„Smalltalk und Selfies“

Greta Thunberg und Angela Merkel: Pikante Erzählung - Aktivistin gibt Einblick hinter die Kulissen

Greta Thunberg hat im Radio die Erlebnisse ihrer Weltreise geschildert - zu hören ist offene Abscheu gegen die große Politik. Eine prominente Rolle spielt Angela Merkel.

  • Mit einer Reise um die Welt in Sachen Klima hatte Greta Thunberg 2019 Schlagzeilen gemacht.
  • Dem schwedischen Radio gab die Aktivistin nun Einblicke hinter die Kulissen der Weltpolitik.
  • Eine nicht direkt positive Hauptrolle erhält dabei Kanzlerin Angela Merkel.

Stockholm/München - Von Mitte Juni bis Mitte August liegt Schweden in einer Art Dauerurlaub, auch ganz ohne Corona - die Schulen pausieren satte zwei Monate. Während des skandinavischen Sommers pflegt auch das staatliche Radio SR eine besondere Tradition: Im Sender P1 bekommen Prominente eine gute Stunde Sendezeit übereignet. Vor kurzem war Greta Thunberg an der Reihe. 

Die Klimaaktivistin* hat dabei mitnichten eine kleine Sommerfrische am Mikrofon eingelegt - sondern nun, kurz vor ihrer Rückkehr an die Schule, ein ernüchtertes Urteil über die Politik in aller Welt gefällt. Einen expliziten Seitenhieb bekam dabei auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ab.

Greta Thunberg beschwert sich über große Politik - Angela Merkel spielt eine Hauptrolle

Anlass der Kritik ist Thunbergs weithin bekannter Auftritt vor den Vereinten Nationen in New York (Merkur.de* berichtete). Im „grünen Raum“ der Vereinten Nationen habe sie eigentlich ihre Rede durchgehen wollen, erinnert sich die Klimaaktivistin in der auf Englisch verfügbaren Sendung. Dazu sei sie allerdings nicht gekommen, weil Politiker und Staatsoberhäupter reihenweise „Smalltalk und Selfies“ wollen. 

Erst habe UN-Generalsekretär António Guterres sie angesprochen. „Dann ist es an Kanzlerin Angela Merkel*, mir zu gratulieren, ein Foto zu machen und mich zu fragen, ob es okay ist, es auf Instagram zu posten.“ In der Folge habe sich eine Schlange vor ihrem Sitzplatz gebildet - Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern etwa sei gar nicht mehr vor Start der Debatte an die Reihe gekommen.

Angela Merkel und Greta Thunberg: „Smalltalk und Selfies“ bei den Vereinten Nationen

Eine offenbar auch von Merkel mit losgetretene Situation, die Thunberg mit gewisser Empörung schildert. „Sie haben mich gesehen und damit die Chance, ein Foto mit mir für ihren Instagram-Account zu schießen“, erklärte sie. „Vielleicht lässt sie das die Scham darüber vergessen, dass ihre Generation alle künftigen Generationen im Stich lässt. Ich nehme an, dass ihnen das vielleicht hilft, nachts Schlaf zu finden.“

Ein Foto der geschilderten Szene: Angela Merkel trifft Greta Thunberg in New York - das Foto wurde über den Twitter-Account von Regierungssprecher Steffen Seibert verbreitet.

Allerdings, auch das betont Thunberg, habe es sich nicht um Merkel allein gehandelt: „Präsidenten, Ministerpräsidenten, Könige und Prinzessinnen kamen alle zu mir und wollten mit mir sprechen.“ Das Fazit der Aktivistin fällt bitter aus: Für Gratulationen und Feierlichkeiten habe es keinen Anlass gegeben - „ein weiteres Treffen ist vorüber und alles was bleibt, sind leere Worte.“

Greta Thunberg: Kritik an Trumps USA, aber auch an Kanada

Auf ihre viel beachtete Klima-Reise durch die halbe Welt blickt die Teenagerin mit gewisser Ernüchterung. Alles, was von ihrer Rede bei den UN hängengeblieben sei, seien die Worte „how dare you“, konstatiert sie. 

Auch die klimapolitische Lage in den nordamerikanischen Ländern rügte Thunberg - und dabei explizit nicht nur Donald Trumps* USA, sondern auch das als progressiver geltende Kanada von Premier Justin Trudeau

Greta Thunberg irritiert über US-Abgeordnete - Appell an Menschen in aller Welt

So gebe es zwar in den Vereinigten Staaten, dem „reichsten Land der Welt“, „abgesehen von ein paar Windrädern und Solar-Paneelen keinerlei Zeichen einer nachhaltigen Veränderung“. In der von der Öl-Industrie geprägten kanadischen Provinz Alberta habe sie allerdings sogar mehrfach Polizeischutz benötigt, „wenn der Level von Bedrohungen und schieren Schikanen zu ernst wurde“.

Offenen Spott hatte die junge Schwedin für das US-Repräsentantenhaus übrig. „Fast-Food-Ketten, Hamburger, Süßigkeiten und Eiscreme-Läden“ - „hier findet man die mächtigsten Entscheider der Welt, wie sie in ihren Anzügen dasitzen und pinke Milkshakes trinken, Junkfood und Süßkram essen“, beschreibt sie die Szenerie im „Food Court“ des Parlaments in Washington.

Thunberg erneuerte zugleich ihren dringlichen Appell an Menschen in aller Welt: Solle es noch eine kleine Chance, die von den Staatenlenkern vereinbarten Ziele zu erreichen, müsse die Emissionskurve 2020 drastisch nach unten gehen. „Wir müssen jetzt das scheinbar Unmögliche tun. Und das ist deine und meine Aufgabe. Denn niemand anders wird es für uns tun.“ 

Die 17-Jährige hatte sich zuletzt auch

mit harscher Kritik an der deutschen Klimapolitik

zu Wort gemeldet - und

sich zum Umgang mit der Corona-Pandemie geäußert

US-Präsident Donald Trump gerät in seiner Heimat weiter unter Druck. Ein Bericht wirft ihm nun „wahnhaften“ Umgang mit anderen Staatschefs vor. Angela Merkel soll Trump massiv beleidigt haben.(fn) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa / Twitter @RegSprecher

Auch interessant:

Meistgelesen

Maskenpflicht in Spanien: Katalonien will Corona-Regeln verschärfen
Maskenpflicht in Spanien: Katalonien will Corona-Regeln verschärfen
Verfassungsbeschwerde abgewiesen: Kommunalwahl in NRW findet wie geplant statt
Verfassungsbeschwerde abgewiesen: Kommunalwahl in NRW findet wie geplant statt
Nichte: Trump täuschte bei Uni-Zulassung
Nichte: Trump täuschte bei Uni-Zulassung
USA treten aus Weltgesundheitsorganisation aus
USA treten aus Weltgesundheitsorganisation aus

Kommentare