Ex-Fußball-Star Berthold polarisiert

Corona-Demos: Kabarettist irritiert Teilnehmer mit verblüffender Rede - Staatssekretär fordert harte Kante

Nach der Corona-Demo in Berlin folgte am Samstag ein Event in Stuttgart. Ein weiterer Eklat blieb aus - dafür ging der Auftritt eines Kabarettisten viral.

  • Nach Protesten in Berlin entstand eine Debatte über die Grenzen der Demonstrationsfreiheit.
  • Die Teilnehmer dort hatten großteils Infektionsschutz-Regeln nicht eingehalten.
  • Nun haben in Stuttgart und Dortmund ähnliche, aber kleinere Demos stattgefunden.

Update vom 27. August: Erneut gibt es heftigen Streit um Corona-Demonstrationen: Anlass ist das Verbot für neuerliche Proteste in Berlin. Gewaltaufrufe in sozialen Netzwerken bereiten Sorgen.

Update vom 10. August, 7.55 Uhr: Auch am Wochenende haben in Stuttgart und Dortmund wieder Menschen gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert. Größere Regelübertretungen blieben offenbar aus - auch wenn es in Dortmund zu einigen Verstößen etwa gegen die Maskenpflicht kam. Die größeren Schlagzeilen machten polarisierende Auftritte in Stuttgart (siehe Update vom 9. August, 15.00 Uhr).

Innenstaatssekretär Günter Krings (CDU) fordert nun allerdings ein härteres Vorgehen der Ordnungskräfte gegen Demo-Teilnehmer, die gegen Corona-Regeln verstoßen. „Es macht keinen Sinn, wenn wir uns Regeln geben, die dann nicht durchgesetzt werden“, sagte er der Rheinischen Post. „Man kann gegen Regeln protestieren oder demonstrieren, aber man darf sich nicht einfach über sie hinwegsetzen.“ Deshalb müssten die Ordnungskräfte künftig noch konsequenter durchgreifen und auch gegen Demonstranten, die Abstandsregeln nicht einhielten, wirksam Bußgelder verhängen.

Bei der Anmeldung neuer Demonstrationen* sollten Städte zudem genau prüfen. „Neue Demonstrationen von Veranstaltern, die bereits gezeigt haben, dass bei ihren Demos massiv gegen Regeln verstoßen wird - wie etwa am 1. August in Berlin - sollten grundsätzlich verboten werden.“

Der Grünen-Innenexperte Konstantin von Notz sagte der Zeitung hingegen: „Wir dürfen diese Demos nicht überbewerten. Da treffen sich die unterschiedlichsten Menschen, die zum Teil sehr verrücktes Zeug von sich geben und sich mit ihren teilweise krass esoterischen bis offen wahnsinnigen Positionen oft auch schlicht lächerlich machen.“ In der Breite der Bevölkerung habe man aber ein hohes Maß an Rationalität und Verantwortung.

Zwischen legitimem Protest und Aufschwung für bedrohliche Denkmuster - Corona-Demos sorgen für Streit. Sorge provozierte nun auch die Rede eines Polizei-Spezialisten.

Corona-Demos: Rund 1.500 Protestierende in Dortmund - teils ohne Mundschutz

Update vom 9. August, 15.44 Uhr: Rund 1500 Demonstranten gegen Corona-Schutzmaßnahmen haben sich am Sonntag in der Dortmunder Innenstadt versammelt. Die Polizei rief die Demonstranten auf, sich an die Abstandsregeln zu halten. Der Beginn der Demonstration verzögerte sich zunächst. Viele der Teilnehmer trugen nach Angaben einer dpa-Reporterin vor Ort keinen Mundschutz. Viele suchten zunächst im Schatten Schutz vor der Sonne, sodass der Mindestabstand von 1,50 Metern nicht überall eingehalten wurde. Die Organisation „Querdenken-231“ hatte die Veranstaltung angemeldet.

Corona-Demo in Stuttgart: Kabarettist verblüfft alle - „Bin der Auffassung, dass ...“ - Buhrufe folgen

Update vom 9. August, 15.00 Uhr: Mit einer in dieser Form von den Teilnehmern einer Corona-Demo völlig unerwarteten Auftritt hat der Kabarettist Florian Schroeder am Samstag schwere Debatten in den sozialen Netzwerken ausgelöst: Schroeder sprach beim Termin der Bündnisses „Querdenken 711“ in Stuttgart vor mehreren hundert Zuhörern - und enttäuschte deren Erwartungen auf das Heftigste.

„Mein Name ist Schroeder, ich komme aus dem Mainstream“, stellte sich der 40-Jährige vor - er sei eingeladen worden, weil er im „NDR-Mainstream-Fernsehen“ die Gelegenheit genutzt habe, „die Wahrheit zu sagen“, erklärte Schroeder unter dem anfänglichen Jubel der Zuhörer. „Wenn wir hier irgendeine Form von Diktatur hätten, dürftet ihr euch hier gar nicht treffen und ich dürfte hier nicht sprechen“, sagte er allerdings wenig später.

Corona-Demo in Stuttgart: Skurriler Auftritt von Kabarettist Schroeder - „Bin der Auffassung, dass ...“

Mit der These, in der Geschichte seien es „immer die Ausnahmezustände gewesen, die die zukünftige Diktatur vorbereitet haben“, schien Schroeder das Publikum wieder auf seine Seite zu ziehen. Möglicherweise sei man in einer ähnlichen Situation wie 1929 und es fehle nur eine große Wirtschaftskrise, um eine Katastrophe in Gang zu bringen, fügte er hinzu. „Wer wird diese Wirtschaftskrise auslösen?“, fragte der Kabarettist dann das Publikum: „Es werden die sein, die sagen, wir brauchen keine Masken zu tragen, weil es Maulkörbe sind. Es werden die sein, die sagen, Bill Gates will uns alle chippen.“

„Ich bin der Auffassung, dass Corona eine hochgefährliche, ansteckende Krankheit ist. Und ich bin der Überzeugung, dass Maskentragen und Abstandhalten das Wichtigste und Beste ist, was wir in diesen Tagen tun können“, erklärte Schroeder unter vernehmbaren Buh-Rufen. Wer für Meinungsfreiheit ist, müsse auch diese, seine Meinung aushalten. Zuvor hatte er auf die provokante Frage, ob die Anwesenden die "totale Meinungsfreiheit" wollen, beinahe ungetrübte Zustimmung erhalten.

Auch die These, die Medien seien gesteuert, wies Schroeder zurück. Das Robert-Koch-Institut habe sich mit widersprüchlichen Masken-Empfehlungen disqualifiziert, auch das Gesundheitsministerium habe Fehler gemacht, erklärte er: „Woher hab ich diese Informationen, die ich jetzt kurz hier vorgetragen habe? Ich habe sie aus dem Spiegel und aus der Zeit. Aus dem Mainstream.“

Corona-Demo in Stuttgart: Fußball-Star Thomas Berthold tritt auf - Kundgebung bleibt friedlich und weitgehend geordnet

Auch Fußballweltmeister Thomas Berthold löste bei der Demo kontroverse Reaktionen aus. Der 55 Jahre alte frühere
Fußballprofi forderte unter anderem, dass die Menschen wieder angstfrei leben sollten. Er habe kein Vertrauen in die Regierung. „Ich mache mich weder mit Verschwörungstheoretikern noch mit Rechtspopulisten gemein, habe nur meine Meinung über die Maßnahmen der Regierung gesagt“, erklärte er später der Bild am Sonntag.

Nach Angaben der Polizei nahmen an der Corona-Demo in Sttugart mehrere Hundert Menschen teil, die Veranstalter nannten die Zahl 5000. Demonstration und Kundgebung seien friedlich und ohne Zwischenfälle verlaufen, sagte ein Polizeisprecher am Sonntagmorgen. Die Teilnehmer bemühten sich nach Angaben der Polizei überwiegend, die geforderten Mindestabstände einzuhalten. In Berlin hatten am vergangenen Wochenende Tausende gegen die Corona-Beschränkungen protestiert. Weil viele Demonstranten weder Abstandsregeln einhielten noch Masken trugen, hatte die Polizei die Kundgebung aufgelöst.

Corona-Demos in Deutschland: Mehrere hundert Menschen in Stuttgart

Update vom 8. August, 18.40 Uhr: Mehrere Hundert Teilnehmer sind am Samstag durch die Stuttgarter Innenstadt gezogen, um gegen die Corona-Politik zu demonstrieren. Die Veranstalter von der Initiative „Querdenken 711“ sprachen von etwa 5000 Teilnehmern. Nach Angaben der Polizei blieben die Proteste ruhig - außerdem seien die Teilnehmer bemüht gewesen, die vorgeschriebenen Mindestabstände einzuhalten.

Baden-Württemberg, Stuttgart: Mehrere Hundert Menschen demonstrierten friedlich gegen die Corona-Politik

Update vom 8. August, 15.58 Uhr: Einige Hundert Menschen haben sich am Samstag zur „Querdenken“-Demo gegen Corona-Einschränkungen in Stuttgart versammelt. Die Teilnehmer planten nach einer ersten Versammlung auf dem Marienplatz einen Zug durch die Innenstadt. Demonstranten zeigten Transparente mit Aufschriften wie „Mit Maske - Ohne Mich“ oder „Wir haben Euch durchschaut“. Sie skandierten „Freiheit, Freiheit“. Organisiert wurde die Demonstration von der Initiative „Querdenken 711“.

Ursprungsartikel vom 7. August: Nach der Demonstration gegen Corona-Regeln in Berlin rüstet sich auch die Polizei in Dortmund für größere Proteste gegen die staatlichen Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Für Sonntag habe die Organisation „Querdenken-231“ eine Veranstaltung unter dem Motto „Festival für Frieden & Freiheit - Wahrung unserer Grundrechte“ angemeldet, wie die Polizei bekannt gab. Etwa 1500 Teilnehmer würden in der Innenstadt erwartet. „Was für ein Publikum da zusammenkommt“, sei jedoch noch eher unklar, wie eine Sprecherin erklärte.

Nach Demons in Berlin: Bundesweite Debatte über Demonstrationsrecht und Infektionsschutz

Nachdem die Demos in Berlin eine Debatte ausgelöst haben, die sich um die Grenzen des Demonstrationsrechts drehten, betonte Einsatzleiter Udo Tönjann, dass für den Polizeieinsatz der Infektionsschutz* gerade in Zeiten der aktuell bundesweit steigenden Ansteckungszahlen „eine herausragende Rolle spielen“ werde . Wenn Hygiene- oder Abstandsregelungen missachtet würden, „werden wir entschlossen und konsequent einschreiten“.

In Stuttgart sind ebenfalls zwei Veranstaltungen geplant, die am Samstag stattfinden. Zu einer Demonstration und einer Kundgebung wurden je 500 Teilnehmer bei der Stadt angemeldet.

Am vergangenen Wochenende hatten in Berlin Tausende gegen die Corona-Regeln demonstriert. Viele Protestler hielten weder Abstandsregeln ein noch trugen sie Masken. Aus diesem Grund löste die Polizei die Kundgebung auf. Zu der Demo unter dem Motto „Das Ende der Pandemie* - Tag der Freiheit“ hatte die Initiative „Querdenken 711“ aufgerufen, die auch hinter der Veranstaltung in Dortmund steckt. Neben Corona-Leugnern und Impfgegnern waren auch viele Teilnehmer mit eindeutig rechtsgerichteten Fahnen oder T-Shirts in der Menge.

Erneute Coronavirus-Demo in Berlin geplant

Neben den Veranstaltungen in Dortmund und Stuttgart wird es auch in Berlin, wo es ein Mann nun mit drei Wildschweinen aufnahm* erneut zu einer Demonstration kommen. Die Gegner der Corona-Beschränkungen* haben für den 29. August eine Veranstaltung unter dem Namen „Versammlung für die Freiheit“ angemeldet. 17.000 Teilnehmer werden erwartet, wie ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur AFP sagte. Bei einer anschließenden Kundgebung erwartet die Stuttgarter Initiative Querdenken 711 insgesamt 22.500 Teilnehmer.

Bereits zweimal hatte Berlin eine Kundgebung des Verschwörungstheoretikers Attila Hildmann verboten, weil gegen ihn wegen des Vorwurfs unter anderem der Volksverhetzung und Bedrohung ermittelt wird. Zudem missachteten Teilnehmer bei vorherigen Hildmann-Demos immer wieder die Vorgaben zu Mindestabstand und Maskenpflicht. *Merkur.de und tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Urlaub trotz Pandemie: Politiker stellen gravierende Forderungen für Reisen in Corona-Risikogebiete.

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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