Neuer SPD-Ärger über Sarrazin: "Schizophren"

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Thilo Sarrazin

Berlin - Nach erneuten Sticheleien von Thilo Sarrazin regt sich in der SPD neuer Unmut gegen den früheren Berliner Finanzsenator. Als “schizophren“ bezeichnete Bayerns SPD-Landeschef Florian Pronold das Verhalten Sarrazins.

Wer sich in einer Erklärung von seinen Äußerungen zunächst distanziere, um bei der nächstbesten Gelegenheit Menschen erneut zu beleidigen und zu diskriminieren, “ist nicht mehr ganz dicht“, sagte Pronold der Berliner “tageszeitung“ (Donnerstag). “Damit hat er endgültig belegt, dass man ihn nicht mehr ernst nehmen kann“, meinte der SPD-Politiker.

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach Ende des SPD- Ausschlussverfahrens hatte sich Sarrazin am Dienstagabend in Waltrop im Ruhrgebiet gegen die von der SPD geplante Migranten-Quote für Führungsämter ausgesprochen. “Der Verstand kommt oder geht ja nicht damit, dass man Migrant ist“, sagte der Ex-Bundesbanker. Es gebe bereits Vorsitzende mit ausländischen Wurzeln. “Je migrantischer diese Leute eingestellt sind, desto weniger neigen sie dazu, Probleme oder Schwierigkeiten objektiv zu sehen“, meinte Sarrazin weiter.

Sarrazin: Der Provokateur redet Klartext

Sarrazin: Der Provokateur redet Klartext

"Will ich den Muezzin hören, dann reise ich ins Morgenland." © dpa
"Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb." © dpa
"In Deutschland arbeitet ein Heer von Integrationsbeauftragten, Islamforschern, Soziologen, Politologen, Verbandsvertretern und eine Schar von naiven Politikern Hand in Hand und intensiv an Verharmlosung, Selbsttäuschung und Problemleugnung." © dpa
"Besonders beliebt ist es, den Kritikern des Islam mangelnde Liberalität vorzuwerfen." © dpa
"Ich möchte nicht, dass wir zu Fremden im eigenen Land werden." © dpa
"Fabriken und Dienstleistungen müssen wandern, nicht die Menschen." © dpa
"Der Weg in den deutschen Sozialstaat darf nicht ohne Wegezoll möglich sein." © dpa
"In den USA bekämen sie keinen müden Cent. Deswegen sind sie auch nicht dort." © dpa
"Ich möchte nicht, dass das Land meiner Urenkel in weiten Teilen muslimisch ist." © dpa
"Die Arbeitsmigration der sechziger Jahre hat eine europäische Völkerwanderung in Gang gesetzt." © dpa

Ralf Stegner, SPD-Landeschef in Schleswig-Holstein, sagte der Zeitung: “Thilo Sarrazin ist der Letzte, von dem wir uns in Sachen Integrationspolitik Ratschläge geben lassen.“ Stegner erneuerte seine Forderung nach einem freiwilligen Parteiaustritt Sarrazins. Der Juso-Vorsitzende Sascha Vogt fordert die SPD auf, sich inhaltlich mit dem Thema Integration auseinanderzusetzen. “Mich interessiert nicht, was ein frustrierter Ex-Bundesbanker sagt, der nur sein strohdummes Buch verkaufen möchte.“

Der Verbleib Sarrazins in der Partei hat die SPD-Wähler gespalten. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Magazins “Stern“ halten es 49 Prozent für richtig, dass Sarrazin Mitglied bleiben darf. 38 Prozent sprachen sich für den ursprünglich von der Parteiführung angestrebten Parteiausschluss aus. Klarer ist die Stimmung in der Gesamtbevölkerung: Der Umfrage zufolge sind 54 Prozent der Bundesbürger für den Verbleib Sarrazins in der SPD, 29 Prozent dagegen.

dpa 

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