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„Alter Freund Lawrow“: China bekräftigt mitten im Ukraine-Krieg Bündnis mit Russland

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Von: Sven Hauberg

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Die Außenminister Chinas und Russlands, Wang Yi und Sergej Lawrow, bekräftigten während der Ukraine-Krieg läuft ihr Bündnis.
Die Außenminister Chinas und Russlands, Wang Yi und Sergej Lawrow, bekräftigten während der Ukraine-Krieg läuft ihr Bündnis. © Pavel Golovkin / dpa

Trotz Ukraine-Krieg: China weicht nicht von der Seite Russlands. Das machte Pekings Außenminister Wang Yi nun erneut deutlich.

München/Peking/Moskau – Eigentlich befindet sich Chinas Außenminister derzeit auf einer Reise durch die Südsee, um dort neue Bündnispartner zu gewinnen. Während eines Stopps auf dem Inselstaat Vanuatu fand Wang Yi allerdings offenbar Zeit, um ein Bündnis zu bekräftigen, das seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs besonders im Interesse der Weltöffentlichkeit steht: In einer Videobotschaft wandte sich Wang an seinen „alten Freund Lawrow“, den Außenminister Russlands. Laut einer Mitteilung des chinesischen Außenministeriums vom 1. Juni hielt Wang Yi die Rede vor dem China-Russia High-level Think Tank Forum. Die Veranstaltung wird seit 2018 von der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften und der Moskauer Denkfabrik Russian International Affairs Council veranstaltet. In diesem Jahr stand sie unter dem Motto „Russland und China: Zusammenarbeit in einer neuen Ära“.

„Als Weltmächte und ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrats sollten China und Russland auch weiterhin einen wichtigen Beitrag in Form von Ideen und Aktionen leisten“, sagte Wang laut eines Redemanuskripts, das vom chinesischen Außenministerium veröffentlicht wurde. China, so Wang, sei „immer ein Förderer des Weltfriedens“ gewesen.

China im Ukraine-Krieg: „Umfassende strategische Zusammenarbeit“ mit Russland

Wang betonte, Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping und Russlands Präsident Wladimir Putin hätten „ihre umfassende strategische Zusammenarbeit vertieft“, indem sie „ein Modell für die Beziehungen zwischen Großmächten in der heutigen Zeit gesetzt und internationale Gerechtigkeit und Gleichheit sichergestellt haben“ – ein Seitenhieb in Richtung USA, denen beide Präsidenten in einer Anfang Februar veröffentlichten Erklärung eine „Kalter-Krieg-Mentalität“ vorgeworfen hatten. Peking sei bereit, „mit der russischen Seite zusammenzuarbeiten, um den wichtigen Konsens der beiden Staatsoberhäupter weiter umzusetzen“, so Wang weiter.

Wang sagte laut Redemanuskript außerdem, „China und Russland sollten sich weiterhin mit friedliebenden und entwicklungswilligen Ländern zusammentun, das internationale System mit den Vereinten Nationen als Kernstück und die auf dem Völkerrecht basierende internationale Ordnung entschlossen verteidigen, die Demokratisierung der internationalen Beziehungen weiter fördern und zur gemeinsamen Entwicklung, zum nachhaltigen Wohlstand und zur langfristigen Stabilität der menschlichen Gesellschaft beitragen“.

China im Ukraine-Krieg: „Felsenfeste“ Freundschaft mit Russland

Lob für Wangs warme Worte in Richtung Moskau kamen von dessen russischem Amtskollegen Sergej Lawrow. „Wir schätzen die ausgewogene und unvoreingenommene Haltung unserer chinesischen Freunde in Bezug auf die Situation in und um die Ukraine sehr“, sagte Lawrow laut der russischen Nachrichtenagentur Tass, ebenfalls in einer Videoansprache. „Wir werden von Peking in unseren Bemühungen unterstützt, Russlands wichtigste Ansätze für die Bildung einer Sicherheitsarchitektur in Europa zu verteidigen.“ Lawrow sagte laut Tass weiter, Moskau und Peking „lehnen alle unrechtmäßigen und einseitigen Sanktionen ab“ und setzen sich dafür ein, die Vorherrschaft der USA zu brechen.

China betont seit Beginn des Ukraine-Kriegs seine angebliche Neutralität in dem Konflikt, weigert sich allerdings bislang, den russischen Einmarsch oder Massaker wie in Butscha zu verurteilen. Außerdem spricht China nicht von einem Krieg, sondern übernimmt meist die russische Sprachregelung von einer „militärischen Spezialoperation“. Die Sanktionen des Westens gegen Russland lehnt Peking ab, hilft Beobachtern zufolge aber auch nicht dabei, diese zu umgehen. Beim EU-China-Gipfel Anfang April hatte Xi Jingping dem Westen die Schuld an der Eskalation des Kriegs in der Ukraine gegeben. „Die Grundursache der Ukraine-Krise sind die regionalen Sicherheitsspannungen in Europa, die sich über Jahre aufgebaut haben“, so Xi damals. Mehrfach betonte Peking außerdem seine „felsenfeste“ Freundschaft zu Moskau. (sh)

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