Euro-Rettung schön und gut, aber...

Zahlt sich Deutschland in die Staatspleite?

Berlin - Die Summe ist so hoch, dass man die Tragweite schwer fassen kann: Wenn alles schief geht, muss Deutschland für die Euro-Rettung 310 Milliarden Euro zahlen - mindestens.

Das geht aus einem gemeinsamen Bericht des Bundesrechnungshofes und des Finanzministeriums zum deutschen Risiko bei den Euro-Rettungsschirmen EFSF und ESM hervor. Das ist mehr als der Bund im gesamten nächsten Haushalt zur Verfügung hat.

Bemessen an dem Anteil der Bundesrepublik von 29 Prozent am Kapital der Europäischen Zentralbank EZB beläuft sich der Anteil für die “Brandschutzmauer“ beim EFSF auf 95,3 Milliarden Euro. Sein Ausleihvolumen beläuft sich auf 440 Milliarden Euro. Mit 190 Milliarden Euro davon wurde bisher Griechenland, Portugal und Irland unter die Arme gegriffen. Für die Absicherung des Euro-Rettungsschirms ESM mit seiner Kreditsumme von 500 Milliarden Euro steht Deutschland mit 190 Milliarden Euro gerade.

Eurobonds und Finanztransaktionssteuer: Instrumente gegen Euro-Krise

Eurobonds und Finanztransaktionssteuer sind seit langem diskutierte Instrumente im Kampf gegen die Euro-Finanzkrise. © ap
Eurobonds sind gemeinsam ausgegebene Anleihen aller Eurostaaten. Bisher zahlen die einzelnen Länder für ihre Staatsanleihen unterschiedliche Risikoaufschläge, also Zinsen für ihre Kredite - je nach dem, für wie zahlungsfähig die Investoren den jeweiligen Staat beurteilen. Mit gemeinsam ausgegebenen Papieren entstünde in der Eurozone ein einheitlicher Zinssatz für alle Euroländer. © dpa
Befürworter von Eurobonds argumentieren, mit Gemeinschaftsanleihen steige die Kreditwürdigkeit der Eurozone als Ganzes. Derzeit können sich Länder wie Spanien und Italien nur noch gegen kritisch hohe Zinsaufschläge Geld zur Finanzierung ihres Haushalts beschaffen. Deutschland hingegen nimmt momentan extrem günstig neue Kredite auf, weil es als sehr zahlungsfähig gilt. © dpa
Mit Eurobonds müsste jedoch auch die Bundesrepublik den Investoren eine deutlich höhere Rendite zahlen. Das würde den Bundeshaushalt stärker belasten. Zudem argumentieren Kritiker der Bonds, dass mit einer Vergemeinschaftung der Schulden der Druck zu Sparmaßnahmen und Reformen in den Krisenländern Südeuropas sinken würde. © dpa
Die Finanztransaktionssteuer soll nach einem Vorschlag der EU-Kommission für sämtliche Finanzprodukte wie Aktien, Anleihen oder Derivate in allen 27 EU-Staaten gelten. Befürworter wie Deutschland und Frankreich erhoffen sich Einnahmen in Milliardenhöhe. Zudem könnte die Abgabe den sensiblen Hochgeschwindigkeitshandel an den Börsen weniger attraktiv machen. © dpa
Kritiker wie Großbritannien und Schweden fürchten, dass die Steuer Banken und Investoren vertreibt und damit der Wirtschaft in Europa schadet. Eine solche Besteuerung sei wettbewerbsschädigend, solange internationale Finanzplätze nicht mitmachen. © dpa

Von den an Griechenland mit dem 2010 beschlossenen ersten Paket bisher ausgezahlten rund 53 Milliarden Euro hat Deutschland bislang gut 15 Milliarden Euro aufgebracht. Für Bürgschaften für den Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus EFSM haftet Deutschland mit rund 10 Milliarden Euro. Das wäre aber noch nicht alles, sagt die Opposition im Bundestag. Denn zugleich lägen bei der EZB Staatsanleihen von Krisenländern mit einem Volumen von 300 Milliarden Euro, für die die Mitgliedstaaten haften.

dpa

Rubriklistenbild: © dapd

Auch interessant:

Meistgelesen

„Leicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen“: Seehofer reagiert auf Maut-Vorwürfe
„Leicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen“: Seehofer reagiert auf Maut-Vorwürfe
Iran-Konflikt: Bekommt Trump die Quittung für krasse Fehlgriffe? Senat stimmt über Entmachtung ab
Iran-Konflikt: Bekommt Trump die Quittung für krasse Fehlgriffe? Senat stimmt über Entmachtung ab
Annegret Kramp-Karrenbauer: Karriere, Privates und die Kanzlerschaft
Annegret Kramp-Karrenbauer: Karriere, Privates und die Kanzlerschaft
Syrien: „Humanitäre Katastrophe“ – Maas drängt auf Deeskalation 
Syrien: „Humanitäre Katastrophe“ – Maas drängt auf Deeskalation 

Kommentare