SPD-Generalsekretär zur Corona-Pandemie

Klingbeil warnt vor Delta-Variante: „Volle Stadien sind befremdlich“

Delta auf dem Vormarsch: Trotz steigenden Corona-Zahlen reisen Fußballfans kreuz und quer. Lars Klingbeil (SPD) warnt vor den Folgen. Sind Schulen bald wieder dicht?

Berlin – Die Sorge vor einer rasanten Ausbreitung der Delta-Mutation wächst: Einen Tag vor dem EM-Achtelfinalspiel zwischen Deutschland und England gewinnt die Debatte um Kontrollen von Urlaubsrückkehrern an Fahrt. So beobachtet SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil die ungehinderten Reisen von Fußballfans durch Europa mit wachsendem Unbehagen*. Bei aller Euphorie empfinde er die Bilder von vollen Zuschauerrängen in den Stadien als „befremdlich“, sagte er im Exklusiv-Interview mit kreiszeitung.de. Er könne durchaus den Unmut vieler Eltern verstehen, die feiernden Fans ohne Maske und Mindestabstand sähen und für den Herbst erneut Schulschließungen befürchten müssten.

Deutscher Politiker:Lars Klingbeil (SPD)
geboren:23. Februar 1978 (Alter 43 Jahre), Soltau
Ehefrau:Lena-Sophie Müller (verheiratet seit 2019)
Aktuelle Ämter:Bundestagsabgeordneter und Generalsekretär

Die Partie der deutschen Nationalmannschaft soll am Dienstagabend vor 44.000 Zuschauern im Londoner Wembley-Stadion stattfinden. Allerdings steigen in England, wie in vielen anderen Ländern auch, die Corona-Zahlen wieder. Schuld ist die deutlich aggressivere Coronavirus-Delta-Variante*. Vor diesem Hintergrund dringen bereits viele Ministerpräsidenten wieder auf eine Verschärfung von Einreise-, Test- und Quarantäneregeln für Reiserückkehrer*. Auch Niedersachsens Länderchef Stephan Weil sowie Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (beide SPD) machten sich dafür stark. Und auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte vor zu großer Reiseaktivität*.

Coronavirus: Reiserückkehrer befeuern Ausbreitung der Delta-Variante – Lars Klingbeil fordert klare Regeln

Klingbeil zeigte Verständnis für den Wunsch nach Lockerungen. Dennoch warnte er vor zu viel Euphorie. „Wir müssen verdammt vorsichtig sein. Corona ist noch nicht vorbei“, sagte der Generalsekretär zu kreiszeitung.de. Zwar könne noch niemand die genauen Entwicklungen vorhersagen, aber es gelte die kommenden Wochen zu nutzen, um sich gegen eine mögliche vierte Infektionswelle in Deutschland zu wappnen. Insbesondere mit Blick auf die Kitas und Schulen müssten Vorkehrungen getroffen werden, forderte der Sozialdemokrat.

Warnt vor einer Ausbreitung der Delta-Mutation: SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil (SPD).

Die zuerst in Indien entdeckte Delta-Variante gilt als hochansteckend*. Nach Expertenmeinung schützt aber eine vollständige Impfung hinreichend*. Jedoch werden viele Kinder und Jugendliche im Herbst keinen ausreichenden Impfschutz haben. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte deswegen bereits in der vergangenen Woche über eine Rückkehr zum Wechselunterrichtsmodell im Herbst spekuliert.

Klingbeil nannte dieses Vorgehen nun wenig hilfreich. Statt wochenlang im Voraus Eltern zu beunruhigen, sollte Spahn lieber Vorkehrungen treffen und Druck beim Impfen* machen. „Die Situation ist ja keine Überraschung. Eigentlich hat man zwischen dem ersten und zweiten Lockdown gesehen, was getan werden muss“, sagte der Niedersachse. Impfen bleibe oberste Priorität. Es sei wünschenswert, wenn auch „Kinder und Jugendliche ein Angebot“ bekämen. Außerdem müssten im Sommer alle Klassenräume mit Luftfilteranlagen ausgestattet, die Maskenpflicht aufrechterhalten und die Digitalisierung weiter vorangetrieben werden.

Delta-Mutation: Generalsekretär wünscht sich Impfung für Kinder und Jugendliche

Die bislang schleppende Digitalisierung in den Schulen ist aus Sicht des SPD-Generalsekretärs die Schuld der CDU. Namentlich der Bundesbildungsministerin Anja Karliczek warf Klingbeil „Ambitionslosigkeit“ vor. Diese habe die Umsetzung des Digitalpaktes von Bund und Ländern über Jahre „verpennt“, kritisierte der Sozialdemokrat. Doch auch Bundeskanzlerin Angela Merkel habe ihn ihren letzten Kanzlerjahren keine Kraft mehr gehabt, große Veränderungen im Land anzustoßen.

Hoffnungen, dass Unions-Kronprinz Armin Laschet das Thema voranbringen könnte, macht sich Klingbeil ebenfalls nicht. „Die Fußstapfen von Merkel sind ihm zu groß“, sagte Klingbeil zu den Wahlchancen von Kanzlerkandidat Laschet, der in den Umfragen derzeit vor seinen Kontrahenten Annalena Baerbock* (Grüne) und Vizekanzler Olaf Scholz* (SPD) liegt. Dennoch zeigte sich Klingbeil im Gespräch mit kreiszeitung.de für die kommenden 90 Tage im Wahlkampf noch zuversichtlich. Er sagte: „Die SPD wird noch ordentlich zulegen.“ kreiszeitung.de, 24hamburg.de und fr.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Britta Pedersen/dpa

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