Nach Rücktritt von Rapanos

Athen: Ökonomieexperte übernimmt Finanzen

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Yiannis Stournaras ist der neue Finanzminister Griechenlands.

Athen - Erleichterung in Athen: Der renommierte Ökonomieprofessor Ioannis Stournaras soll neuer Finanzminister im pleitebedrohten Griechenland werden.

Das teilte das Büro von Ministerpräsident Antonis Samaras am Dienstag mit. Der 55-jährige Wirtschaftsexperte von der Universität Athen fordert seit Jahren Reformen und eine Verschlankung des Staates. Dies sei der einzige Ausweg aus der schlimmsten Krise in der jüngeren Geschichte des Landes.

„Wir haben einen holprigen Weg vor uns. Wir müssen regelrecht Mauern von etablierten Kreisen und Denkweisen durchbrechen, die die Reformen nicht wollen“, sagte Stournaras laut TV-Berichten vom Dienstag bei einer Buchpräsentation in Athen. „Wir werden es aber schaffen“, gab er sich überzeugt. Stournaras war in den vergangenen Wochen Wirtschaftsminister der Interimsregierung, die Griechenland zu den Wahlen am 17. Juni führte.

Sieger und Verlierer der Griechenland-Wahl

Nach Auszählung fast aller Stimmen kam die konservativen Neo Dimokratia (ND)  bei der Wahl vom Sonntag auf 29,7 Prozent oder 129 Sitze, vor der radikalen Linksallianz Syriza, die eine Aufkündigung des Sparkurses anstrebt. © dpa
„Das griechische Volk hat heute dafür gestimmt, dass Griechenland auf dem europäischen Weg und in der Eurozone bleibt“, sagte der ND-Vorsitzende Antonis Samaras. „Dies ist ein Sieg für ganz Europa.“ © dpa
Die Wähler hätten sich für eine Politik entschieden, die Arbeitsplätze, Wachstum, Gerechtigkeit und Sicherheit bringe. © dpa
Sozialisten-Chef Evangelos Venizelos schlug die Bildung einer möglichst breiten Regierung aus Konservativen, Sozialisten, radikalen sowie gemäßigten Linken vor. © dpa
Zusammen mit der sozialistischen Pasok-Partei, die auf 12,3 Prozent kommt, würde die NP über eine Mehrheit von 162 Mandaten im 300 Sitze zählenden Parlament verfügen. © dpa
Syriza-Chef Alexis Tsipras räumte seine Niederlage ein und erklärte, er habe Samaras zum Sieg gratuliert. © dpa
Allerdings betonte Syriza-Chef Alexis Tsipras, seine Partei wolle stärkste Oppositionskraft bleiben. Das Volk habe innerhalb von sechs Wochen zum zweiten Mal das Sparpaket verurteilt. © dpa
Das radikale Linksbündnis Syriza, das eine Aufkündigung des Sparprogramms angekündigt hatte, wurde mit 26,9 Prozent der Stimmen zweitstärkste Kraft. Die Wahlbeteiligung lag bei gut 62 Prozent. © dpa
In letzter Konsequenz ging es bei der Wahl um die Frage, ob Athen in der Eurozone bleibt oder zur Drachme zurückkehrt. © dpa
Syriza-Anhänger jubeln Parteichef Alexis Tsipras zu. © dpa
Syriza-Anhänger jubeln Parteichef Alexis Tsipras zu. © dpa
Syriza-Anhänger jubeln Parteichef Alexis Tsipras zu. © dpa

Der 55-Jährige setzt sich vehement für den Verbleib Griechenlands im Euroland ein. Er hatte bereits an den Verhandlungen zum Beitritt seines Landes zum Euroland teilgenommen. Stournaras ist auch Chef des griechischen Instituts für Ökonomie- und Industrieforschung (IOWE). Er hat viel Erfahrung als Mitarbeiter der griechischen Zentralbank (Bank of Greece) und Vorstand der griechischen Handelsbank (Commercial Bank).

Wann Stournaras vereidigt wird, blieb zunächst unklar. Ungewiss war auch, ob er schon an diesem Donnerstag an dem EU-Gipfel in Brüssel teilnehmen wird. Denn es gibt noch ein „hoffentlich letztes“ Gesundheitsproblem, wie viele Griechen sagen: Regierungschef Samaras muss nach einer Augenoperation diese Woche zu Hause bleiben. Aus diesem Grund kann auch der neue Finanzminister nicht vereidigt werden. Das Protokoll sieht die Präsenz des Ministerpräsidenten bei der Vereidigung vor. Griechenland wird beim bevorstehenden EU-Gipfel von seinem Präsidenten Karolos Papoulias vertreten.

„Endlich haben wir einen Kapitän am Steuer. Hoffentlich ist es nicht zu spät“, sagte ein Beobachter zur Ernennung Stournaras'. In fast allen Bereichen sind die Kassen leer. Vor allem das Gesundheitssystem leidet darunter.

Der designierte Finanzminister Vasilios Rapanos hatte aus gesundheitlichen Gründen auf sein Amt verzichtet. Er musste nach einem Schwächeanfall am Wochenende im Krankenhaus behandelt werden.

dpa

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