CDU-Vorsitzender schon unter Druck

Laschet oder Söder? Warum die Landtagswahlen am Sonntag zur Vorentscheidung der K-Frage führen könnten

Noch hat die Union keinen Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl bestimmt. Die Ergebnisse der Landtagswahlen am Sonntag könnten jedoch eine Vorentscheidung bringen.

Stuttgart/Mainz - Das Superwahljahr 2021 an dessen Ende die deutschen Bürger erstmals seit 2005 einen neuen Bundeskanzler bestimmen müssen, wird am Sonntag mit einem Knall eingeleitet, wenn gleich zwei Landtagswahlen anstehen. Während die Union in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit Susanne Eisenmann und Christian Baldauf als Spitzenkandidaten ins Rennen geht, ist die Entscheidung über den Kanzlerkandidaten von CDU/CSU bei der Bundestagswahl im September noch immer nicht gefallen.

Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2021: Dreyer und SPD könnten Union weiter aus der Regierung heraushalten

Jedoch könnten die Landtagswahlen am Sonntag sich als eine Art Vorentscheidung für die Beantwortung der Kanzlerfrage in der Union zeigen. Denn ausgerechnet bei den ersten Wahlen unter ihrem neuen Vorsitzenden Armin Laschet* könnte die CDU einen herben Rückschlag erfahren. In der Landespolitik von Rheinland-Pfalz* konnte die Union schon seit Jahrzehnten keine Regierungsverantwortung mehr übernehmen und die jüngsten Umfragen machen nicht den Eindruck, dass sich dieser Umstand nach Sonntag ändern könnte.

Das vor allem zu Zeiten von Helmut Kohl stark von der CDU geprägte Bundesland wird voraussichtlich auch in den nächsten fünf Jahren wieder eine sozialdemokratische Ministerpräsidentin haben. Malu Dreyer (SPD) hat gute Chancen auf eine dritte Amtszeit. Auch wenn die SPD in den jüngsten Umfragen knapp vier Prozentpunkte im Vergleich zu 2016 einbüßen musste, könnte durch die prognostizierten Stimmgewinne von Grünen und FDP die „Ampelkoalition“ im Kabinett Dreyer III fortgeführt werden.

Landtagswahl Baden-Württemberg 2021: CDU auf dem absteigenden Ast - erster Rückschlag für Laschet droht

Bitter könnte es für die CDU* aber vor allem in Baden-Württemberg* werden, wo die CDU aktuell noch Teil der von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) angeführten Regierung sind. Kretschmann, der in Baden-Württemberg parteiübergreifend große Beliebtheit genießt, wird die Grünen aller Voraussicht nach erneut zur stärksten Kraft im Landtag machen. Doch aufgrund der prognostizierten Stimmverluste der Union besteht die Möglichkeit, dass der 72-Jährige eine Koalition ohne die CDU aufbauen kann.

Denkbar wäre hier so gar eine sogenannte „Limettenkoalition“ aus Grünen und FDP oder wie in Rheinland-Pfalz eine Ampelkoalition. So oder so wäre ein ausscheiden aus der Regierung für die Union ein herber Rückschlag, den Armin Laschet als Parteivorsitzender mitzuverantworten hätte. Rückschläge für Laschet bedeuten gleichzeitig Vorteile für Markus Söder in Bezug auf eine mögliche Kanzlerkandidatur.

Armin Laschet oder Markus Söder? Sorgt die Ampelkoalition für einen Strategiewechsel bei der Union?

Es besteht die Gefahr für die Union, dass eine Ampelkoalition auch auf Bundesebene zu einer möglichen Alternative aufsteigen und die Union somit aus dem Kanzleramt gedrängt werden könnte. Sollte sich die Ampel sowohl in Rheinland-Pfalz* als auch in Baden-Württemberg* durchsetzen, könnten die kritischen Stimmen gegen Armin Laschet mit Blick auf die Bundestagswahl lauter werden. Dann wäre ebenfalls ein Strategiewechsel denkbar, der Markus Söder als Kanzlerkandidat der Union vorsieht.

Wer wird der Kanzlerkandidat der Union? CDU-Vorsitzender Armin Laschet oder CSU-Chef Markus Söder?

Rückenwind für SPD und Grüne: CDU könnte als klarer Verlierer aus den Landtagswahlen gehen

Auf der anderen Seite könnte der Kanzlerkandidat der SPD, Olaf Scholz, mit Rückenwind aus den Landtagswahlen gehen. Sollte Malu Dreyer ihr Ministerpräsidentinnen-Amt behalten und die SPD auch in Baden-Württemberg in die Regierung einziehen, könnte der Finanzminister trotz Stimmverlusten ein positives Fazit aus der Wahlen ziehen und somit den Druck auf die Union erhöhen. Gleiches gilt für die Grünen, die sich voraussichtlich in beiden Regierungen halten werden und mit Stimmgewinnen in Richtung Bundestagswahl gehen könnten. (fd) *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa-Pool/dpa

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