Ex-Minister rechnet mit sich ab

Guttenberg: "Ich war eitel und dumm"

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Karl-Theodor zu Guttenberg spricht auf dem Alpensymposium im schweizerischen Interlaken.

Interlaken - Bei einer Veranstaltung in der Schweiz hat Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) eigene Fehler angeprangert. Gleichzeitig spottete der EU-Beauftragte für Internetfreiheit über die Europäische Union.

Wie die "Bunte" in ihrer aktuellen Ausgabe berichtet, trat der frühere CSU-Star beim "Alpensymposium" im schweizerischen Interlaken auf - einer hochkarätigen Veranstaltung, für die Zuhörer (vorwiegend Manager) pro Tag 695 Franken (rund 560 Euro) zahlen.

Für ihr Geld bekamen die Besucher von Guttenberg immerhin klare Worte zu hören. Zu seinem Sturz infolge der Plagiatsaffäre meinte er:  "Aus einer fatalen Mischung aus Selbstüberschätzung, Eitelkeit und Dummheit bin ich fürchterlich auf die Schnauze gefallen."

Mittlerweile freut er sich aber über die angenehmen Seiten des Lebens nach der Politik. So habe er das "Zeithaben" neu entdeckt und das "Genießen lernen dürfen". Zudem gefalle es ihm, unerkannt in New York U-Bahn fahren zu können.

Guttenberg: Der "Top Gun"-Minister a.D.

Er sieht aus wie Hollywood-Star Tom Cruise im Action-Film "Top Gun": Verteidigungsminister a.D. Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Der Grund für diesen coolen Auftritt?  © AP
Guttenberg ist auf dem Flugzeugträger "USS Harry S. Truman" an einem unbekannten Ort im Mittelmeer südlich von Sizilien gelandet. © AP
Die USS Harry S. Truman (CVN-75) ist der achte Flugzeugträger der atomgetriebenen Nimitz-Klasse der US Navy. © AP
Laut Verteidigungsministerium ist dieser Einsatz auch im deutschen Interesse. Denn die Bundeswehr-Fregatte "Hessen" gehört zum begleitenden Konvoi des US-Flugzeugträgers. © AP
Die "Hessen" ist seit Mai als erstes deutsches Schiff Teil der US-Trägergruppe. Die begleitenden Schiffe sollen den amerikanischen Flugzeugträger vor möglichen Bedrohungen schützen. © AP
Für unseren Verteidigungsminister war es eine spektakuläre Landung: Das Fangseil bremste Guttenbergs Flugzeug in nur zwei Sekunden von 190 auf 0 km/h, berichtet die "Bild"-Zeitung.   © AP
Guttenberg erschien in kompletter Fliegermontur. © AP
Außerdem knipste er mit seinem Handy ein paar Fotos vor Ort. © AP
Der Minister im Landeanflug auf die "USS Harry S. Truman". © AP
Guttenberg beim Aktenstudium in einem Bundeswehr-Airbus A319 CJ. © dpa
Guttenberg beim Aktenstudium in einem Bundeswehr-Airbus A319 CJ. © AP
Guttenberg steigt auf dem Berliner flughafen Tegel in den Bundeswehr-Airbus A319 CJ. © dpa
Guttenberg steigt auf dem Berliner flughafen Tegel in den Bundeswehr-Airbus A319 CJ. © AP

Zwar hatte Guttenberg kürzlich in der Schweizer Zeitung "Der Sonntag" angekündigt, deutsche Medien mit einem Dauer-Boykott zu belegen. Allerdings dürfte dem Ex-Minister klar gewesen sein, dass es seine Sprüche aus der Schweizer Veranstaltung wieder in die deutschen Medien schaffen würden. Zumal ja auch ein "Bunte"-Reporter in Interlaken anwesend war...

Auf seine selbst gestellte rhetorische Frage: "Warum sucht der Guttenberg wieder das Podium?" gab er sich auch gleich die Antwort: "Nach schwierigen Monaten darf man sich wieder in die Debatten einschalten - ohne auf ein Amt zu schielen."

Für die EU, in deren Dienstan "KT" seit über einem Jahr als Beauftragter für Internetfreiheit steht, hatte er nur wenig schmeichelhafte Worte übrig. Diese erinnere ihn an einen "Operationstisch , an dem 27 Ärzte hantieren und sich gegenseitig sabotieren." Bleibt abzuwarten, wie diese Worte bei der EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, Neelie Kroes, ankommen, die Guttenberg sein Amt in der Europäischen Union verschafft hat.

Rücktritt & Comeback: Diese Politiker haben es zurückgeschafft

Politiker-Comebacks nach Rücktritt
Der Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg muss nicht für immer das Ende seiner politischen Karriere bedeuten. Mehrfach verzichteten Politiker nach einem Fehlverhalten auf Spitzenämter, tauchten aber irgendwann wieder auf: © dpa
Politiker-Comebacks nach Rücktritt
Otto Wiesheu: Als CSU-Generalsekretär verursachte er 1983 betrunken einen tödlichen Verkehrsunfall auf der Autobahn. Er wurde zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Wiesheu arbeitete zunächst bei der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung. 1990 wurde er Staatssekretär im bayerischen Kultusministerium, 1993 Verkehrsminister Bayerns. © dpa
Politiker-Comebacks nach Rücktritt
Franz Josef Strauß: Der damalige Bundesverteidigungsminister trat 1962 wegen der Spiegel-Affäre zurück. Der CSU-Politiker schien politisch am Ende, doch die Partei hielt zu ihm. 1966 wurde er Bundesfinanzminister, 1978 Ministerpräsident in Bayern und 1980 sogar Kanzlerkandidat der Union. © dpa
Politiker-Comebacks nach Rücktritt
Wolfgang Schäuble: Der heutige Bundesfinanzminister stürzte im Jahr 2000 wegen der CDU-Spendenaffäre um den Waffen-Lobby­isten Schreiber. Er zog sich in die zweite Reihe zurück. 2005 dann das Comeback: Er wurde zum Bundesinnenminister ernannt, 2009 zum Finanzminister. © dpa
Politiker-Comebacks nach Rücktritt
Cem Özdemir: Der Grünen-Politiker legte 2002 sein Amt als innenpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion nieder, nachdem ein Billigkredit des PR-Beraters Moritz Hunzinger sowie privat genutzte Bonusmeilen für Empörung gesorgt hatten. 2008 wurde er Vorsitzender der Partei - gemeinsam mit Claudia Roth. © dpa
Politiker-Comebacks nach Rücktritt
Gregor Gysi: Auch Gregor Gysi trat im Jahr 2002 im Rahmen einer Bonusmeilen-Affäre von seinen politischen Ämtern zurück. 2005 trat er als Spitzenkandidat für die Linkspartei bei der Bundestagswahl an und ist seither wieder Bundestags-Abgeordneter. © dpa
Politiker-Comebacks nach Rücktritt
Franz Josef Jung: Ihm wurden die Finanzen der CDU zum Verhängnis. Als hessischer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Hessischen Staatskanzlei wurde Jung in der hessischen Spendenaffäre der CDU zum "Bauernopfer" und trat 2000 zurück. 2005 wurde Jung von Kanzlerin Merkel als Bundesminister der Verteidigung berufen. © dpa
Politiker-Comebacks nach Rücktritt
Jürgen W. Möllemann: Der verstorbene Jürgen W. Möllemann (FDP) musste im Jahr 1993 nach der "Briefbogen-Affäre" von seinem Amt als Wirtschaftsminister und Vizekanzler zurücktreten. Er hatte auf dem Briefbogen des Ministeriums für Produkte eines Verwandten geworben. Im Jahr 2000 schaffte es die FDP unter der Führung von Möllemann mit einem erfolgreichen Wahlergebnis wieder in den Landtag. © dpa

Spott gab es von Guttenberg auf dem Symposium auch für Russlands Präsident Wladimir Putin: Der sei "so testosterongeschwängert, dass man den Verdacht haben könnte, er habe den gleichen Arzt wie Lance Armstrong."

Natürlich wolle Guttenberg wieder gehört werden. Allerdings wisse er nicht, "ob die Politik die richtige Form ist". Überhaupt würden Politiker nur "reagieren, das Agieren verkümmert".

Mal sehen, ob der Politikbetrieb nach solchen Sprüchen überhaupt noch eine Rückkehr des einstmals beliebtesten deutschen Politikers ersehnt.

fro

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