Diplomatie statt Eskalation

Afghanistan: Lage wird immer bedrohlicher – jetzt schaltet sich Erdogan ein

Nach dem Abzug der US-Truppen aus Afghanistan scheinen die Befürchtungen wahr zu werden: die Lage droht zu eskalieren. Jetzt sucht Präsident Erdogan das Gespräch mit den Taliban.

Ankara – Die von den USA geleitete Intervention in Afghanistan ist beendet. Doch kaum ziehen die Vereinigten Staaten ihre letzten Truppen aus dem Krisengebiet ab, droht die Lage aufgrund des Vormarsches der Taliban zu eskalieren. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich jetzt eingeschaltet – und will das Gespräch mit den Anführern der radikal-islamischen Taliban suchen.

Dabei soll es um eine Deeskalation der Lage in Afghanistan gehen. „Die jüngsten Entwicklungen und die Lage der afghanischen Bevölkerung sind wirklich sehr beunruhigend“, so der türkische Staatschef am Mittwoch zum TV-Sender CNN Türk.

Zuvor hatte Erdogan bereits angekündigt, mit den Taliban über die Sicherung des Kabuler Flughafens beraten zu wollen. Ankara hatte sich grundsätzlich bereit erklärt, den internationalen Flughafen nach dem vollständigen Abzug aller internationalen Truppen aus dem Land sichern zu wollen. Hierfür hat die Türkei jedoch diplomatische, finanzielle und logistische Unterstützung der USA gefordert. Die Verhandlung zwischen beiden Staaten dauern diesbezüglich noch an.

Afghanistan nach Abzug US-Truppen und NATO: Vormarsch der Taliban - Türkei sucht das Gespräch

In den vergangenen Wochen hat die Taliban, parallel zum rasch fortschreitenden Abzug der US- und anderer NATO-Truppen, große Teile des Landes erobert. Erst Dienstag hatten die Aufständischen die Stadt Pul-i Chumri in der nördlichen Provinz Baghlan eingenommen – und damit die mittlerweile achte Provinzstadt unter ihrer Kontrolle. Nach den neusten Eroberungen kontrolliert die Miliz inzwischen mehr als ein Viertel der Provinzhauptstädte in Afghanistan. Deutschland hat aufgrund der Unruhen im Land vorerst alle Abschiebungen nach Afghanistan ausgesetzt.

US-Präsident Joe Biden reagiert hingegen überraschend neutral auf die sich rasant verschlechternde Sicherheitslage. Die Afghanen müssten nun selbst um ihren Staat kämpfen, betont der US-Präsident am Dienstag (Ortszeit) im Weißen Haus in Washington. Er sieht die afghanischen Streitkräfte auch in der Truppenstärke den Taliban überlegen. „Aber sie müssen auch kämpfen wollen“, ergänzte er. (afp/klb)

Rubriklistenbild: © Iskandar/dpa

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