Familienministerin zieht Bilanz

Lob für die Bufdis: "Politische Sensation"

+
Familienministerin Schröder ist schwer begeistert.

Berlin - Bei seinem Start fragten sich viele, ob der Bufdi den Zivi ersetzen kann. Familienministerin Schröder verkauft den neuen Freiwilligendienst als Sensation, es gibt aber auch kritische Stimmen.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hat eine positive Bilanz nach knapp einem Jahr Bundesfreiwilligendienst (BFD) gezogen. “Was bisher über eine Dienstpflicht lief - der Zivildienst war ja das Gegenstück zur Wehrpflicht - funktioniert jetzt fast nahtlos über Freiwilligkeit. Das ist eine politische Sensation“, sagte Schröder der Zeitung “Die Welt“ (Mittwoch). Im ersten Jahr hätten sich 50 000 Menschen an dem Dienst beteiligt, 20 Prozent seien älter als 50 Jahre.

“Wir sprechen damit also nicht nur die Jungen, sondern auch die Älteren an: den Schreinermeister im Ruhestand, der in die Kita geht und mit den Kindern Vogelhäuser baut. Die pensionierte Lehrerin, die Kindern mit Migrationshintergrund bei den Hausaufgaben hilft“, sagte Schröder. Der BFD wurde zum 1. Juli 2011 als Ersatz für den zusammen mit der Wehrpflicht weggefallenen Zivildienst geschaffen.

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) zog eine gemischte Bilanz. Die Freiwilligen seien hoch motiviert und engagiert, lobte der Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler. Wichtig sei aber auch die Fortbildung der “Bufdis“. “Doch nach wie vor hat der Bund im BFD keine Qualitätskriterien für die pädagogische Betreuung vorgelegt.“

Soldat oder Zivi: Was die Promis machten

Bund oder Zivildienst. Diese Frage stellt sich allen jungen Männern, sobald der Musterungsbescheid ins Haus flattert. Jetzt wurden beide Dienste auf sechs Monate verkürzt. Wir zeigen, welcher Promi Soldat war und wer als Zivi diente.  © dpa
Harald Schmidt leistete seinen Zivildienst im Pfarrbüro der Kirchengemeinde Nürtingen (Baden-Württemberg). Auf die Frage, warum er nicht zum Bund gegangen sei antwortete Schmidt: Weil Zivildienstleistende nicht mit der Waffe töten dürfen, versuchen sie es mit Essen auf Rädern.   © dpa
Michael "Bully" Herbig dagegen leistete seinen Werhdienst mit der Waffe in der Hand beim Bund.  © dpa
Der Terminator als Zivi? Absurde Vorstellung. Deswegen diente Arnold Schwarzenegger auch als Panzerfahrer beim österreichischen Bundesheer. Für eine Bodybuilding-Meisterschaft türmte er sogar aus seiner Kaserne.  © dpa
Moderator und Musiker Götz Alsmann war ebenfalls beim Bund. Seine heutige Frisur passte aber wohl nicht unter den Helm.  © dpa
Tote-Hosen-Sänger Campino war dagegen Zivi. Er leistete seinen Dienst in der Rheinischen Landesklinik für Psychiatrie in Düsseldorf.  © dpa
Moderator und Promi-Versteher Reinhold Beckmann war Zivi in einer Jugendbildungseinrichtung.  © dpa
Entertainer Thomas Gottschalk war weder Soldat noch Zivi. Er wurde als Halbwaise ausgemustert.  © dpa
Gottschalks Kollege Günther Jauch entkam dem staatlichen Zwangsdienst aus einem ganz anderen Grund: Er lebte in Berlin - die Stadt war durch das Viermächteabkommen entmilitarisiert. West-Deutsche mit Wohnsitz im Westteil Berlins wurden nicht eingezogen.  © dpa
RTL-Moderator Oliver Geissen ging dagegen zum Bund und robbte mit dem Gewehr in der Hand über den Boden.  © dpa
Komiker Dirk Bach leistete seinen Zivildienst in Köln.  © dpa
Unser Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) diente selbstverständlich in der Bundeswehr. Er leistete seinen Wehrdienst bei den Gebirgsjägern in Mittenwald.  © dpa
Nationalspieler Lukas Podolski diente dem deutschen Staat als Zivi. Von April bis Dezember 2005 leistete Poldi seinen Zivildienst mit einer Sonderregelung für Spitzensportler von 15 Stunden pro Woche - und zwar im Olympia-Stützpunkt im heimatlichen Köln.  © dpa
Auch Poldis Nationalmannschaftskollege Per Mertesacker war Zivi. Er diente in einer geschlossenen Anstalt für Geistigbehinderte. Mertesacker: "Für mich war das ein guter Ausgleich neben dem Fußball."  © dpa
Der King of Rock 'n' Roll diente als G.I. für die US-Army in Deutschland. Elvis Presley leistete seinen Wehrdienst unter anderem von 1958 bis 1960 im Panzerbatallion der 3rd Armored Division in Friedberg (Hessen).  © dpa
DSDS-Gewinner Alexander Klaws wurde wegen einer Wespengift-Allergie ausgemustert.  © dpa
Sat1-Moderator Kai Pflaume war Soldat. Er diente in der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR.  © dpa
"Isch hab' gedient", kann Hape Kerkeling sein. Und zwar als Zivi.  © dpa
War ebenfalls Zivildienstleistender: Schwimmstar Paul Biedermann.  © dpa
RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel kennt dagegen den Drill auf dem Kasernenhof: Er war bei der Bundeswehr.  © dpa
Auch Starkoch Johann Lafer war Soldat. Er diente im österreichischen Bundesheer.  © dpa
Ex-Nationalspieler Marco Bode war Zivi. Nach eigenen Angaben erfuhr er im Altenheim „wahren Wert der Gesundheit und Jugend“.  © dpa
Moderator Stefan Raab leistete 1986/1987 seinen Grundwehrdienst bei der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums in Köln-Wahn ab.  © dpa
Komiker Hans Werner Olm entging seiner Einberufung, indem er nach West-Berlin zog: „Ich hatte keine Lust auf Bundeswehr. Und in Berlin war man davon befreit.“  © dpa
Ex-Boxweltmeister Henry Maske war Soldat in der DDR. Er brachte es sogar zum Offizier der NVA.  © dpa
Im Westen diente Moderator Jürgen von der Lippe beim Bund. Und zwar in Olivgrün. Hawaii-Hemden sind im Manöver eher unpraktisch.  © dpa
Schauspieler Til Schweiger leistete kurzzeitig seinen Wehrdienst beim Bund. Dann verweigerte er den Dienst an der Waffe aus Gewissensgründen und wurde Zivi im Krankenhaus.  © dpa
Muskelmann Ralf Möller dagegen zog seinen Wehrdienst beim Bund durch. Er berichtet: "Ich habe meinen Wehrdienst bei den Pipeline-Pionieren absolviert, von 1979 bis 1981, Bataillon 840 in Wuppertal-Elberfeld."  © dpa
BAP-Sänger Wolfgang Niedecken diente als Zivi. Er wurde in der Altenbetreuung und beim Essen auf Rädern in Köln eingesetzt.  © dpa
Rodel-Olympiasieger Georg Hackl war Sportsoldat bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr in Bischofswiesen. Er brachte es bis zum Dienstgrad eines Stabsfeldwebels.  © dpa
Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) war zwar ein guter Fußballspieler und bestimmt tauglich. er wurde aber als Sohn einer Kriegerwitwe nicht eingezogen.  © dpa
Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) Philipp Rösler war Sanitätsoffizier bei der Bundeswehr.  © dpa
Grünen-Fraktionsvorsitzender musste nach dem Abitur zunächst zum Bund. Seine Kriegsdienstverweigerung war zunächst nicht anerkannt worden. Er klagte sich allerdings in den Zivildienst und arbeitete in einem Heim für schwer erziehbare Jungen bei Bremen.  © dpa
Komiker Mike Krüger ging zum Bund. Er war Funkfernschreiber bei der Marine in Glücksburg, Flensburg sowie beim Marinefliegergeschwader 1 (MFG1) in Kropp/Jagel.  © dpa
CSU-Ehrenvorsitzender Edmund Stoiber sitzt auf diesem Bild zwar im Panzer. Er absolvierte seinen Grundwehrdienst aber bei der Gebirgsdivision in Mittenwald und Bad Reichenhall.  © dpa
Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele diente beim Bund. Er lehnte aber die übliche Beförderung zum Gefreiten ab.  © dpa
Er hatte ein Gewehr in der Hand und war ein Soldat: Komiker Bernd Stelter war in Unna-Königsborn im Nachschub-Bataillon stationiert.  © dpa

Die kommunalen Spitzenverbände forderten, den BFD weiter auszubauen. Bereits jetzt seien 25 Prozent der Plätze für das Jahr 2013 vergeben, erklärten die Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, des Deutschen Landkreistages und des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. “Diese große Nachfrage sollte man nicht ausbremsen.“

Ministerin Schröder sagte in der “Welt“, eine Aufstockung der Stellen sei zurzeit nicht möglich. “Leider haben die Haushaltspolitiker aller fünf Bundestags-Fraktionen übereinstimmend gesagt, dass im Moment keine zusätzlichen Mittel vorhanden sind.“

Der FDP-Abgeordnete Florian Bernschneider wies die Kritik der Opposition an Mehrfachstrukturen von BFD und den Jugendfreiwilligendiensten FSJ und FÖJ zurück. Der SPD-Abgeordnete Sönke Rix hatte der Zeitung “Die Welt“ gesagt: “Ein langfristiges Ziel von SPD und Grünen ist es, die Dienste unter einem Dach zusammenzuführen - mit einer rechtlichen Grundlage und einer Struktur.“ Bernschneider hielt dagegen: “Wer nach einer einheitlichen Freiwilligendienststruktur ruft, muss auch sagen, dass dafür eine Umverteilung von Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern notwendig wäre.“

dpa

Auch interessant:

Meistgelesen

Wer soll als OB ins Rathaus einziehen?
Wer soll als OB ins Rathaus einziehen?
Iran-Experte hat düstere Prognose für Mullahs - und macht bedenkliche Aussage zu Deutschland
Iran-Experte hat düstere Prognose für Mullahs - und macht bedenkliche Aussage zu Deutschland
Iran-Konflikt: Bekommt Trump jetzt die Quittung für krasse Fehlgriffe? Senat stimmt über Entmachtung ab
Iran-Konflikt: Bekommt Trump jetzt die Quittung für krasse Fehlgriffe? Senat stimmt über Entmachtung ab
Greta Thunberg: Komikerin sorgt mit unglaublicher Aussage für rabiate Kritik - „Ekelhaft“
Greta Thunberg: Komikerin sorgt mit unglaublicher Aussage für rabiate Kritik - „Ekelhaft“

Kommentare