij Semjonow in dem am Samstag veröffentlichten Interview.

Ein Soldat filmt am 6. April zerstörte Fahrzeuge und Panzer auf einer Straße in Irpin.
Ein Soldat filmt am 6. April zerstörte Fahrzeuge und Panzer auf einer Straße in Irpin. © Laurel Chor/dpa

Kriegsverbrechen im Ukraine-Krieg - Nahe Kiew 132 Leichen „gefolterter, ermordeter Bürger” gemeldet

Update vom 9. April, 13.20 Uhr: Das ukrainische Verteidigungsministerium hat Russland im Ukraine-Krieg neue „monströse“ Kriegsverbrechen in der Ukraine vorgeworfen. In der Siedlung Makariv im Osten der ukrainischen Hauptstadt Kiew habe man 132 Leichen von „gefolterten, ermordeten Bürgern” gefunden, teilte das Ministerium auf Twitter mit.

Ukraine-Krieg: Russland organisiert Truppenspitze um - General mit Syrien-Erfahrung leitet Invasion

Update vom 9. April, 12.05 Uhr: Russland soll seine Kriegsführung in der Ukraine umorganisiert und einen neuen Kommandeur mit Syrien-Erfahrungen an deren Spitze gesetzt haben. Einem westlichen Regierungsvertreter zufolge wird die Militäroperation nun von dem General Alexander Dwornikow geleitet, der umfassende Kriegserfahrung aus Syrien hat. Er ist zuletzt Befehlshaber im südlichen Wehrbezirk Russlands gewesen. Für seinen Einsatz im Syrien-Krieg wurde er 2016 von Präsident Wladimir Putin mit dem Heldenstatus ausgezeichnet.

Offiziell wurde der Kommandowechsel von russischer Seite zunächst nicht bestätigt. Nach seinem Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar hat es Russland nicht geschafft, größere Städte wie die Hauptstadt Kiew einzunehmen. Zuletzt hat es sich in seinem Angriffskrieg vor allem auf die ostukrainische Donbass-Region fokussiert.

Ukraine-Krieg: Kiew passt Evakuierungskorridore an - „schwierige“ Situation in drei Ostsiedlungen

Update vom 9. April, 11.00 Uhr: Nach dem Raketenangriff auf den Bahnhof in der ostukrainischen Stadt Kramatorsk und dem Tod von 52 Zivilisten ändert die Ukraine ihre Evakuierungsrouten für Zivilisten, um Sicherheit zu gewährleisten. „Leider werden unsere Evakuierungsrouten nach dem gestrigen Desaster von Kramatorsk angepasst, aber wir sind bereit und werden die Evakuierung fortführen“, sagte der ukrainische Militärgouverneur des Oblasts Luhansk, Serhij Haidai, im Staatsfernsehen.

Außerdem würden Artillerieangriffe entlang des gesamten Gebietes andauern, erklärte Haidai. „Alle Siedlungen werden beschossen“, sagte er und fügte hinzu, besonders in Rubischne, Popasna und Hirske sei die Situation „schwierig“. Dabei würden russische Truppen diese Gebiete mit allen Waffen, einschließlich Luftangriffen beschießen.

Ukraine-Krieg: Putins Truppen haben neues Ziel - Kuleba warnt vor heftigen Kämpfen im Donbass

Erstmeldung: München - Nach schweren Schlägen im Ukraine-Konflikt gestalten Truppen des russischen Machthabers Wladimir Putin* nun ihre Ziele neu. Russische Einheiten fokussieren sich nun auf die vollständige Einnahme der Oblasts Luhansk und Donezk im Osten der Ukraine, die die sogenannten „Volksrepubliken“ pro-russischer Separatisten für sich beanspruchen. Kampfhandlungen in der Ostukraine nehmen zu. Diese Karte zeigt, wo der Ukraine-Krieg wütet. Der ukrainische Außenminister Dmitro Kuleba betonte, Auseinandersetzungen im östlichen Donbass würden die Welt an den Zweiten Weltkrieg erinnern.

Um sein Ziel zu verwirklichen, muss der Kreml allerdings zunächst die durch die heftigen Kämpfe im Norden der Ukraine - dabei besonders rund um Kiew* - massiv geschwächten russischen Einheiten neu versorgen. An dieser Stelle geht es sowohl um militärische Ausrüstung, als auch um Soldaten. Immerhin räumte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in den vergangenen Tagen „bedeutende Verluste“ bei Zusammenstößen mit der ukrainischen Verteidigung im Ukraine-Krieg* ein.

Ukraine-Krieg: Moskau versorgt Truppen neu - Vorbereitung auf intensive Kämpfe im Donbass

Die russischen Streitkräfte bemühen sich nach Ansicht des US-Verteidigungsministeriums ihre Einheiten nach Verlusten im Norden der Ukraine mit neuem Material und Soldaten wieder aufzubauen. Es gebe auch Berichte, wonach die Einheiten, die nun im Osten der Ukraine* eingesetzt werden sollten, durch das Mobilisieren „zehntausender Reservisten“ verstärkt werden sollten, sagte der Sprecher des Pentagons, John Kirby.

Einige der russischen Einheiten, die sich zuletzt über Belarus zurückgezogen hätten, seien „fast komplett vernichtet“, sagte Kirby. Es sei daher unklar, ob sie wieder eingesetzt werden könnten oder mit anderen Verbänden zusammengelegt werden müssten, die weniger „Personal, Ausrüstung, Fahrzeuge“ verloren hätten, sagte er. Es sei noch unklar, wie schnell die Russen ihre Truppen für den Einsatz im Osten der Ukraine wieder stärken könnten, sagte Kirby. Er warnte jedoch, Russland* habe trotz der Verluste immer noch den Großteil der in der Region gebündelten Schlagkraft für den Krieg zur Verfügung.

Ein russischer Truppenkonvoi, aufgenommen vor mehreren Wochen.
Offenbar versorgt der Kreml durch schwere Zusammenstöße geschwächte russische Einheiten neu. (Archivbild) © IMAGO/Maximilian Clarke

Ukraine-Krieg: USA stellt weitere Hilfe an Kiew in Aussicht - „wollen, dass Putin verliert“

Zudem bestätigte Kirby, das russische Militär werde sich nun wohl auf den geografisch deutlich kleineren Bereich des östlichen Donbass konzentrieren. „Das könnte sehr blutig und sehr hässlich werden“, sagte er. Die Ukrainer würden die russischen Angreifer dort jedoch genauso entschlossen bekämpfen. „Wir wollen, dass die Ukrainer diesen Krieg gewinnen“, betonte er.

Die USA* würden die Ukraine weiter mit Waffen und anderen Mitteln unterstützen. Mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin sagte Kirby: „Wir wollen, dass Herr Putin und die russische Armee diese Invasion verlieren, diesen Kampf in der Ukraine verlieren.“ (bb mit Material von dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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