Countdown für die Bundespräsidentenwahl

Berlin - Endspurt für Christian Wulff und Joachim Gauck: Einen Tag vor der Wahl des neuen Bundespräsidenten stimmen sich am Dienstag die Parteien in Berlin auf die Bundesversammlung ein.

Die Unionsfraktion tagt vor einer Abendveranstaltung mit ihren aus den Ländern entsandten Mitgliedern der Bundesversammlung. Dazu wird der schwarz-gelbe Kandidat, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), erwartet. Auch die Parteigremien von SPD und Grünen kommen zur Vorbereitung der Wahl zusammen.

Christian Wulff: Der Kandidat im Porträt

Christian Wulff: Der Kandidat im Porträt

Christian Wulff ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung für das Amt des Bundespräsidenten.
Er ist lieber Softie als Rabauke. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) gibt sich im politischen Geschäft bescheiden. © dpa
Christian Wulff ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung für das Amt des Bundespräsidenten.
Christian Wulff (M.) ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung für das Amt des Bundespräsidenten. © dpa
Christian Wulff ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung für das Amt des Bundespräsidenten.
Wulffs Gegenkandidaten sind Joachim Gauck (M.), der Kandidat von rot-grün und Luc Jochimsen (r.), die Kandidatin der Linkspartei. © dpa
Christian Wulff ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung für das Amt des Bundespräsidenten.
Trotz seines soften Auftretens lässt Wulffs typisches, beinahe spitzbübisches Lächeln aber erahnen, dass der 50-Jährige hinter den Kulissen kräftig die Strippen zieht. © dpa
Christian Wulff ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung für das Amt des Bundespräsidenten.
Der Mann, der lieber Bananensaft als Wein trinkt, ist ein ehrgeiziger Stratege, sagen politische Weggefährten. Hier posiert Wulff (r.) mit Papst Benedikt XVI. © dpa
Christian Wulff ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung für das Amt des Bundespräsidenten.
Jetzt soll der Katholik und Familienvater nach dem Willen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und der schwarz-gelben Koalition Bundespräsident werden. (Foto: Wulff mit seiner Frau Bettina und Sohn Luis) © dpa
Christian Wulff ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung für das Amt des Bundespräsidenten.
Seit Jahren schon wird gemunkelt, dem Regierungschef werde es in Niedersachsen allmählich zu langweilig. (Foto: Wulff, l.,  mit Songcontest-Gewinnerin Lena und Stefan Raab). © dpa
Christian Wulff ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung für das Amt des Bundespräsidenten.
Ambitionen als Kronprinz von Kanzlerin Merkel stritt Christian Wulff aber ab. © dpa
Christian Wulff ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung für das Amt des Bundespräsidenten.
2008 hatte Wulff gesagt, er traue sich das Amt des Kanzlers nicht zu, er sei kein “Alphatier“. © dpa
Christian Wulff ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung für das Amt des Bundespräsidenten.
Doch Wulffs politisches Umfeld wollte das nicht so recht glauben. © dpa
Christian Wulff Kandidat schwarz-gelbe Regierung Bundespräsidenten.
Zuletzt landete der CDU-Politiker einen Coup, für den er auch im Ausland gefeiert wurde: Er ernannte die erste deutsch-türkische Ministerin in Deutschland und trat damit für eine Öffnung der CDU ein. “Der traut sich was“, hieß es anerkennend. © dpa
Christian Wulff ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung für das Amt des Bundespräsidenten.
Wulff, hier mit Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, steht für einen wirtschaftsliberalen Kurs der CDU. © dpa
Christian Wulff ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung für das Amt des Bundespräsidenten.
Einst ein junger Wilder in der Partei, ist Christian Wullf inzwischen ein Konservativer der Mitte - alles andere als ein Haudrauf und Polarisierer. © dpa
Christian Wulff ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung für das Amt des Bundespräsidenten.
Das einstige Image des spießigen Langweilers, das ihm zu Oppositionszeiten anhaftete, konnte Wulff als Regierungschef schnell abstreifen. © dpa
Christian Wulff Kandidat schwarz-gelbe Regierung Bundespräsidenten
Heute fühlt er sich sogar bei Auftritten auf dem roten Teppich wohl. In zweiter Ehe verheiratet, posiert Wulff mit seiner Frau Bettina schon mal für Fotos in Boulevardmagazinen. (Foto: Wulff und seine Frau beim Landespresseball in Hanover) © dpa
Christian Wulff ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung für das Amt des Bundespräsidenten.
Auch Privates ist für das Paar, das einen zweijährigen Sohn hat, nicht tabu - bisweilen plaudern sie in Talkshows über die rare Zeit zu zweit. © dpa
Christian Wulff ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung für das Amt des Bundespräsidenten.
Seit 2003 steht der 50-Jährige an der Spitze einer schwarz-gelben Koalition in Niedersachsen, 2008 gelang ihm die Wiederwahl. © dpa
Christian Wulff ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung für das Amt des Bundespräsidenten.
Wulff sei der Architekt der vermutlich erfolgreichsten Zusammenarbeit von CDU und FDP, sagt der niedersächsische FDP-Wirtschaftsminister Jörg Bode. © dpa
Christian Wulff ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung für das Amt des Bundespräsidenten.
Nach dem Rückzug von Hessens Ministerpräsident Roland Koch und der Wahlschlappe von Jürgen Rüttgers (beide CDU) in Nordrhein- Westfalen hat der Regierungschef und CDU-Bundesvize unter den Länderfürsten jedenfalls beste Karten. © dpa
Christian Wulff Kandidat schwarz-gelbe Regierung Bundespräsidenten.
Etliche Titel wurden Wulff, der sich gerne landesväterlich und präsidial gibt, schon zugeschrieben. Mal hieß er “Meister Proper“, später sah ihn ein Magazin gar als heimlichen “Autokanzler“. © dpa
Christian Wulff Kandidat schwarz-gelbe Regierung Bundespräsidenten.
Im Machtkampf zwischen Porsche und dem Autobauer VW hatte Wulff mit am Steuer gestanden. Niedersachsen ist zweitgrößter VW-Aktionär und konnte am Ende glänzen. © dpa
Christian Wulff Kandidat schwarz-gelbe Regierung Bundespräsidenten.
Und selbst in Zeiten der Wirtschaftskrise wollte der Regierungschef nichts von depressiver Stimmung wissen. © dpa
Christian Wulff Kandidat schwarz-gelbe Regierung Bundespräsidenten.
Niedersachsen sei gut aufgestellt, lautete Wulffs immer wiederkehrende Parole. © dpa
Christian Wulff Kandidat schwarz-gelbe Regierung Bundespräsidenten.
Turbulenzen geriet Wulff Anfang dieses Jahres, weil er für Flüge in den Weihnachtsurlaub mit der Familie ein kostenloses Upgrade in die Businessklasse angenommen hatte. © dpa
Christian Wulff Kandidat schwarz-gelbe Regierung Bundespräsidenten.
Der Regierungschef räumte einen Verstoß gegen das Ministergesetz ein und zahlte umgehend nach. © dpa
Christian Wulff ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung für das Amt des Bundespräsidenten.
Damit konnte er sich schnell wieder aus der Schusslinie bringen. Von Monika Wendel © dpa

Bei der Linken stellt sich der rot-grüne Kandidat Joachim Gauck vor (14.30 Uhr). Im Gegensatz zu Wulff ist der frühere DDR- Bürgerrechtler der Einladung der Linken gefolgt. Der CDU-Politiker hatte für seine Absage Termingründe angegeben.

Die Linke hat mit der Abgeordneten Luc Jochimsen eine eigene Kandidatin aufgestellt. Partei- und Fraktionsspitze haben einer Wahl Gaucks auch in einem dritten Wahlgang eine Absage erteilt. Allerdings plädieren auch einige prominente Parteimitglieder dafür, sich nicht festzulegen. In einem dritten Wahlgang würde die einfache Mehrheit für die Wahl zum Bundespräsidenten reichen. Der Linken könnte dann eine entscheidende Rolle zukommen.

Der Nachfolger von Bundespräsident Horst Köhler wird an diesem Mittwoch von der Bundesversammlung in geheimer Abstimmung gewählt. Das Gremium besteht aus den Mitgliedern des Bundestages und der gleichen Anzahl von Delegierten, die von den Landesparlamenten gewählt werden - darunter nicht nur Landtagsabgeordnete, auch Prominente. Von 1244 Wahlleuten entfallen auf Schwarz-Gelb 644 Sitze - 21 Stimmen mehr als die absolute Mehrheit von 623 Stimmen. Kann ein Kandidat diese im ersten und zweiten Wahlgang nicht erringen, gibt es eine dritte Abstimmung. Dabei reicht die einfache Mehrheit.

Joachim Gauck: Der Kandidat im Porträt

Joachim Gauck: Der Kandidat im Porträt

Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Gaucks Gegenkandidaten sind Christian Wulff (CDU, l.), der Kandidat der schwarz-gelben Regierung und Luc Jochimsen für die Linkspartei. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Joachim Gauck mischt sich gern ein. Und er ist “wortmächtig“, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel dem früheren DDR- Bürgerrechtler bescheinigt. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Als Gauck im Januar 70 Jahre alt wurde, kam die Kanzlerin selbst (hier mit ihrem Mann Joachim Sauer, l.) und und würdigte Gauck als “Versöhner, Einheitsstifter und Mahner“. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Schon als Pfarrer in Rostock (Foto) habe er dazu beigetragen, dass aus dem Widerstand gegen die DDR-Diktatur eine Massenbewegung wurde, sagte Merkel. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Noch heute erinnern Gaucks tragende Stimme, die ausgewogenen Sätze und die ruhige Art an den früheren Kirchenmann. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Nach der Wiedervereinigung wurde Gauck erster Chef der Stasi- Unterlagen-Behörde, die er bis zum Jahr 2000 leitete. Die Aufarbeitung zu organisieren - ohne Rache an den Stasi-Tätern - war eine gewaltige Aufgabe und historisch ohne Vorbild. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Der einstige Oppositionelle hat sich mit der Leitung einen bleibenden Namen gemacht. Noch heute sagen manche “Gauck-Behörde“, obwohl sie nun seit zehn Jahren von Marianne Birthler geleitet wird. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Vergessen werden dürfe nicht, wie die DDR-Staatssicherheit das Volk bespitzelte und Menschen ihre Zukunft nahm, hat Gauck immer wieder gemahnt. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Gaucks große Anliegen sind “Gerechtigkeit in der Gesellschaft“ und die innere Einheit. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Gauck appelliert an die Menschen, sich nicht zurückziehen, sondern aktiv ihre Rechte wahrzunehmen (hier mit Klaus Wowereit,l). © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Joachim Gauck weiß aus bitterer Erfahrung, das Demokratie nicht selbstverständlich ist: “Eine solche Gesellschaft mit Bürgerrechten und Pressefreiheit werde ich immer mit Dankbarkeit und Glück anschauen.“ Er habe in den ersten 50 Jahren seines Lebens auf demokratische Errungenschaften verzichten müssen. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Gauck legt auch öffentlich den Finger in die Wunde: Die Deutschen jammerten lieber, als sich über Erfolge zu freuen (hier mit der SPD-Führungsriege). “Deutsche fühlen sich gern schlecht“, mahnt er. © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Gegen diese “Verdruss-Süchtigkeit“ wolle er sich auch einsetzen. “Für ein gutes Miteinander braucht es die Erfahrungen der anderen“, sagt Gauck (hier mit der Führungsriege von Bündinis90/Die Grünen). © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Der Vater von vier Kindern und mehrfache Großvater engagiert sich auch im Verein “Gegen Vergessen für Demokratie“. Als Vorsitzender kümmert er sich zusammen mit vielen Mitstreitern um die Aufarbeitung der Geschichte der Diktaturen in Deutschland. (Foto: Bei der Verleihung des Point-Alpha-Preises des Kuratoriums Deutsche Einheit hält Gauck die Festrede) © dpa
Joachim Gauck Bundespräsident
Mit Nachdruck sagt Gauck: “Wir sind gegen Rechtsradikale und andere Feinde der Demokratie.“ © dpa
Joachim Gauck ist der rot-grüne Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten.
Dem stets korrekt gekleideten Gauck fliegen viele Sympathien zu (hier mit dem zurückgetretenen Bundespräsidenten Horst Köhler, M.). © dpa
Joachim Gauck Bundespräsident
Als Gauck mit seinem Erinnerungsbuch “Winter im Sommer - Frühling im Herbst“ auf Lesereise war, freute er sich über das Interesse. “ © dpa
Joachim Gauck Bundespräsident
Ich habe nur aufmerksame Zuhörer, ich kenne nichts anderes“, sagt der frühere Seelsorger. Von Jutta Schütz © dpa

Joachim Gauck, sieht auch Chancen, Stimmen aus der Linkspartei zu bekommen. Dem NDR sagte Gauck, es gebe junge Abgeordnete der Linken, die für soziale Gerechtigkeit kämpften und nicht durch ihre Teilhabe am Unterdrückungssystem der DDR belastet seien. Diese könnten an seinen “emanzipatorischen Politikvorstellungen durchaus etwas finden“.

Luc Jochimsen, bekräftigte dagegen, Gauck sei für die Linke nicht wählbar. Seine Haltung gegenüber der Linken sei unversöhnlich, sagte sie dem NDR. So habe er über die Partei gesagt, sie sei überflüssig und nicht regierungsfähig. “Und dann sollen wir so jemanden wählen? Das ist zu viel Nutte in der Politik“, sagte Jochimsen.

Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) erwartet von einem Bundespräsidenten Wulff, dass er ein moderner Repräsentant für alle in Deutschland lebenden Menschen sein werde. “Christian Wulff hat früher als viele andere auch Maßstäbe bei der Integration von Zuwanderern gesetzt“, sagte Özkan der “Rheinischen Post“ (Dienstag). Wulff verkörpere “Traditionsbewusstsein und Weltoffenheit zugleich“. Wulff hatte die türkischstämmige Özkan im Frühjahr in sein Kabinett geholt. Der schwarz-gelbe Kandidat für das Präsidentenamt, Christian Wulff (CDU), will nach einer Wahl seinen Amtsvorgänger Horst Köhler als Berater einbinden. “Er kennt sich sehr gut aus, wenn es um Hilfe für Staaten, die Stabilisierung von Währungen und um Not- und Rettungspläne für Länder geht“, sagte Wulff in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. “Die Kompetenz von Horst Köhler ist unverzichtbar. Ich werde jeden Versuch machen, weitreichend auf diesen Fundus zurückzugreifen.“

dpa

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