Coronavirus-Pandemie

Remdesivir: Arzneimittelbehörde weitet Einsatz gegen Corona aus

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Der Wirkstoff Remdesivir wurde gegen Ebola entwickelt, könnte sich jetzt aber als wirksames Mittel im Kampf gegen die durch das Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelöst Lungenkrankheit Covid-19 erweisen.

Ein Medikament gegen das Coronavirus wird dringend gesucht. Remdesivir verkürzt zumindest die Zeit bis zur Genesung. Die europäische Arzneimittelbehörde weitet den Einsatz aus.

  • Ein Medikament, das gegen Covid-19* hilft, wird in der Corona-Pandemie* dringend gesucht
  • Auf dem antiviralen Wirkstoff Remdesivir, der gegen Ebola entwickelt wurde, ruhen viele Hoffnungen
  • Erste Ergebnisse aus den USA waren vielversprechend, nun könnte das Medikament bald zum Einsatz kommen

Update vom 13. Mai 2020: Die Hoffnungen bei der Behandlung von Covid-19 liegen auf dem Wirkstoff Remdesivir, der ursprünglich gegen Ebola entwickelt wurde. Nach Studien unter anderem in den USA hat die  Europäische Arzeimittelbehörde EMA ihre Empfehlungen für den begrenzten Einsatz des Wirkstoffs Remdesivir ausgeweitet. Es könne nun zusätzlich bei bestimmten stationären Corona-Patienten angewandt werden, die nicht auf Beatmungsgeräte angewiesen seien, teilte die EMA mit.

Bei einer klinischen Studie in den USA hatte man festgestellt, dass Remdesivir die Zeit bis zur Genesung vom Coronavirus um mehrere Tage verkürzen konnte. Allerdings fehlen noch gesicherte Angaben zu Nebenwirkungen.

Remdesivir ist bislang in keinem Land der Welt als Medikament zugelassen, auch nicht zur Behandlung von Ebola. In den USA gilt seit Anfang Mai eine Ausnahmegenehmigung für den begrenzten Einsatz des Wirkstoffes in Krankenhäusern. Auch in Deutschland ist das Mittel innerhalb eines Arzneimittel-Härtefallprogrammes für Corona-Patienten zugänglich und wird in klinischen Studien getestet.

„Remdesivir wirkt“ - Medikament gegen Covid-19 könnte bald verfügbar sein

Update vom 10. Mai 2020: Nachdem vor einigen Wochen in den USA erste vielversprechende Ergebnisse zum Wirkstoff Remdesivir als Mittel gegen das Coronavirus bekannt wurden, gibt es nun auch aus Deutschland positive Signale: Das Präparat Remdesivir „werden wir binnen Wochen oder weniger Monate zur Verfügung haben“, sagt der Leiter der Infektiologie am Universitätsklinikum Köln, Gerd Fätkenheuer, dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Bei Remdesivir handelt es sich um ein Wirkstoff, der gegen Ebola entwickelt wurde. Er wird derzeit auch in Deutschland in einer Studie erforscht, da in der Corona-Krise dringend Medikamente gebraucht werden. Die Studie sei in einem „sehr weit fortgeschrittenen Stadium“, so Fätkenheuer. „Wir können sagen: Remdesivir wirkt“. Man habe bereits nachgewiesen, dass Remdesivir bei einer Covid-19-Erkrankung den schweren Verlauf abmildere und verkürze.

Remdesivir als Medikament gegen Corona: Nebenwirkungen nicht bekannt

Wesentliche Nebenwirkungen von Remdesivir seien nicht bekannt, müssten aber noch weiter untersucht werden. Das Medikament liege nach Berechnungen eines britischen Forschers bei einem Selbstkostenpreis von etwa zehn Euro für eine zehntägige Behandlung. „Wie teuer es dann verkauft werden wird, ist eine andere Frage“, so Fätkenheuer.

Gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger warnt der Forscher davor, dass sich das Virus „schleichend, gleichsam unter dem Radar, ausbreitet und es zu einer immer wieder genannten zweiten Welle kommt, die dann von unvergleichlich größerer Wucht sein wird“.

Remdesivir gegen das Coronavirus: Wirkstoff dringend gesucht

Erstmeldung vom 17. April 2020: Ursprünglich wurde der antivirale Wirkstoff Remdesivir gegen Ebola entwickelt, doch mittlerweile zählt er zu den Wirkstoffen, bei denen man die größten Hoffnungen hat, dass sie möglicherweise gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 helfen. In einem Krankenhaus in Chicago führen US-Forscher eine klinische Studie mit dem Medikament durch – offenbar mit vielversprechenden Ergebnissen: Wie das Gesundheitsportal „Stat“ berichtet, haben in dem Krankenhaus mehrere Corona-Patienten positiv auf Remdesivir reagiert.

Die Mediziner in dem Krankenhaus würden bei den mit Remdesivir behandelten Corona-Patienten eine „schnelle Erholung von Fieber und respiratorischen Symptomen“ beobachten, „beinahe alle Patienten“ seien in weniger als einer Woche wieder aus der Klinik entlassen worden, heißt es in dem Bericht. Demnach wurden 125 Personen mit Covid-19 in die klinische Studie aufgenommen. 113 dieser Patienten seien „schwer erkrankt“, alle 125 Patienten erhielten täglich Remdesivir-Infusionen.

Hilft Remdesivir gegen Covid-19? Vielversprechende Ergebnisse aus den USA

An anderen Kliniken in den USA gibt es ebenfalls Studien, aus denen jedoch bisher noch keine Ergebnisse bekannt geworden sind. Gilead Sciences, der Hersteller von Remdesivir, betont in einem Statement: „Was wir in diesem Stadium sagen können, ist, dass wir auf Daten aus den anderen Studien warten.“ Zuvor hieß es, dass die Daten für April erwartet würden. „Stat“ geht davon aus, dass die Daten der klinischen Studie „jederzeit“ veröffentlicht werden könnten.

„Die meisten unserer Patienten sind schwer erkrankt und die meisten von ihnen verlassen das Krankenhaus nach sechs Tagen“, zitiert das Portal „Stat“ Kathleen Mullane von der University of Chicago. Mullane hatte das in einer Videokonferenz mit anderen Mitgliedern ihrer Fakultät gesagt, ein Mitschnitt davon liegt dem Portal vor und wurde später von Mullane bestätigt. „Irgendwelche Schlüsse“ aus den Daten zu ziehen, sei jedoch ‚verfrüht und wissenschaftlich unseriös‘“, teilt die University of Chicago in einem Statement zu dem Mitschnitt mit.

Wirkstoff gegen Corona: Remdesivir-Studie mit Vorsicht betrachten

Tatsächlich muss man die Daten zu Remdesivir vorerst mit Vorsicht betrachten: Sie wurden bisher nicht von unabhängiger Stelle bestätigt, außerdem laufen weitere Studien noch. Mullane gibt in dem Videomitschnitt weiter zu bedenken, dass es in der Remdesivir-Studie keine Placebo-Gruppe zur Kontrolle gibt.

Der Wirkstoff Remdesivir integriert sich in die RNA und hemmt dort die Vermehrung des Coronavirus Sars-CoV-2. Remdesivir wird intravenös per Infusion verabreicht und gilt als Breitband-Virostatikum, das gegen unterschiedliche Viren wirksam sein könnte – neben Sars-CoV-2 auch gegen die verwandten Erreger von Sars und Mers oder eben das Ebolavirus.

Medikament gegen Coronavirus: Remdesivir in Deutschland bisher nicht zugelassen

Zugelassen ist Remdesivir in Deutschland bisher nicht. Derzeit wird der Wirkstoff in Deutschland direkt über den Hersteller in Einzelfällen nach vorheriger Prüfung zur Verfügung gestellt*. Dabei handelt es sich um so genannte „individuelle Heilversuche“. Seit Anfang April steht Remdesivir auf der Liste der bestätigten Arzneimittel-Härtefallprogramme des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Die WHO hat die Erforschung von Remdesivir in klinischen Studien bereits im Januar priorisiert.

Der Präsident des BfArM, Karl Broich, rechnet in drei Monaten mit ersten Studienergebnissen zur Behandlung von Covid-19. Bis dahin würden Daten aus zwei großen Studien mit Remdesivir in Deutschland erwartet, so Broich. Insgesamt gebe es einige erfolgversprechende Therapieansätze.

Medikament gegen Covid-19 wird sehnsüchtig erwartet

Ob Remdesivir das heiß ersehnte Medikament ist, das gegen Covid-19 hilft, bis ein Impfstoff gegen Sars-CoV-2* entwickelt wurde, dürften die kommenden Monate zeigen. Ein wirksames Mittel, das die die Krankheit Covid-19 lindert, könnte die Bemühungen unterstützen, die Gesundheitssysteme vor einem Kollaps zu bewahren, bis ein Impfstoff entwickelt ist.

Von Tanja Banner

Studien machen Hoffnung: Medikament Remdesivir zeigt Wirkung bei Covid-19-Patienten. Derweil erklärt das RKI, warum die Reproduktionszahl in Deutschland derzeit steigt.

*fr.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion.

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