„Einen Arzt, bitte!“

Nach Krawall-Konferenz: Presse zweifelt an Trumps Verstand

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Wahnsinn oder genialer Streich? Trumps Pressekonferenz am Donnerstag sorgt für aufgewühlte Pressestimmen.

Washington - Trumps Pressekonferenz am Donnerstag war zum Gruseln - darin sind sich viele politische Kommentatoren einig. Manche zweifeln am Verstand des Präsidenten, andere glauben an Kalkül.

Donald Trumps vier Wochen währende Präsidentschaft scheint einen neuen Höhepunkt erreicht zu haben. Seine Pressekonferenz am Donnerstag war eine Mischung aus scharfen Angriffen, offensichtlicher Ahnungslosigkeit und wirren Phrasen. Der Präsident der USA hat es damit offenbar endgültig geschafft, dass an seinem Geisteszustand gezweifelt wird: Die deutsche, aber auch die internationale Presse ist fassungslos.

Krasse Worte wählt Veit Medick, Washington-Korrespondent von Spiegel Online, der nach Trumps Pressekonferenz verlangt: „Einen Arzt, bitte!“. „Man weiß jetzt: Es ist an der Zeit, am Verstand des US-Präsident zu zweifeln“, hat Medick aus der Pressekonferenz gelernt. Und er hoffe, es gebe im Weißen Haus eine „gute medizinische Abteilung, die prüfe, „ob mit diesem Mann wirklich alles in Ordnung ist.“ 

„Offensichtlicher Unsinn“

Sein denkwürdiger Auftritt habe gezeigt, dass Trump in einer „Parallelwelt“ lebe, „deren Grenzzäune zur Wirklichkeit deutlich höher scheinen als jene Mauer, die er gegen Mexiko plant“.  Der Präsident der USA habe sich der Lächerlichkeit preisgegeben und „offensichtlichen Unsinn“ erzählt. Dies schade nicht nur seinem Amt, sondern auch sich selbst. Er präsentierte sich als ein Mann „der bei den ersten Turbulenzen die Nerven verliert.“

Auch Ansgar Grav, Washington-Korrespondent der Welt, bilanziert: „Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika agiert verrückt.“ Trump habe die „absurde Wahrnehmung“, er eile von Erfolg zu Erfolg, obwohl er bisher wenig erreicht habe. Dies sei noch schlimmer, „als wenn er bewusst lügen würde“. Der Welt-Journalist diagnostiziert Trump Narzissmus, und solche Menschen würden sich nicht nicht durch sachliche Diskussionen und Fakten überzeugen lassen. „Ihnen ist vielmehr die Realitätswahrnehmung abhanden gekommen.“ 

„Präsident kann er nicht“

Für Rolf Büllmann vom ARD-Studio in Washington ist nach der Pressekonferenz (“eine bizarre Veranstaltung“) klar: „Er kann Wahlkampf - Präsident kann er nicht. Seine Politik ist schlampig, seine Personalauswahl schlecht, sein Team hat er nicht im Griff.“ Genau dies erwarte man von jemanden, der überhaupt keine politische Erfahrung habe, schreibt er für tagesschau.de

Eine positive Sache kann die Frankfurter Allgemeine Zeitung der Katastrophen-Pressekonferenz zumindest abgewinnen: „Immerhin: Die Show war gut – findet auch der Präsident. Er habe sich in den 77 Minuten ,gut unterhalten‘ gefühlt, so Trump.“ 

CNN schreibt über Trumps Pressekonferenz von einem „atemberaubenden Moment moderner amerikanischer Geschichte“: Trump habe vor aller Öffentlichkeit so viel Hang zu Wut und Groll gezeigt wie kaum ein Präsident zuvor. „Der generelle Eindruck war der eines Präsidenten, der tief frustriert ist“. 

„Aus der Welt des Reality-TV“

Philip Rucker, Kommentator der Washington Post, glaubt nicht an ein psychisches Problem des Präsidenten: Trumps wirre Pressekonferenz sei ein bewusster Streich. Mit seinen Provokationen und Attacken wolle er den Blick der Medien ablenken von Themen, die wirklich problematisch für ihn seien. 

Und die spanische Zeitung „El País“ schreibt: „Trumps Kommunikationsfähigkeit stammt aus der Welt des Reality-TV, wo skandalöse und provokative Kommentare das Publikum unterhalten (...). Aber ob er auf lange Sicht mit seiner wenig konventionellen Strategie triumphieren kann, ist eine der großen Fragen, die seine Präsidentschaft aufwirft.“

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